Nach 4 Jahren in die Prime Time

3. Juni 2015: "Tom meets Zizou" heute um 20:15 Uhr bei Einsfestival.

Höchste Anerkennung erhielt Aljoscha Pauses Langzeitporträt über Thomas Broich in der Fußball(kultur)-Welt schon lange. Einen Grimme-Preis gab es auch noch oben drauf. Doch die Fernsehwelt hatte bisher trotzdem nur die nächtlichen Sendeplätze frei. Heute schafft es der Film erstmals in die Primetime, wenn auch 'nur' im Spartensender  Einsfestival. Sei's drum, wir empfehlen Tom meets Zizou auf jeden Fall einzuschalten. Übrigens nicht nur Fußballfachleuten - warum?

Hier mal die Einschätzung einer Theaterwissenschaftlerin:

"Nur weil ich keine Ahnung von Fußball habe, mag ich trotzdem gut erzählte und nachvollziehbare Geschichten und diese lebt ja zusätzlich von ihrer unverhofften Dramaturgie: der Entwicklung der äußeren Ereignisse auf der einen Seite und die innere, persönliche Entwicklung von Thomas auf der anderen Seite.

Außerdem geht es ja um weit mehr als Fußball: um Gewissenskonflikte, Identitätssuche, um die Frage nach Verzicht und Prioritäten, den schmalen Grat zwischen Flexibilität und Selbstaufgabe, Euphorie und Bessenheit, Anerkennung und Eitelkeit, den Reiz und die Last des Anders-Seins, die Macht der Psyche über den Körper, den Einfluss der Medien auf das Selbstbild, die Sehnsucht nach Wertschätzung und die damit verbundene eigene Verletzlichkeit, die Frage danach, welche Ziele man selbst hat, und was man nur macht, um ein Bild von sich zu erfüllen...  Themen und Fragen, die wohl jeder mehr oder weniger an sich heranlässt.

Schön ist, dass Thomas weder mystifiziert noch bemitleidet wird. Im Grunde hat der Film seine eigenen inszenatorischen Mittel sehr zurückgenommen, um die originäre Medieninszenierung und Selbstinszenierung von Thomas für sich sprechen zu lassen - ebenso reflektiert und bewertet der Film nicht mit seinen (manipulativen) Mitteln, sondern überlässt Thomas selbst und dem Zuschauer die Verantwortung, die dargestellten Ereignisse und Entscheidungen zu reflektieren und einzuschätzen.

Der Film schafft es, atmosphärisch zu sein und dabei auf inhaltliche und ästhetische Verklärung zu verzichten. Das ist für eine Dokumentation wunderbar!"