Lizenz zum Gelddrucken

7. Juli 2010: Wer an der WM verdient

Über die „ratternde Profitmaschine“ Fußball-WM berichtet  Johanna Herzig (Deutschlandfunk). „Sechs Hersteller, darunter die Giganten Adidas und Nike, haben die 32 teilnehmenden Fußball-Mannschaften ausgestattet. Doch mit Trikots, Hosen und Stutzen ist es nicht getan: rund 85 Millionen Euro jährlich zahlt beispielsweise Adidas an die Fußball-Verbände der Mannschaften, die man als Werbeträger auserkoren hat. Dazu kommen die Kosten für die offizielle Partnerschaft mit der Fifa: acht Jahre läuft der Vertrag, macht noch mal rund 260 Millionen Euro.“ 1974 sei Adidas mit der Fifa einen „faustischen Pakt“ eingegangen. Damals sei Adidas-Mann Horst Dassler als Königsmacher aufgetreten „und verhalf Joao Havelange zum Fifa-Chefposten, wobei nach Recherchen des Journalisten Andrew Jennings eine Menge Schmiergeld geflossen sein soll. (…) 1983 gründete Horst Dassler das Vermarktungs-Unternehmen ISL, das die Fernsehrechte von der Fifa abkaufte, um sie anschließend gegen gutes Geld an die Sender weiterzugeben“, so Herzig. „Die Fußball-Weltmeisterschaft, sie ist ein Goldesel, der vielen Herren dient und wohl auch in Zukunft stets gut gefüttert wird – und zwar vom Verbraucher.“

Großaufträge ohne Ausschreibungen

Dass die lokalen Organisatoren in Südafrika von den großen Einnahmen wenig bekommen und in argen finanziellen Schwierigkeiten stecken, berichtet  Jens Weinreich ebenfalls im Deutschlandfunk. „Zwar leistete der Weltverband Fifa kürzlich einen weiteren Zuschuss vom 100 Millionen Dollar zum WM-Etat, doch das Geld ist aufgebraucht. Wegen der Fehlkalkulation im Ticketgeschäft und der mangelnden Nachfrage ergeben sich neue Finanzlücken, so dass Experten damit rechnen, dass das Organisationskomitee große Rechnungsposten von Subunternehmern nicht begleichen kann.“ Selbst das Trainingslager des Nationalteams in Brasilien habe sich der südafrikanische Verband von Sponsoren bezahlen lassen müssen. Laut Weinreich gebe es zudem Hinweise darauf, dass bei der Auftragsvergabe nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. „Südafrikas Finanzministerium hatte im Frühjahr in internen Verhandlungen mehrfach zusätzliche Subventionen zugesagt – wollte aber im Gegenzug Einblick in die Bücher des Organisationskomitees erhalten. Das OK lehnte ab. Experten werten dies als indirektes Eingeständnis skandalöser Vorgänge im OK: So sollen Großaufträge fast ausnahmslos ohne Ausschreibungen vergeben worden sein.“