Literatur

Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet. Biografie eines jüdischen Fußballers

Publizist Werner Skrentny liefert erste ausführliche Biografie über den deutschen Fußball-Nationalspieler jüdischen Glaubens

Werner Skrentny:
Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet. Biografie eines jüdischen Fußballers

ISBN 978-3-89533-858-8
Verlag Die Werkstatt, 2012
352 Seiten, 24,90 €

Einst wurde er gefeiert, dann von den Nazis diskriminiert und schließlich ermordet. Das Erinnern an ihn kam erst spät. Über den deutschen Fußball-Nationalspieler jüdischen Glaubens, Julius Hirsch, liegt nun erstmals eine ausführliche Biografie vor.

Autor des 352 Seiten starken Buches ist der Publizist Werner Skrentny, der seit vielen Jahren zu Julius Hirsch forscht und dabei eng mit dessen Nachkommen zusammenarbeitet. Ihm gelingt ein facettenreicher Blick auf die Person Julius Hirsch und auf die Zeitumstände, mit denen er zu tun hatte – insbesondere die Drangsalierungen, unter denen auch jüdische Sport-Prominente in der NS-Zeit zu leiden hatten.

Hirsch galt als einer der besten Stürmer seiner Zeit; er war mehrfacher Nationalspieler und Olympia-Teilnehmer. Als erstem Fußballer gelang es ihm, mit zwei Vereinen Deutscher Meister zu werden: 1910 mit dem Karlsruher FV und 1914 mit der SpVgg Fürth. Mit der Machtübernahme der Nazis erlitten er und seine Familie schwere Diskriminierungen; der einst erfolgreiche Geschäftsmann verarmte und litt unter Depressionen.

1943 wurde das einstige Fußballidol im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Hirschs Schicksal wurde auch in der Nachkriegszeit noch lange verschwiegen, ebenso wie die Biografie seines Mitspielers und Glaubensgenossen Gottfried Fuchs, bis heute Rekord-Torjäger der Nationalelf. Der entkam den Nazis zwar durch Emigration nach Kanada, doch eine Wieder gutmachung durch den deutschen Fußball erlebte er nicht mehr. Als Sepp Herberger, dessen Jugendidol er einst war, 1972 vorschlug, Fuchs als Ehrengast zu einem Länderspiel einzuladen, lehnte das DFB Präsidium mit fadenscheiniger Begründung ab. Auch das liest man, wie so vieles andere, mit einiger Fassungslosigkeit in Skrentnys Buch.

"Die vorliegende Biografie ist vielleicht die ausführlichste, die je einem der jüdischen Opfer im Sport gewidmet wurde. Sie zeichnet detailreich nach, wie der Rassenwahn der Nazis und die Gleichgültigkeit von Millionen Mitläufern einen gefeierten Nationalstürmer, einen ehrbaren Karlsruher Kaufmann, den deutschen Bürger Julius Hirsch und seine Familie demütigt, erniedrigt und ihn schließlich ermordet. Dieses Buch ist ein Denkmal für den Menschen Julius Hirsch und ein Mahnmal für die Zukunft." (aus dem Vorwort von Dr. Theo Zwanziger)

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