Grimme-Preis für "TABUBRUCH"

19. März 2010: Der Dokumentarfilmer Aljoscha Pause wurde für seine DSF-Doku "TABUBRUCH - Der neue Weg von Homosexualität im Fußball" mit dem 46. Adolf-Grimme-Preis 2010 in der Kategorie Information & Kultur / Spezial ausgezeichnet. Die Dokumentation entstand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur.

Aljoscha Pause
Aljoscha Pause

Aljoscha Pause wurde für seine Dokumentation "TABUBRUCH - Der neue Weg von Homosexualität im Fußball" mit dem 46. Adolf-Grimme-Preis 2010 in der Kategorie Information & Kultur / Spezial ausgezeichnet.

Die DSF-Doku entstand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur und wurde im DSF am 19. Mai 2009 erstmals ausgestrahlt.

Schon Pauses erste TV-Dokumentation zum Thema Homosexualität und Fußball, Das große Tabu, hatte 2008 viel Aufsehen erregt.

Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur gratuliert dem Filmemacher und allen Beteiligten!

"TABUBRUCH" wird am Dienstag, den 16. März 2010 um 19:00 Uhr im Rahmen des Fußball-Filmfestivals  11mm in Berlin gezeigt. Im Anschluss gibt es ein Filmgespräch mit Filmautor Aljoscha Pause und u.a. Mitgliedern der Hertha-Junxx, des 2001 gegründeten ersten offiziellen schwul-lesbischen Fußballfanclubs der Bundesliga. Ebenfalls dabei: Marcus Urban, der „Versteckspieler“ aus der gleichnamigen Biographie, der seinen Traum vom Profifußball endgültig aufgab und das Coming-out wagte.

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Tabubruch - Begründung der Jury

Es scheint zunächst, als gebe es da nirgends ein Tabu mehr zu brechen: Schwule und Lesben sind in Politik und Kultur, in Film und Fernsehen bekannt, anerkannt, und sie können offen zu ihrer Neigung stehen. Doch gibt es eine Leerstelle, über die auch im Fernsehen so gut wie niemals berichtet wird - Homosexuelle im Profi-Fußball.

Das ist ein Thema, das weder gute Einschaltquoten verspricht noch aufregende Schlagzeilen - zumindest, solange sich nicht der erste Bundesliga-Spieler outet. Der DSF-Autor Aljoscha Pause hat dieses weitgehend verborgene Thema dennoch über zwei Jahre intensiv und nachdrücklich verfolgt, hat darüber zwei Filme gedreht, die nicht reißerisch sind oder sensationssüchtig, sondern die eher das Gegenteil sind – manchmal sogar sehr leise und im Grunde in vielerlei Hinsicht traurig.

Sensibel nimmt Pause dabei die Zwischentöne in der Debatte wahr. Wenn etwa Trainer Christoph Daum sich einerseits liberal geben will und andererseits in seinen Sätzen doch immer wieder Homosexuellen-Klischees durchklingen. Der Autor zeigt die auf dem Fußballplatz -- vor allem auch unter Fans -- weit verbreitete Homophobie, und er erklärt, warum ein einschlägiges Outing für einen schwulen Fußballstar karrieregefährdend ist. Selbst das bloße Gerücht, jemand sei schwul, taucht da in den Vertragsverhandlungen beim Vereinswechsel als belastend auf.

Mit diesen aufdeckenden Beobachtungen wird eine Debatte journalistisch gefördert, die auch in den öffentlich-rechtlichen Sendern nur selten zur Sprache kommt. Beeindruckend ist, wie nah Pause mit seinem Team an die sorgsam abgeschirmten Stars der Bundesliga kommt. Ihre Statements, die zwischen sozial erwünschter Toleranzerklärung und hartnäckigen Vorurteilen schwanken, lassen so zugleich ein Sittengemälde entstehen.

Pause sucht in diesem Sujet nicht die Sensation, er jagt keinem Outing hinterher. Seine beiden Filme sind im besten Sinne aufklärerisch. Im ersten Film, "Das große Tabu", zeigt er einen Missstand; im zweiten -- "Tabubruch" -- beschreibt er, wie versucht wird, diesen Misstand zu beheben. Das ist von einer Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit, die vorbildlich ist für den gesamten Sportjournalismus im Fernsehen

 © www.grimme-institut.de

Die Preisverleihung findet am 26. März 2010 im Theater Marl statt:
Sie wird ab 19:00 Uhr live im ZDF-Theaterkanal und zeitversetzt ab 22:35 Uhr auf 3sat übertragen.