Gefährliche Altlasten

7. Dezember 2011: Havelange und die undurchsichtigen Vorgänge in der Fifa

Joao Havelange ist zurückgetreten. Der 95-jährige Brasilianer ist nicht mehr Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Damit ist der Brasilianer seiner Suspendierung zuvorgekommen, die aufgrund von Bestechungsvorwürfen wohl dieser Tage verkündet worden wäre.

Jens Weinreich ( Spiegel Online) zieht noch einen weiteren Häuptling mit ins sinkende Boot: „Havelange hat als Mitinhaber der Firma Renford Investments von der ISL kassiert. Zum Verhängnis wurde ihm aber eine andere Zahlung, die sogar in den Fifa-Büchern dokumentiert ist. Im März 1997 überwies der ISL-Konzern 1,5 Millionen Franken für Havelange irrtümlich auf ein Fifa-Konto. Gemäß Aussagen ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter ordnete Blatter als damaliger Generalsekretär an, die Summe unverzüglich auf Havelanges Privatkonto weiterzuleiten. Blatter bestreitet dies bis heute. Interessant wird sein, ob und was die IOC-Ethikkommission zum Fall Havelange veröffentlicht. Denn wenn der Transfer dieser 1,5 Millionen Franken beschrieben wird, dann müsste, wenn die Aussagen der Mitarbeiter stimmen sollten, unweigerlich ein weiteres Verfahren eröffnet werden: gegen das IOC-Mitglied Joseph Blatter.“

Auch Michael Ashelm ( Frankfurter Allgemeine Zeitung) prophezeit dem Fifa-Präsidenten eine ungewisse Zukunft: „Die große Frage ist, wie lange sich der gewiefte Fifa-Chef Blatter halten kann und ob ihn die Affären und Skandale am Ende nicht doch noch mitreißen. Die angekündigte Öffnung der ISL-Akte hat ihm erst einmal Zeit verschafft. Er wird hoffen, dass die genannten Personen unter dem Druck der Öffentlichkeit aufgeben, sich die Fifa auf diesem Weg von einem Teil der auch für Blatter selbst gefährlichen Altlasten befreien kann und er sogar noch als Aufklärer erscheint. Es ist nicht auszuschließen, dass sich demnächst auch Teixeira, Hayatou sowie der Fifa-Vorstandskollege und Fußballchef Südamerikas, Nicolaz Leoz, der ebenfalls als Empfänger auf der ISL-Liste stehen soll, aus „gesundheitlichen Gründen“ von ihren Posten zurückziehen. Eine echte Vergangenheitsbewältigung sieht anders aus, ist aber wohl nicht gewollt. In der vergangenen Woche hatte der neue unabhängige Fifa-Antikorruptionsbeauftragte angekündigt, nur nach vorne schauen zu wollen. Es ist kaum vorstellbar, dass Blatter von den vielen undurchsichtigen Vorgängen im eigenen Haus nichts gewusst haben kann.“