Freundschaftliches Miteinander

16. Juli 2012: Die Konkurrenz steht im Gehörlosenfußball nicht an erster Stelle

Teambesprechung am Abend

Axel Brügmann von  filmblau° Produktion berichtet vom 15. Juli 2012:

Die Bilder von der EM 2012 der A-Nationalmannschaften sind noch frisch:
Tausende begeisterte Fans, Millionen Zuschauer an den Bildschirmen und zwei Länder im Ausnahmezustand. Was wir hier bei der Gehörlosen-Weltmeisterschaft erleben, hat mit dem Millionengeschäft der UEFA aber auch gar nichts zu tun.

Der 2. Tag in Ankara - Frühstück um 8 Uhr und um 9:30 Uhr steht der Bus vor dem Hotel, um die Mannschaft zum Trainingsgelände zu fahren. Dort angekommen, ist der Platz noch belegt. Der Gruppengegner aus den USA – einer der Mitfavoriten auf den Titel – trainiert noch auf dem Kunstrasen. Die Trainingszeit des US-Teams ist eigentlich schon abgelaufen, doch die Trainer der Amerikaner erbitten im Gespräch mit dem deutschen Team noch weitere 15 Minuten. Natürlich bekommen sie die zusätzliche Zeit, denn vor dem Wettkampf kommt bei den Gehörlosen der Respekt und ein faires Miteinander. Undenkbar wären diese Szenen im Profi-Bereich, auch die Griechen kommen gerade an und es wird dann eben in Sichtweite zueinander trainiert. Ein Geheimtraining ist da schwer möglich.

Nach dem Mittagessen ist Freizeit angesagt, denn die Mannschaften dürfen nur einmal am Tag eine offizielle Übungseinheit abhalten. Wir ziehen mit einigen Spieler los, die Jungs sind gut drauf, einige gehen zum Friseur, einkaufen oder sehen sich die Stadt an. Der Trainer ist während dessen auf der Suche nach einer Möglichkeit, doch noch einige Übungen machen zu können. Er joggt durch
Ankara und schaut nach einer grünen Wiese. Um 17:30 Uhr ist es dann auch soweit, die Mannschaft wird zusammen gerufen und gemeinsam joggt man vom Hotel aus zu einem nahe gelegenen Sportplatz. Die Bälle werden ausgepackt und die Einheit beginnt. Doch ein sich schnell nähernder Wachmann erklärt den Platz für gesperrt. Schnell muss eine andere Lösung her – auf einem kleinen "Seitenstreifen" des Sportplatzes darf die Mannschaft doch trainieren. Man glaubt es kaum, doch die Stimmung ist weiterhin sehr gut, trotz aller Widrigkeiten. Die Spieler lassen sich die Stimmung nicht vermiesen, denn das kennt man im Gehörlosen-Fußball nur so. Für uns ist das erstaunlich, immerhin begleiten wir hier den amtierenden Titelverteidiger.

Um 21 Uhr ist die letzte Teambesprechung. Nationaltrainer Frank Zürn stimmt seine Jungs auf das morgige Auftaktspiel gegen den großen Konkurrenten Türkei ein. Noch einmal schlafen und dann beginnt das Turnier so richtig.