Freie Zimmer, leere Sitzplätze

20. Juni 2012: Eine Zwischenbilanz in der Ukraine

Maik Rosner erzählt für die  Neue Zürcher Zeitung von seinen Erlebnissen mit der Zimmersuche in der Ukraine und zieht eine düstere finanzielle Zwischenbilanz: “Vielleicht dachte Boris Kolesnikow sehnsüchtig an Zeiten, als 99 Prozent bei Wahlen noch ungerührt verkündet wurden. ’Alle Hotels in der Ukraine sind zu 99,9 Prozent voll’, behauptete der für die EM zuständige Stellvertreter von Präsident Wiktor Janukowitsch in seiner jüngsten Zwischenbilanz. Das klang ähnlich wie seine kurz vor dem Turnier angegebenen 99,99 Prozent, zu denen die Vorbereitungen in der Ukraine erledigt seien. In den meisten Spielorten bekommt man eher mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent noch ein Zimmer. (...)

Die Quittung dieser EM könnte die ukrainischen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Die Angaben über die Investitionen des Landes schwanken zwischen 5 und 10 Milliarden Euro, die der erwarteten EM-Touristen zwischen 600 000 und 1,2 Millionen. Die Ausgaben könnten sogar höher ausfallen, und die Gästezahlen geringer. Wirtschaftsanalysten befürchten, dass die klamme Ukraine am Ende ein Milliardenminus beklagt – schlimmstenfalls mit der Folge, dass Kredite unter anderem beim Internationalen Währungsfonds nicht getilgt werden können.“