Frankreichs Nationalteam steht vor dem nächsten Skandal

3. Mai 2011: Rassismusvorwürfe gegen die französischen Fußballbosse

Weniger Schwarze und Araber auszubilden, das sollen die französischen Fußballbosse und Laurent Blanc den Nachwuchszentren des Landes empfohlen haben. Der Verband erlebt nach der WM 2010 den nächsten Skandal.

Matthias Sander ( Tagesspiegel) schildert die Situation: „Einigen Wirbel hatte zuvor entfacht, dass Blanc mit anderen Verbands-Verantwortlichen die Einführung einer offiziösen Quote von 30 Prozent für binationale Spieler in Nachwuchszentren besprochen hatte. Dies belegte die Internetzeitung ‚Mediapart‘ mit der wortgetreuen Wiedergabe einer Verbandssitzung, deren Authentizität keiner der Beteiligten bestritt. Frankreich diskutiert nun, ob und wenn ja, wer rassistisch ist: Laurent Blanc? Einige Führungskräfte des Verbands (FFF)? Der gesamte FFF? Oder gar der französische Fußball überhaupt? Blanc hatte nämlich auf jener FFF-Sitzung vorgeschlagen, bei der Sichtung von 12- bis 14-Jährigen mehr auf Technik als auf Athletik zu achten. Auf diese Weise, so Blanc, könne man ‚unausgesprochen‘ weniger Schwarze in die Nachwuchszentren aufnehmen und weniger Jungen, die womöglich eines Tages für ein anderes Nationalteam als das französische spielen werden. Soweit die mindestens verquere Logik des Laurent Blanc.“

Jürg Altwegg ( Frankfurter Allgemeine Zeitung) schreibt über den Quoten-Skandal in Frankreichs Fußball-Internaten: „Über unterschiedliche Spieler-Typen, ihren Einfluss auf das Spiel und die Mischung in der Mannschaft kann in Frankreich nicht ohne Emotionen und nicht ohne rassistische Untertöne diskutiert werden. Die heimliche Debatte im Verband wirkt wie eine Rache nach dem Streik der schwarzen und islamischen Spieler bei der WM 2010 in Südafrika oder, im besten Fall, wie ein ungeschickter Versuch, die Lektionen daraus zu ziehen.“

Rudolf Balmer ( die tageszeitung) bezweifelt die Aussagen des Verbandes: „Der FFF dementiert, dass Herkunft oder Hautfarbe in Betracht gezogen worden seien. Allerdings wurde über die Statur der Fußballstars von morgen diskutiert. Zu oft hätten heute technisch hochbegabte Junioren gegen großgewachsene Muskelprotze keine Chance. Aber ist das vielleicht nur eine andere Art, über dieselbe Frage zu reden? Blaquart ist jedenfalls bis zum Abschluss einer Untersuchung von Sportministerin Chantal Jouanno und FFF-Präsident Fernand Duchaussoy suspendiert worden.“