Forza Roma

15. September 2010: Tottis Heldenstatus in Rom

Akademie-Mitglied  Birgit Schönau beschreibt in der Süddeutschen Zeitung die grenzenlose Verehrung der Roma-Fans für Francesco Totti: „Das mag man merkwürdig finden, woanders. Aber woanders wundert man sich auch darüber, dass die wunderbare Stadt Rom ausgerechnet von Römern bewohnt wird. Menschen, die nie vor Zebrastreifen halten, sondern die Fußgänger darauf umfahren, ohne einen Zentimeter zu verschenken. Menschen, denen es egal ist, wer sie regiert, Hauptsache kein Laziale (Fan des Lokalrivalen Lazio). Menschen, die ihren Müttern danken, dass sie als Roma-Fans geboren sind und die ihren Vätern aufs Grab schreiben: ‚Auch da oben Papà, immer Forza Roma!‘“

 Julius Müller-Meiningen (Berliner Zeitung) porträtiert das römische Denkmal: „Der Kapitän wird bald 34, ist aber immer noch das Nonplusultra beim AS Rom. Wenn er fit ist, was immer seltener vorkommt, dann zählt er zu den besten Spielern des Kontinents. Übersicht, Ballgefühl und Torinstinkt suchen ihresgleichen. Totti ist die charismatischste Figur auf dem Platz und in Rom das einzige lebendige Monument. Im Trainingszentrum in Trigoria hat er ein eigenes Büro, in dem er nach dem Saisonstart sein 19. Roma-Trikot in einem Bilderrahmen an die Wand hängte. So viele Spielzeiten ist Totti nun schon beim AS Rom. Sein Vertrag läuft bis 2014 und sichert ihm für die fünf folgenden Jahre die Beschäftigung im Vereinsmanagement. Die jährliche Einnahme von zehn Millionen Euro versüßt ihm die ewige Treue.

Auch  Oliver Birkner (Welt Online) konzentriert sich ausschließlich auf Tottis Heldenstatus: „In Roms Krankenhäusern besucht der 33-Jährige regelmäßig krebskranke Kinder, er unterstützt die römischen Tierheime, und sein Labrador Ariel rettete 2008 ein Mädchen in Seenot – viel mehr geht nicht. Lange hielt ihn Restitalien für einen ordinären, ignoranten Römer und delektierte sich in einem Pendant zu Ostfriesen-Kalauern an Gags über Totti. Dann gab er zwei Bücher ‚Alle Witze über Totti – von mir gesammelt‘ heraus, spendete die gesamten Einnahmen Unicef und verdiente sich ob der Selbstironie einigen Respekt. Mittlerweile flimmert er zusammen mit seiner Ehefrau, die trotz ihres mäßigen Talents dafür, aber in knappem Kleidchen, eine ansonsten amüsante Satireshow moderiert, gewissermaßen als adoptierte Zweitfamilie in die italienischen Wohnzimmer. Beide synchronisierten nicht nur eine Folge der ‚Simpsons‘, ihre episodenartige Werbekampagne für Vodafone läuft seit vier Jahren in allen Kanälen.“