Financial Fairplay scheidet die Geister

17. Februar 2011: Lob und Kritik für die neuen Standards

Niemand darf mehr ausgeben, als er einnimmt: Die neuen finanziellen Standards der Uefa könnten den Fußball verändern. Eine Finanz-Revolution, mit der sich nicht alle anfreunden können.

Dominik Bardow ( Zeit Online) begrüßt die neuen Finanz-Reformen der Uefa: „Nicht weniger als eine neue Finanzarchitektur ist es, die Platini Fußball-Europa mit seinem Projekt verschreiben will. Der als Reformator angetretene Franzose verwirklicht seine erste große Umbaumaßnahme und eine im Grunde einleuchtende Idee. Wer künftig in Champions und Europa League mitspielen will, darf nur noch so viel ausgeben, wie er auch einnimmt. Diese `Break-Even-Regel` ist das Herzstück der neuen Vorschriften, die eine ähnlich einschneidende Wirkung haben könnte wie das Bosman-Urteil 1995. Diesmal geht die Revolution in die andere Richtung. Die neuen Finanzregeln sollen den Wettbewerb fairer gestalten und schützen, sprich: die Klubs vor ihrem eigenen Transferwahnsinn retten.“

Christian Eichler ( Frankfurter Allgemeine Zeitung) zeigt sich hingegen wenig überzeugt von den Plänen: „Wird `Financial Fairplay` die undurchdringliche Mischung aus Logik und Irrsinn im Handel mit Spielern beenden? Das scheint fraglich, die Wege der Millionen werden immer verschlungener. So landet ein Viertel des Betrages, den Chelsea für den Brasilianer Luiz zahlte, bei einer Investorengruppe, die Ende 2009 von Benfica Lissabon 25 Prozent an dem Spieler erworben hatte. Der Anteil kostete 4,5 Millionen Euro und bringt nun 6,1 Millionen – eine Rendite von mehr als 35 Prozent. Vielleicht sollte man bei der Geldanlage öfter mal im Fußballer-Shop vorbeischauen: Haben Sie heute schöne Verteidiger in der Auslage? Dann nehme ich mal ein Viertel.“

Frank Hellmann ( die tageszeitung) jongliert mit Zahlen: „Schon ab der Saison 2011/2012 soll die Neuverschuldung der Spitzenklubs drastisch reduziert werden. In einer dreijährigen Übergangsfrist bis 2014 ist noch ein Minus bis zu 45 Millionen Euro zulässig, dann nur noch 30, danach geht die Schmerzgrenze weiter schrittweise runter. Uefa-Studien besagen nämlich, dass allein im Jahre 2009 der europäische Klubfußball 1,2 Milliarden Euro neue Schulden gemacht hat. Die 644 Millionen Euro, die die Bundesliga jüngst als Verbindlichkeiten ausgewiesen hat, nehmen sich nahezu bescheiden aus gegenüber jenen 3,9 Milliarden, mit denen die englische Premier League belastet ist. Die Primera División in Spanien drücken 3,5 Milliarden, die italienische Serie A noch 1,8 Milliarden Miese. Ein Hauptgrund sind die hohen Personalkostenquoten. In England fließen 67 Prozent des Etats in die Spielergehälter, in Spanien und Italien nicht viel weniger.“

Axel Kintzinger ( Financial Times Deutschland) prophezeit der Uefa einen schweren Gang: „Getrickst wir jetzt schon. Englische Klubs haben sich in diesem Winter mit mehr sündhaft teuren Stars eingedeckt, als sie unter sportlichen Aspekten brauchen. Einige von ihnen werden sie im Sommer, wenn die Financial-Fair-Play-Regel zu greifen beginnt, versilbern – und mit einem satten Umsatzplus in die neue Zeit starten. Die Uefa wird investieren müssen in Personal, das europaweit und qualifiziert die Bücher der Klubs unter die Lupe nimmt. Und sie muss den Sturm aushalten, der ihr entgegenweht, wenn sie ernst macht.“