Durch Fußball vereint

15. Juli 2010: Rück- und Ausblick auf Südafrika

Das sportliche Großereignis des Jahres ist, die Presse blickt noch einmal zurück. Holger Gertz (Süddeutsche Zeitung) beschreibt, wie die WM das Bild Südafrikas verändert habe: „Genugtuung ist das Gefühl vieler Südafrikaner. Ihr Land war […] als eine Art Vorhölle beschrieben worden, Überfälle werde es geben, Tote wahrscheinlich auch, man solle sich nur mit kugelsicheren Westen dahin wagen.“ Passiert sei dann aber nichts, außer dem einen oder anderen Taschendiebstahl und das Turnier sei gut organisiert gewesen: „Der ‚WM-Killer‘ [Berliner Kurier] war nicht, wie erwartet, in Südafrika aufgetaucht, der WM-Killer war ein Deutscher, der im Rotlichtviertel von Hannover zwei Italiener erschossen hatte: Er hatte nicht glauben wollen, dass Italien schon viermal Weltmeister war, das war der banale Anlass für die Schießerei.“ In Südafrika sei ausgerechnet die Fifa ein Friedensstifter gewesen, wenn auch ein sehr rabiater: „Dass die Kontingente der Polizisten aufgestockt wurden, war Vorgabe der Fifa, die Schnellgerichte wurden auch wegen der Fifa installiert. Dass ein kleiner Dieb ohne große Debatte zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt werden konnte, war vorher nicht üblich – und ist Ausdruck eines sehr speziellen Rechtsempfindens.“ Die Fifa – während einer WM trete sie als Besatzungsmacht in jenem Land auf, das Gastgeber sein darf – habe potentielle Täter um jeden Preis abschrecken wollen: „Es ging nicht nur um das Image Afrikas, es ging auch um den Ruf der Fifa. Gewalt bei der WM wäre gerade für sie zum Problem geworden, und für ihren Präsidenten Blatter.“

Auch Kim Hawkey, Reporterin bei der südafrikanischen Wochenzeitung Sunday Times und im Rahmen eines Austauschprogramms für Journalisten für zwei Monate in Deutschland, zieht für  Zeit Online ein positives Fazit: „Die WM lockte Tausende Besucher ins Land und ihre Geldbörsen. Südafrika zeigte der Welt, zu was es fähig ist. Dass es kein Ort ist, den Investoren, Touristen und andere übersehen sollten. Die Weltmeisterschaft setzte eine beispiellose Welle von nationalem Stolz, in einer oft so ungleichen und geteilten Nation, in Bewegung.“ Nun würden allerdings wieder die vielen Probleme des Landes auftauchen, die vorübergehend aus dem Blickfeld geraten seien: „Die südafrikanische Regierung, der Steuerzahler also, ließ sich die Austragung der WM umgerechnet etwa 4,2 Milliarden Euro kosten.“ Geld das auch in das Gesundheitssystem, Bildung oder Armutsbekämpfung hätte investiert werden können. Dennoch sei der Gewinn für das Land riesig – und werde es bleiben: „Es gibt den unmittelbaren Gewinn, und einen indirekten, nicht greifbaren. Zu Beginn des Monats hatte Südafrikas Finanzminister Pravin Gordhan gesagt, dass Bruttoinlandsprodukt des Landes wird als Ergebnis der WM um geschätzte 3,9 Milliarden Euro steigen. Was sich aber langfristig als noch profitabler herausstellen könnte, ist das positive Image, das von einer erfolgreich durchgeführten Veranstaltung dieser Ausmaße ausgeht. Es gab einige wenige Ausrutscher, vor und während der WM, einige Probleme waren unvermeidbar. Alles in allem aber hat Südafrika einen anständigen Job gemacht – und die ganze Welt war Zeuge.“