Die Ausweitung auf 24 Teilnehmerländer

Der deutsche Kantersieg über die Vertreterinnen der Elfenbeinküste (10:0) hat eine Qualitätsdiskussion entfacht. Zentrale Frage: Ist die Ausweitung des Teilnehmerfeldes Fluch oder Segen für den Frauenfußball?

Zeitgleich mit der Freude über den äußerst gelungenen Turnierstart der deutschen Nationalmannschaft wurden erste skeptische Äußerungen in Bezug auf das Spielniveau der WM – welche erstmals mit 24 Mannschaften ausgetragen wird – laut. Wir haben das Medien-Echo zur Diskussion über die Größe des Wettbewerbs verfolgt und präsentieren die Standpunkte auf einen Blick.

14. Juni:  ZDF Sportreportage
Verantwortliche sowie Fans zeigen nach der ersten Turnierwoche viel Akzeptanz für die Aufstockung des Turniers. Selbstverständlich müssten Vertreter aller Kontinente bei einer Weltmeisterschaft vertreten sein, meint beispielsweise Nationaltrainerin Silvia Neid. Zudem findet der Standpunkt Anklang, dass nur durch die Teilnahme an einer WM die Entwicklung des Frauenfußballs in einem Land vorangetrieben werden könne.

11. Juni 2015:  11Freunde
Laut Jens Kirschneck ist Kanada das ideale Gastgeberland für die FIFA-Weltmeisterschaft der Frauen. Die Sportart sei hier gänzlich akzeptiert, ebenso seien die Euphoriebereitschaft sowie die Begeisterungsfähigkeit der Bevölkerung vorhanden. Beides stecke allerdings noch etwas in den Startlöchern fest. Schuld daran seien die Vergrößerung der Teilnehmerzahl sowie die anhaltende  Kunstrasen-Debatte. Die Spitze im Frauenfußball sei zwar breiter und ausgewogener geworden – soweit sei die Argumentation der FIFA richtig – allerdings zähle sie dennoch nicht mehr als ein Dutzend konkurrenzfähiger Mannschaften. Kirschneck prognostiziert, dass aus der Vergrößerung des Wettbewerbs nur sporadisch Kantersiege wie das 10:0 der deutschen Nationalmannschaft resultieren werden, dafür werde es umso mehr halbherzig vorgetragene Zweizunulls geben.

9. Juni 2015:  Die Welt
Bereits vor acht Jahren entfachte ein 11:0 Sieg der deutschen Nationalmannschaften über Argentinien eine Diskussion über den Zerfall des WM-Niveaus. Simon Pausch meint, dass die Zusicherung weiterer WM-Startplätze für jeden Kontinent im Vorlauf dieser Weltmeisterschaft im Kontext der FIFA-Präsidentschaftswahl in keinem guten Licht stünde. Dem ohnehin sehr harten Kampf des Frauenfußballs um Akzeptanz sowie Anerkennung wirke es zudem entgegen. Pausch sieht hierin eine ideale Argumentation für Chauvis. Seiner Meinung nach wäre eine angemessene Turniergröße mit 16 bzw. 12 Nationen erreicht.

8. Juni 2015:  Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Entscheidung für die Erweiterung von 16 auf 24 Teams fiel bereits im Jahr 2009. Daniel Meuren macht hierfür eine Fehleinschätzung des zuständigen Exekutivkomitees verantwortlich. Dieses deutete die durchschnittlich sinkende Torquote in Frauenfußballspielen als Indiz für eine Qualitätssteigerung. Eine Qualitätssteigerung sowie eine fortschreitende Professionalisierung im Frauenfußball seien besonders in Europa zu beobachten, allerdings nicht in gleichem Maße auf den anderen Kontinenten. Die „Aufblähung“ des Turniers sorge für ein sinkendes Zuschauerinteresse an der Gruppenphase und bringe – mit Ausnahme von Gruppe D – auch erst in der KO-Phase echte Spannung.

7. Juni 2015:  Stuttgarter Nachrichten
Die mit der Heim-WM 2011 verknüpften Erwartungen sind weitestgehend ausgeblieben oder nie im erhofften Umfang eingetreten, findet Eva Hammel. Besonders der Transfer von WM-Euphorie auf die Bundesliga sei ausgeblieben. Sportwissenschaftler haben diesbezüglich festgestellt, dass Sportgroßereignisse nur geringe Auswirkungen auf die heimischen Liegen haben. Hammel findet, dass die Entwicklung von zwölf auf 24 Teams in knapp 25 Jahren sei sehr schnell. Sie plädiert dafür, der Sportart mehr Entwicklungszeit zu geben, wie dem Fußball der Herren einst auch.