Das Tor steht offen

27. Oktober 2010: Kampf gegen Homophobie im Fußball

Was würde passieren, sollte sich ein homosexueller Bundesligaprofi offenbaren?  Zusammen mit breit angelegter Unterstützung der Verbände, könnte Spieler X auf Akzeptanz und Verständniss stoßen.

Wolfram Eilenberg (Cicero) kämpft gegen Homophobie im Fußball und sieht die Chance für das Outing eines Profis so groß wie nie: „Genauso wenig wie sich behaupten lässt, das Sexualleben unserer Ballkünstler sei schlicht Privatsache. Dafür kämpfen einfach zu viele „Spielerfrauen“, nicht selten unter ausdrücklicher Billigung des werten Gatten, mit vollem Körpereinsatz um einen Platz in den Klatschspalten der Republik. Vorbilder bilden – auch sexuell. Wenn sich ein werbebereiter Fußballer minderjährige Prostituierte wie Pizza aufs Zimmer bestellt, führt dies im Profigeschäft allenfalls zu öffentlichen Solidaritätsadressen. Im Einzelfall nützt es diesem Profi gar zur Festigung seiner potenzbasierten Werbemarke. Offenbar gestattet das Milieu also Sex in fast jeder Form – nur eben nicht mit Männern.

Wäre das Schweigetabu einmal wirksam gebrochen, bliebe die Entwicklung hin zu einer schamfreien Akzeptanz durchaus vorstellbar. Dies gilt auch für die Schulhöfe und Bolzplätze, also für das gesellschaftlich eigentlich relevante Hin und Her des täglichen Kampfes um Selbstfindung und Anerkennung. Was könnte es im Bewusstsein eines Neunjährigen auslösen zu erfahren, sein Männeridol – der Mann, dessen Trikot er seit Jahren voller Stolz am Leibe trägt – sei homosexuell? Ist es absurd, hier von der Chance eines nachhaltigen Bewusstseinswandels zu sprechen, der das Leben von Millionen jugendlichen Menschen ganz unmittelbar, ganz konkret prägen würde?“