Das groteske Spiel von Grosny

10. März 2011: Lothar Matthäus und der Sultan

Lothar Matthäus folgt der Einladung eines Diktators zu einem Freundschaftsspiel in Tschetschenien. Die Presse spart nicht mit Kritik.

Klaus Helge Donath ( die tageszeitung) sah eine bemerkenswerte Partie in Grosny: „Auch für das kostenlose Match waren die zehntausend Zuschauer im neuen Stadion dankbar. Wenn schon kein Brot, dann wenigstens Spiele. Auch auf dem Rasen blieb Ramsan Kadyrow der Kapitän. Grosnys Mannschaft unterstützte Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in der ersten Halbzeit. Politik habe mit Fußball nichts zu tun, meinte der Ausgewechselte. Lothar und Ramsan teilen neben Fußball noch eine andere Leidenschaft. Oliver Kahn soll im letzten Moment abgesagt haben. Die Vorlagen für den Kapitän spielte Ruud Gullit heraus. Die „schwarze Tulpe“ des niederländischen Fußballs ist ein Untergebener des Sultans, wenn auch gut bezahlt. Kadyrow legte aus freien Stücken den Titel des Präsidenten der Republik ab, präsidiert aber weiterhin dem Erstligaclub „Terek Grosny“, der Gullit für 3,7 Millionen Euro bis Mitte 2012 als Trainer unter Vertrag nahm. Er soll Grosny in die Euroliga führen. Nach dem Motto: Wenn Grosny Fußball spielt, spannt es niemanden auf die Folter.“

Christian Esch ( Frankfurter Rundschau) schreibt: „Ramsan Kadyrow hat sich einen Männertraum erfüllt. Er hat die Fußballweltmeister von einst zu sich nach Hause eingeladen, in die zweimal zerstörte, nun völlig wiederaufgebaute Hauptstadt Tschetscheniens. Er hat damit zugleich die Welt verblüfft, so wie er das jüngst schon getan hat mit der Verpflichtung des Niederländers Ruud Gullit, der nun denn Club Terek Grosny trainieren soll. Ramsan liebt große Gesten, und er fürchtet sich nicht vor dem Grotesken. Beim Reden lässt er die Fingerknöchel knacken. Wer denn den Auftritt der Brasilianer finanziere? Die Frage versteht er gar nicht, behauptet Kadyrow. Es handle sich um eine Geste des Respekts seitens der Gäste, einen ‚brüderlichen Akt‘. An dem sogar ein gewisser Lothar Matthäus mitwirkt!“