Call for Papers: Europäischer Fußball im Zweiten Weltkrieg

Sporthistorische Tagung, 3. - 5. Februar 2012 in der Schwabenakademie Irsee - Einzureichen bis 31. Juli 2011

Wenn am 8. Juni 2012 die Spiele zur 14. UEFA Europameisterschaft in Polen und der Ukraine angepfiffen werden, ist es sieben Jahrzehnte her, dass Krieg, Besatzung und Völkermord über diese Länder hereingebrochen sind. Als am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann, änderten sich auch für den Sport die Rahmenbedingungen, teilweise dramatisch. Fußballclubs in besetzten Gebieten Europas (Luxemburg, Lothringen) wurden „germanisiert“ und den bestehenden Gauligen des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen (NSRL) zugeschlagen, neue Gauligen wurden gegründet (Elsass, Ostmark, Sudentenland). Vereine aus Österreich, Tschechien, Polen oder Frankreich konnten deutsche Meister (Rapid Wien 1941), Nationalspieler dieser Länder in der reichsdeutschen Länder­vertretung eingesetzt werden (Ernst Willimowski, Wilhelm Hahnemann, Stefan Skoumal).

Die nationalsozialistische Sportführung versuchte, den Fußball ebenso wie den Sport insgesamt als Mittel der Kriegsführung zu instrumentalisieren. Auch in anderen europäischen Ländern, in Diktaturen ebenso wie in Demokratien, gingen die Sportverwaltungen diesen Weg einer Einbindung des Sports in die nationalen Erfordernisse der Wehrerziehung (National Fitness Campaign). Das Fußballspiel schien nun nicht mehr zweckfreies Spiel, sondern bloßes Mittel zum Zweck zu sein. Dabei trugen jahrzehntealte Bemühungen Früchte, das Sporttraining als eine Art Aufbau des wehrhaften, militarisierten Körpers zu sehen.

Aus Anlass der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine richtet die internationale sporthistorische Tagung der Schwabenakademie den Blick sieben Jahrzehnte zurück und analysiert den europäischen Fußballsport in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Folgende Fragestellungen können bearbeitet werden:

  • Konsequenzen des Kriegsgeschehens für die Organisation des Verbandsfußballs
  • Auswirkungen der Einberufung von Sportlern an die Front für den Spielbetrieb
  • Profifußball und Amateurgedanke
  • Totengedenken für gefallene Fußballspieler in der Memorialkultur der Vereine
  • Versuche der Vereinsfunktionäre, Fußballspieler dem Kriegseinsatz zu entziehen
  • Funktion von Länderspielen in der jeweiligen kriegsbedingten Situation
  • Länderspiele in den neutralen Staaten (Schweiz, Spanien, Schweden)
  • „Eigenwelt“ des Fußballs versus Indienstnahme für sportfremde Interessen
  • Veränderungen des Spiels selbst
  • internationale Perspektive: FIFA-Kongresse, IOC, geplante Weltmeisterschaften
  • Kriegsgeschehen als Katalysator für Nationalismus
  • Wandel der Sportberichterstattung über Fußball im Krieg, Kriegs-Diskurse
  • Fußballveranstaltungen als Mittel der Kriegspropaganda, Ablenkung und Unterhaltung
  • Vergleich zwischen Fußball im Ersten und Zweiten Weltkrieg
  • Fußball an der Front, in der Etappe und Kriegsgefangenschaft
  • kriegsbedingte Fußballwettbewerbe und Pokale

Darüber hinaus gehende Erkenntnisinteressen und Themenstellungen im Kontext des Themas „Europäischer Fußball im Zweiten Weltkrieg“ sind willkommen.

Vorgesehen sind noch nicht publizierte Beiträge von maximal 30 Minuten mit anschließender Diskussion von 15 Minuten. Arbeitstitel, maximal einseitige Projektskizze und Kurzvita sind einzureichen bei der Schwabenakademie Irsee bis 31. Juli 2011. Das Tagungsprogramm wird Ende August 2011 aus den vorgeschlagenen Beitragsthemen erstellt und publiziert. Die Tagung findet statt von Freitag bis Sonntag, 3. bis 5. Februar 2012. Eine Publikation der Tagungsergebnisse ist vorgesehen.

Konzeption und Leitung: Fabian Brändle, Zürich / Markwart Herzog, Irsee.

Kontakt: Dr. Markwart Herzog, Schwabenakademie Irsee, Klosterring 4, 87660 Irsee,  markwart.herzog(a)schwabenakademie.de

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