Bundesligatipp Spieltag 28: Wenig Bewegung vor dem Treffen Magath/Rangnick

Der Vorsprung des Langzeitführenden Leon Gassner war zuletzt auf einen Punkt geschrumpft, jetzt konnte er sich wieder etwas Luft verschaffen. Ansonsten wenig Bewegung in der Spitzengruppe: Diesmal nur zwei Neue in den Top-10, Andrea Gaßner und Jürgen Sigwart.

Akademie Bundesliga-Tipp 2010/2011: Der Stand nach Spieltag 28


Liebe Tipperinnen und Tipper,


am Millerntor könnte es letztes Wochenende so gewesen sein: Ein hanseatischer Anzug- und Krawattenhenkel ist auf Reeperbahntour, ganz cool, ganz unten bei den Anarchos und Verruchten; und hat dann nur ein bisschen was verwechselt. Seinen Business-Seat hält er ja vielleicht erst seit der Rückrunde besetzt, und als es dann nicht so laufen will, spürt er genau, was fällig wäre. HAU WEG DEN SCHEISS! Dabei macht er natürlich alles falsch. Denn erstens macht man so was nicht, schon gar nicht unter verruchten Sportsfreuden. Zweitens trifft man den Mann an der Linie nicht, sondern allenfalls um Haaresbreite. Drittens aber und vor allem: Im Milieu wird der Humpen ausgetrunken, so, und dann erst weggehauen. Aber bitte, es ist eben alles ziemlich verworren, nowadays. Indizien dazu allerorten, dieser Edelitaliener z.B. letzthin, München Maximiliansplatz, hochpreisigste Innenstadtlage. Genau, ‚La Baracca’.

Verworren bis zur moralischen Dissonanz das Wochenende auch in der Arena des FC Bayern. Der Bayer an sich, Schwabe Uli Hoeneß, von agilen Teilen der Südkurve als Retter der Münchner Löwen geschmäht. Mit sinnigen Sinnbildern (60-München-Tattoo auf der Brust), mit sinnigen Sprüchen (‚Blaue Schweine schlachtet man und rettet sie nicht’), und dann auch noch dieses Transparent: ‚Hoeneß, du LÜGNER!’. Leute Leute, liebe Schickeria (sorry, den Namen habt  i h r  euch ausgesucht). Wenn Uli Hoeneß im Stadionheft schreibt, er werde beim Abgesang und Auszug der 60er aus der Arena den ‚Defiliermarsch anführen’, dann ist das das Eine. Bisschen Gedöns für Scherzkekse halt. Wenn er den Blauen die Stadionmiete stundet, dann ist das doch was ganz Anderes: fußballerische Vernunft. Weil solvente Löwen mehr zahlen als bankrotte, und dann ein paar Euro da sind, um z.B. den Neuer zu kaufen. Braucht man euch nicht mit zu kommen? Okay, wie aber wär’s damit: Man erhält sich den Gegner, den wichtigsten, den Lokalrivalen in der eigenen Stadt. Klar, ‚beim Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.’ Nur eines hat der alte Sartre vergessen, und ihr vielleicht auch: Ganz ohne gegnerische Mannschaft, was sollte da noch gehen?

Vollends diffus hätte man es dann im Stadion der Wolfsburger erwarten können. Magier Magath gegen Erlöser / Messias Daum, die überirdisch Schillernden an neuer Wirkungsstätte, und gleich im direkten Duell. Aber denkste. Gleichgewicht der okkulten Kräfte sozusagen, eindeutiges Patt. So richtig zaubrisch und verworren wurde es erst zwei Tage später, Schalke gegen Inter im Guiseppe-Meazza-Stadion. Du glaubst es nicht. 0:1 nach einer halben Minute, am Ende 5:2. Berauschend, magisch, hammerhart. Gegen den Titelverteidiger der Champions League. Gegen den Doppel-Killer der Bayern. Und das: als große Trantüte der Bundesliga. Was sagt’s uns? Dreierlei vielleicht. Dass der große Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend mit seiner Weltdiagnose ‚Anything goes!’ vermutlich schon richtig lag und im Grunde nur dasselbe meinte wie der große Fußballtheoretiker Sepp Herberger: ‚Die Leute gehen zum Fußball, weil sie wisse wolle, wie’s ausgeht’. Dass die großen Ingenieure der ‚Fußball-Matrix’ mit all ihrem Geld und Know-how doch auch nur neue Luftschlösser bauen. Ja, und dass der ideale Trainer nicht unbedingt Jürgen Klopp heißen muss. Er könnte auch Rangnick-Magath heißen; oder umgekehrt. Weil der eine die Kondition reinbolzt, die die Jungs hart, verbissen und unnachgiebig macht. Während der andere sogar mal mit ihnen spricht, und ihnen so ein wenig Leichtigkeit und Laune gönnt. Magisch-spielerisch gewissermaßen, und am Ende gehen richtige Drachentöter raus aufs Grün.


Das aber nur am Rande, dafür gleich mit dem Hinweis auf das Rangnick-Magath-Treffen am 29. Spieltag – es könnte sogar das fränkisch-bayerische Derby in den Schatten stellen. Und unbelehrbar, wie wir auch nach so einem Mailänder Dienstag sofort wieder sind, schätzen wir die Lage jetzt mal ein, mit prognostischer Geste und ohne jeden Zweifel: Die Luft aus der Liga ist im Wesentlichen raus, die Gelbschwarzen werden den Schwarz-Gelben zeigen, wie man Deutschland durchregiert, Vizekusen wird Vizekusen bleiben und die Bayern sich schließlich auf Platz 3 würgen. Am Tabellenende bräuchten Gladbach und St. Pauli dagegen gleich ein paar mittlere Wunder, genau wie Fürth im Aufstiegskampf, um Hertha, Augsburg und Bochum noch in die Parade zu fahren. Salonzauberer Magath aber, der harte Hund, Anzughenkel und dick Beschalte? War die Woche über eventuell mal im ‚La Baracca‘, etwas probieren und sondieren. Und hat für einen Dreier auf Schalke jetzt ganz bestimmt einen Spezialtrick auf Lager; und sei’s, dass er mit seinen Jungs zuvor mal reden wird.

So, war noch was? Ach ja, der Tipp. Fast-Allzeit-Spitzenreiter Leon Gassner hat sich an der Spitze wieder etwas Luft verschafft und führt mit fünf Zählern vor Martin Haltermann. Noch mal fünf Punkte dahinter folgen gleich auf Fritz Höfler und Paul Joschko vor Benjamin Weiß, Jürgen Kaube, Oliver Fritsch, Andrea Gaßner, (Newcomerin!), Theophil Graband und Top-10-Rückkehrer Jürgen Sigwart.

 

 Das Tipper-Ranking nach dem 28.Spieltag (pdf, 67 KB)

 

 

Wir melden uns dann nächste Woche schon wieder, gleich nach Spieltag 29.
Soviel einstweilen, mit sportlichen Grüßen aus der Noris !
Ihr

tippwart joschko