Bundesliga-Tipp Spieltag 7: Dümpeln in den goldenen Herbst

Wirklich unterhaltend ist in diesem Herbst nur die Nationalmannschaft. Die Bundesliga dümpelt weiter vor sich hin, nach ganzen sieben Spieltagen gibt die Tabelle noch kaum was her. Den besten Überblick derzeit hat Karin Plötz, womit sie sich an die Spitze des Akademie-Tipps setzt. Herzlichen Glückwunsch!

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur

Akademie Bundesliga-Tipp 2012/2013: Der Stand nach Spieltag 7

Liebe Tipperinnen und Tipper,

es geht so langsam ‚rauswärts‘, der Herbst steht schon in voller Blüte, allen voran die Frühverwelker, die Laubbäume also mit Migrationshintergrund: der Ahorn landauf landab in Flammen, die japanische Kunstkirsche auf dem Willy-Brandt-Platz vor unserer Klitsche hier sowieso, und bald werden auch Kastanien und als Letzte dann die Eichen Farbe bekennen.

Bloß in der Bundesliga, da geht schier gar nix weiter. Ende Oktober, Spieltag sieben, gäääääähn. So wenig Zug dahinter,  d a s  gab’s wirklich selten.

Gut, dass wenigstens die Nationalmannschaft etwas zu bieten hat. Und das in jeder Hinsicht: zehn Treffer in zwei Spielen, die meisten davon ganz fabelhaft anzusehen, von der Entstehung über die Doppelpassstationen bis zur bildschönen Vollendung. Blöd nur, dass es auch fünf Gegentreffer setzte. Jetzt natürlich, meldet heute der Newsletter-Service von ‚indirekter-freistoss.de‘: „Nach dem historischen Unentschieden gegen Schweden steht die Presse Kopf.“ Interessant dabei die neue Tendenz zum Jogi-Bashing („Schön, dumm“, überschrieb die SZ heute z.B. eine ganze riesige Seite 3, wo sonst aber auch rein gar nichts Anderes mehr Platz fand). Und wenn’s nicht gegen den Trainer geht, geht’s gegen die Spieler: Einstellung, Schönspieler, Warmduscher, kein Killerinstinkt, Flachhierarchen, Defensivchoaten, Diplomatensöhnchen. Solche Sachen eben.

Als Freunde der unorthodoxen Spielbetrachtung fällt uns dazu natürlich auch was ein, und das ginge z.B. so:
– Die Jogi- und Mentalitäts-Basher der letzten Wochen hatten auf Seiten der Spieler zuletzt Einen ganz besonders auf dem Kieker, Marcel Schmelzer vom BVB. Der fehlte gegen Schweden. Und als nächsten dann schon Mats Hummels, BVB. Der fehlte gegen Schweden auch. Jetzt was? Jetzt waren sechs der für die defensive Ordnung Hauptverantwortlichen gegen Schweden: vom FC Bayern. Neuer im Tor, dann Lahm, Badstuber, Boateng in der Abwehrkette, davor Schweinsteiger und Kroos. Bloß Mertesacker, der spielt aktuell nicht beim FCB. Daraus folgern ließe sich zumindest, dass Dortmund in der Bundesliga die lächerlichen neun Punkte Rückstand doch locker wettmachen kann: gegen  d i e s e  Bayern-Defensive!? Und dass Uli Hoeneß vielleicht besser erst mal vor der eigenen Haustür kehren sollte.

– Viel ergiebiger scheint uns allerdings, und wie so oft, die Erklärungshilfe zu sein, die uns der schier unendliche Fundus des sog. Zufalls im Fußball zur Verfügung stellt. Denn, Frage: Wie oft kommt es vor, dass ein Klassetorwart wie Manuel Neuer, so wie gegen Schweden, in den gesamten 93 Minuten exakt vier Schüsse auf sein Tor bekommt. Und dass dieser Klassemann dann keinen einzigen davon zu fassen kriegt. Und ein jeder einschlägt. Also, vier Schüsse im ganzen Spiel, das ist schon selten genug. Und keinen davon pariert? Na ja, alle 15, 20 Jahre kann das schon mal passieren. Dann, wie oft kommt’s vor, dass eine Mannschaft gegen einen nicht ganz schwachen Gegner 60 Minuten wie im Rausch absolviert, und vier Mal einnetzt. Ohne dass zwischenzeitlich wenigstens  e i n e r  der vier tödlichen o.g. Schüsse des Gegners aufs und ins Tor geflogen wäre? Alle 50, 60 Jahre vielleicht? Gut, dann multiplizieren wir diese beiden Unwahrscheinlichkeiten mal nach allen Regeln der Fußballküchenprobabilität , Ergebnis: doch, kann vorkommen, alle 104 Jahre genau. Ärgerlich halt nur für Lahm, Schweinsteiger und Co., dass sie bei diesem bislang einzigartigen Ereignis in der 104-jährigen DFB-Länderspielgeschichte ausgerechnet mitspielen mussten.

Womit wir uns, noch erwartungsfroher als ohnehin schon, dem bisherigen und künftigen Geschehen in der Bundesliga zuwenden wollen, und hoppla, sofort sehen wir unsere Der-Zufall-ist-die-eigentliche-Macht-im-Spiel-Hypothese auch schon wieder bestätigt. Denn nein, keine und keiner unter den Top-Ten der letzten Auswertung ist diesmal mehr unter den zehn Besten zu finden. Sondern, Zufall oder was: Unsere neue Spitzenreiterin heißt Karin Plötz (59 Punkte), Glückwunsch!, gefolgt von Dieter H. Jütting (63) sowie Norbert Niclauss und Philipp Köster (beide 66). Knapp dahinter folgen auf den weiteren Top-Plätzen Christoph Biermann, Holger Lehfeld, Klaus Farschon, Ludger Schulze, Manfred Lämmer, Christina Müller und Rainer Bode

 Der aktuelle Stand nach Spieltag 7

Soviel für heute, manche von Ihnen sehen wir ja morgen dann bei der Gala zum Deutschen Fußball-Kulturpreis 2012, bisschen fachsimpeln sollte gehen – der nächste Zwischenstand aber folgt nach Spieltag 10 Anfang November, dann, wenn endlich auch die Eichen ihre bunten Gewänder tragen werden. .

Mit sportlichen Grüßen aus der Noris !

Ihr tippwart joschko