Bundesliga-Tipp Spieltag 34: Es kam, wie es kommen musste...

Seit der zweiten Auswertung des Bundesliga-Tipps am 7. Spieltag führte Leon Gassner die Tipptabelle ohne Unterbrechung an, 14 Mal am Stück – um am letzten Spieltag die Krone doch noch aus der Hand zu geben. Das Zielfoto zeigt Martin Haltermann knapp vorne, der von der Schalker Sorglosigkeit zum Saison-Ausklang profitieren kann (Fortsetzung im Pokal-Finale?).

Akademie Bundesliga-Tipp 2010/11: Der Endstand 

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur

Liebe Tipperinnen und Tipper,

es kam, wie es in dieser Bundesligaspielzeit No. 48. kommen musste. Bis zum Abpfiff kurios, kapriolenreich, kopperneckisch*), um nicht zu sagen kopernikanisch. Jeden Abstiegskandidaten noch mal tief eingetaucht ins Wechselbad der Gefühle, bis die Eintracht schließlich doch dran glauben muss. Streng nach den Gesetzen der Kopperneckischen Weltordnung: der maximalen Fallhöhe (so einen Vorsprung aus der Hinrunde hat noch keiner vergeigt) plus dem Prinzip brutalst möglicher Mitleidlosigkeit (Frankfurter Elend gepaart mit 80.000 Dortmundern im größten Freudentempel der Liga).

So gesehen ist auch die finale Pointe unseres Tippspiels keine allzu große Überraschung mehr. Nein, es lief im Grunde nur Saison-typisch, den Coup durfte man erwarten und er war ja durchaus perfekt in Szene gesetzt. Voilà, unser Tippkönig der Spielzeit 2010/2011 heißt tatsächlich – …

….               Martin              …….                    H A L T E R M A N N  !   ((Konfetti, Tusch, HipphippHurra !!!))

Kurz vor dem Pokal-Finale hat Martin Haltermann, Pressesprecher des MSV Duisburg, ein Exempel statuiert. Zebras schaut her, so macht man das!, und am Samstag dann bitte genauso. Denn mit Schalker Niederlagen kommt der Triumph. Seit dem 27. Spieltag lag unser Tippsieger auf der Lauer, durchweg auf Rang 2, doch am Langzeitführenden Leon Gassner schien kein Weg vorbeizuführen. Jetzt drehte das 1:2 der Schalker in Köln noch einmal alles, die Geißböcke sprangen hoch auf Platz 10 und sicherten so den knappsten aller Vorsprünge. Ein Pünktchen aber reicht nun mal. Die Tippgemeinschaft zieht den Hut vor so viel Stehvermögen und Biss bis zuletzt, und nun ja, ein bisschen erschaudert sie vielleicht auch. Der Nachweis, wonach das einzig Gewisse die Ungewissheit bleibt, ist jedenfalls eindrucksvoll gelungen. Martin Haltermann aber darf schon mal kräftig feiern. Sein Sieg mit 84 Punkten bringt ihm 12 Bouteillen Frankenwein und 120 (oder auch 150) Nürnberger Rostbratwürste, wenn’s beliebt auch aus heimischer Hoeneßscher Produktion – wohl bekomm’s !

Platz 2 und damit noch eine halbe Weinsteige aus dem Fürstlich Castell’schen Domänenamt hat sich Leon Gassner gesichert (85 Zähler), doch nicht nur das, als Lohn für den alle überragenden Sieger der Durchschnittswertung (sagenhaft seine Quote: Platz 1,19 über die Saison) kommen noch mal drei Flaschen Wein oben drauf. Und man müsste schon einen Stein in der Brust haben, um Leon Gassners Tipperschicksal 2010/2011 nicht ein bisschen zu bedauern. Da führt der (junge) Mann sage und schreibe 14 Mal die insgesamt 16 Auswertungen an, nur beim Auftakt (Spieltag 5) ist er Dritter – und am Ende Zweiter. Bitterer geht’s bei Wettspielen kaum, aber immerhin, ein paar Trosttropfen kommen ja.
Und damit zu Podestplatz drei, der diesmal mit Benjamin Weiß und Theophil Graband (je 88 Punkte) doppelt besetzt ist; beide dürfen sich über jeweils drei Fläschchen freuen.

Auf den weiteren (leider undotierten) Top-10-Ehrenplätzen der Abschlusstabelle landeten Paul Joschko (93 Punkte), Andrea Gaßner und Frank Jülich (je 94) sowie das punktgleiche Trio (95) mit Bernd-M. Beyer, Jürgen Kaube und Nicole Selmer.
In der Durchschnittswertung schließlich, der wie gesagt 16 Auswertungen über die gesamte Spielzeit zugrunde liegen, notieren auf den weiteren Podestplätzen (dito undotiert) Oliver Fritsch (Schnitt 5,81) knapp vor Fritz Höfler (5,88).

 Das Tipper-Ranking nach dem 34. Spieltag - Endstand (pdf, 68 KB)

 Die Durchschnittswertung der Saison 2010/2011 (pdf, 78 KB)



Dann ließe sich natürlich noch eine ganze Menge zu dieser Saison sagen, weil aber längst alles gesagt ist (nur nicht von uns), nur schnell noch ein paar kopperneckische Details:

  • die Tippqualität: so blamabel wie nie (die informelle Frühgeschichte des Tipps seit Mitte der 90er eingeschlossen und immer: ein und derselbe Modus) – 51 Punkte reichten 2007 zum Sieg, in den Jahren darauf dann 35, 37 und 44. Heuer waren’s 84,  v i e r u n d a c h t z i g! Es muss ein wunderbares Jahr für kommerzielle Wettanbieter gewesen sein (ach ja, für Wetter dafür viel weniger).
  • die Sportjournalisten: über das Abschneiden der weltberühmten Sportjournalisten in unserem Tippspiel hängen wir lieber das Mäntelchen des Schweigens; es soll auch welche geben, die es, Selbstaussage, besser wussten; nur haben die leider nicht mitgespielt.
  • der Saisonverlauf: so grandios und überrumpelnd wie nie (s. auch → ‚ Tippqualität‘); in die obere Tabellenhälfte schafften es gleich fünf (5 von 9!) Überraschungsmannschaften (Hannover, Mainz, Nürnberg, Kaiserslautern, Freiburg), in die untere dann natürlich auch.
  • der Meister: setzt dem Ganzen die Krone auf; die schwarz-gelben Himmelsstürmer sahen gerade mal drei Tipper vorne (Bernd-M. Beyer (Fan), Peter Viebig (Kloppo-Fan?), Michael Bader (Weitsicht?)) – drei mehr immerhin als damals 2009 die Wolfsburger.
  • das Geld: schießt heuer viel zu wenig Tore; der Anfang einer wunderbaren Entwicklung? Mal schauen, was die Überraschungsmannschaften (s. auch → ‚ Saisonverlauf‘) nächstes Jahr abliefern; und der BVB (s. auch → ‚Meister‘). Wenn’s aber ein paar Jahre so läuft? Könnten die Liga und wir alle miteinander eine Menge Geld sparen.
  • die Trainer: sollen jetzt an allem Schuld sein. Die jungen, modernen wie Klopp, Tuchel, Dutt und sogar Favre und Labbadia an den Erfolgsgeschichten, die alten dagegen: Auslaufmodelle (wann genau eigentlich ist Daum jemals angelaufen?). Blöd bloß, dass ein paar Namen da so recht nirgendwo reinpassen wollen (Heynckes, Slomka, Hecking hatten Erfolg, Neuzeit-Guru Rangnick zuletzt alles verloren). Oder isses nicht doch – arg altmodisch aber wahr – mal wieder so gewesen: Dort, wo der ‚11-Freunde-Eindruck‘ herrschte (klar, v.a. auch Trainersache), da hat’s geklappt; bzw. gekloppot? Ist etwas tautologisch?, okay; wenn’s dann mal nicht mehr klappen will, hat sich’s meist ja auch mit den 11 Freunden (die Ursache, die Wirkung, die Henne oder das Ei – wer war da diesmal zuerst, liebe Sportjournalisten?).
  • der Ruhrpott: sieht auf Google-Earth derzeit sehr bunt aus, Schwarz-Gelb, Königsblau, Mickeymaus-Blau (Bochum), Zebra-Weiß-Blau (Duisburg); viel Grün ist nicht mehr zu sehen, kein Wunder: ein Stück des Dortmunder Meisterrasens kam heute z.B. auch per Post in der Akademie an (danke Philipp!, ach unser Ex-Edelpraktikant – versprochen, wir werden immer schön wässern; allein schon, um hier endlich auch mal wieder einen Meisterrasen ranzuzüchten).
  • der FC Schalke 04: hat doppelt überrascht, in der Liga als 14. (s. auch → ‚ Saisonverlauf‘), in der Champions League als Halbfinalist. Womöglich erste Anzeichen eines europäischen Infekts durch Erreger der Bundesliga (s. auch → ‚Meister‘)?
  • der Torewerfer: Manuel Neuer hätte ManU per Abwurf und Direkteinschlag versenken dürfen, das ergab eine Recherche im Regelwerk (Abwurf und Tor gilt, nur der Einwurf ohne weitere Berührung nicht). Wollte er dann aber nicht, oder erst nächstes Jahr bei den Bayern.
  • unterm Strich: hat die Saison ihre Mission erfüllt, selbst aus der hohen Warte des Feuilletons . Der Fußball habe sich weltweit als das maßgebliche Unterhaltungsspektakel etabliert, aus gutem Grund (laut SZ, 14./15. Mai 2011, passend zum Liga- und Eurovision-Song-Contest-Finale): »Nirgends gibt es einen besseren, also erfahrungsgemäß zuverlässigeren Rahmen dafür, dass sich die Protagonisten selbst überraschen können. « q.e.d.



So, die Relegation noch, da dürfen jetzt mal andere zittern – Gladbach, Bochum, am liebsten nähme man sie ja beide –, und wir überlegen noch, welcher Zweitligist aus Ostdeutschland für 2011/2012 mit auf den Zettel kommen soll. Dann aber kommen gleich zwei Tippzettel auf einmal, so in zwei, drei Wochen etwa, einmal (Tipp-Premiere!) für die Fußball-WM der Frauen (26. Juni – 17. Juli 2011) und dann natürlich für die neue Bundesligasaison (Start am 5. August, die 2. Liga schon ab 15. Juli).

Bleibt uns, Ihnen allen noch einmal sehr herzlich fürs Mitmachen zu danken und zu hoffen, dass Sie bald wieder mit von der Partie sind – ja, und alle Sieger bitte die nächsten Tage melden !

Rotwein, Weißwein, Bratwurstlieferung? Fragen über Fragen !


Soviel für diesmal und auf bald hoffentlich, mit sportlichen Grüßen aus der Noris !
Ihr

tippwart joschko

*) kopperneckisch = fränkischer Ausdruck für merkwürdig, gewitzt, bizarr; vermutlich eine Verballhornung seinerzeit, um das Wort ‚kopernikanisch‘ etwas zungenfreundlicher zu machen (s. auch → ‚kop. Wende‘)

 

‚Hall of Fame’ der Fußballweisen –
die Sieger im Akademie-Tippspiel:

WM 2006                                             Oliver Fritsch (58 Teilnehmer)

BL 2006/07                                          Jürgen Kaube (74 Teilnehmer)

BL 2007/08                                          Paul Joschko und Budde Thiem (99 Teilnehmer)

EM 2008                                              Christof Siemes (75 Teilnehmer)

BL 2008/09                                          Rick Weihermann (92 Teilnehmer)

BL 2009/10                                          Hans Trautenbach (130 Teilnehmer)

BL 2010/11                                          Martin Haltermann (141 Teilnehmer)