Bundesliga-Tipp Spieltag 33: Let me entertain you ...!

Dienstag absurdes Theater und Mittwoch der Thriller - ganz großes Kino in der Königsklasse. Großartiges auch im Tippspiel: Dieter Gaßner ist nun schon die halbe Saison ganz vorne (bei 7 von 15 Auswertungen). Nun aber die Frage: Wird die bisher männlich dominierte Top-Ten mit dem Aufstieg von Katharina Wildermuth und Katrin Müller-Hohenstein noch einmal kräftig von den Damen aufgemischt?

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur

Akademie Bundesliga-Tipp 2011/2012: Der Stand nach Spieltag 33

Liebe Tipperinnen und Tipper,

auch schon wieder eine gute Woche her, doch weil’s so aufregend war … es ist ja eine alte Hacke, wie der hiesige Volksmund sagt: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Und drittens vor allem im Fußball. Die Halbfinals in der Champions League waren großes Theater. Das eine hätte Samuel Beckett als Altmeister des Absurden nicht besser hingekriegt, und so belagerte Barça 180 schier endlos lange Minuten das Tor des FC Chelsea, in steter Erwartung, dass sein Messias endlich zum Ziel käme. Doch Godot kommt ja bekanntlich nie. Man ahnte es spätestens, als Überspieler Messi selbst vom Elfmeterpunkt nicht traf, der große Widersacher Didier Drogba dafür um ein Haar von der Mittellinie.

Das andere war ein Klassethriller der Marke
Hitchcock, mit einem selten erlebten Spannungsumschwung nach dem 0:2 und 15 Rückspielminuten: als im Theatro Santiago Bernabéu plötzlich die bayerische Bestia das Heft in die Hand nahm und Real vor lauter Angst kaum noch laufen konnte. Tatsächlich Regie führte hier vermutlich der sogenannte Special One, vulgo José Mourinho, und dass der einen Hang zum Masochismus an den Tag legen würde, noch dazu in erlesener Demutspose, das war dann gleich die nächste Überraschung. Der Knieschuss ist ihm jedenfalls gelungen, oder wie es Javier Cáceres, Korrespondent der ‚Süddeutschen Zeitung’ in Madrid, ausdrückte: „Mourinho wollte wieder mal gerissener sein als der Hunger“. So sagt es der spanische Volksmund. Hierzulande wäre das ein Siebengscheiter.

Bayern gegen Chelsea heißt also das große Finale am 19. Mai, damit aber hatte der gemeine Fußballfreund am wenigsten gerechnet. Die Top-Favoriten der Wettbüros waren die beiden Spanier, noch nach den Hinspielen mit Quoten zwischen 1:2 und 1:3; die Bayern dagegen wurden 1:5 gewettet und Chelsea gar mit 1:7. So dürfen sich die großen und kleinen Wettklitschen weltweit erneut ins Fäustchen lachen, auch in Zeiten brachialer Großinvests bleibt ihr Geschäftsmodell bis auf weiteres unschlagbar. Nur zum Vergleich: Um den zehnten Landesmeister-Titel nach dem letzten Erfolg von 2002 zu erzwingen, soll Real Madrid über zehn Jahre hinweg über 930 Millionen Euro in neue Spielerbeine gesteckt haben. Selbst der große FC Bayern erscheint in diesem Maßstab wie ein Waisenknabe. Aber Geld ist eben nur fast alles. Der Fußball ‚an sich’ beweist weiter eine gewisse Immunität und Unbestechlichkeit. Feine Sache, nowadays – darauf lasst uns anstoßen und zuvor schnell noch den Hut vor dem FC Bayern ziehen!

In der Liga ist die letzte große Frage Köln oder die Hertha, nimmt man die Performances der letzten Wochen, könnte es am Ende auch Köln und Hertha heißen. Ein ehrgeiziger Emporkömmling wie die Düsseldorfer Fortuna jedenfalls dürfte in der Relegation ganz gute Karten haben. Indessen zeichnen sich bereits deutlich die Konturen für die kommende Saison ab: Aktuell dominiert in der Bundesliga der Westen (BVB, Schalke, Gladbach), doch fürs nächste Jahr mobbelt sich der Widerstand im Süden (stark vertreten mit Stuttgart, Hoffenheim, Freiburg) und speziell in Bayern (gleich vier Teams: FC Bayern, Club, Augsburg, Greuther Fürth). Der hohe Norden (Werder, HSV) kriselt weiter (Hannover und Wolfsburg eher Mittelmaß) und wird wohl ohne Verstärkung auskommen müssen, Rhein-Main erstarkt (Mainz, Frankfurt) und im Osten wankt mit der Hauptstadt auch die letzte Bastion (zudem wird’s in Liga 2 mit dem Rostocker Abstieg nach Osten hin auch immer dünner). Der Trend aus Richtung Süd und Südwest setzt sich in der zweiten Liga fort: Die beiden Fixaufsteiger sind SV Sandhausen (BW, bei Heidelberg) und VfR Aalen (BW, bei, hmm, Ostalb bei Heidenheim), die letzten Relegationskandidaten sind Jahn Regensburg (BY) und der 1. FC Heidenheim (BW, Ostalb, genau, bei Aalen). Fast möchte man also wetten, dass sich der Westen langsam warm anziehen muss.

Und damit zum aktuellen Wettgeschehen im Bundesligatipp. Eine Runde vor Schluss und nachdem diesmal doch noch einmal 12 Punkte zu vergeben waren, schaut es jetzt an der Spitze nach einem einsamen Rennen aus: zum siebten Mal bei 15 Auswertungen über die Saison hinweg bereits in Führung und mit einem Durchschnittswert von 3,40 auch in dieser Wertung weit enteilt ist – Dieter Gaßner!
Mit 39 Zählern setzt der sich stolze sechs Punkte ab vom Hauptverfolger Andreas Schade und acht vom Drittplatzierten Birger Schmidt. In den Top-Ten dahinter können mit Katharina Wildermuth und Katrin Müller-Hohenstein (je 9., 51 Punkte) zwei ausgesprochene Fachfrauen in die Männerphalanx einbrechen. Weiterer Newcomer: Oliver Fritsch auf Platz 6 (49). Ansonsten oben lauter bekannte Größen mit Jürgen Rollmann (47), Markus Schroth (48), Andrea Dürr & Anja Lämmel, Manfred Münchrath (je 50) und Harald Kaiser (51).

 Der Zwischenstand nach Spieltag 33 (pdf, 72 KB)

Am Wochenende geht’s dann endgültig um Wein und Wurst – ein paar Tage später melden wir uns mit den definitiven News zu allen Siegern, Beinahesiegern und Dabeigewesenen.


Soviel für heute, mit sportlichen Grüßen aus der Noris!
Ihr

tippwart joschko

PS. Im spanischen Liga-Shoutout der – in der Champions League einträchtig gescheiterten – Weltfußballer hat Messi wieder die Nase vorn: mit 46:44 vor Ronaldo.