Bundesliga-Tipp Spieltag 33: Das war’s noch nicht!, noch nicht ganz …

Die großen Seelenkundler unter den Sportjournalisten des Landes haben es alle mit Gary Lineker gehalten: Doch, die Chance, sie sei da; aber sie sei halt sehr sehr klein – dass der FC Bayern noch mal ein Spiel verlieren könnte, bevor Big Daddy Hoeneß wieder raus ist aus dem Knast, Ende 2017 oder so. Denkste. Dabei wird auch von Dauereinpeitscher Sammer zu reden sein, von Ballbesitzfetischist Guardiola und zwei Spaniern, die den Bayern gegen die Spanier aus Madrid fehlten. Auch im Tippspiel geht es jetzt um Wein & Wurst: mit besten Chancen weiterhin für den hochdünn Führenden, Dieter Gaßner!

Akademie Bundesliga-Tipp 2013/2014: Der Stand nach Spieltag 33

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur

Liebe Tipperinnen und Tipper,

die Marktschreier von sky oder Sportschau müssen das natürlich ganz anders sehen, in Wahrheit aber dümpelt die Bundesligasaison 2013/2014 offenbar sehr gemächlich ihrem Ende entgegen. Die allermeisten Resthoffnungen zerstoben, der Kuchen größtenteils verteilt. Letzter Thrill vielleicht: Dass der Braunschweiger Eintracht am Ende in Hoffenheim doch noch der Coup gelingt und nach 30 ewig langen Spieltagen der entscheidende Satz nach vorn. Ansonsten steuert der schwer malade HSV eben schnurstracks auf die Relegation gegen Greuther Fürth zu.

Nein, der Spielplan verspricht kaum noch Überraschungen, zuletzt schaffte ja sogar der tippwart 8 von 9 Richtige im Büro-Tototipp (einzige Täuschung, Sie ahnen es, ein mehr ersehntes denn erwartetes Unentschieden des Nürnberger Club). So steigt der große Knaller am 34. Spieltag mutmaßlich unten in Liga zwei, wenn mit Dynamo Dresden und Arminia Bielefeld der Sechzehnte auf den Punktgleichen Siebzehnten trifft (und dabei ganz nebenbei noch einmal die tiefe Weisheit unseres ganzen Tipp-Konzepts aufleuchtet, eben in der Beteiligung von DD …).

Aber, keine Sorge, „Das war’s noch nicht!“, noch nicht ganz, nicht nach der kleinen Hasspredigt des Uli Hoeneß auf der jüngsten Mitgliederversammlung seiner Bayern. Kurze Rückblende: Am 13. März fällte das Landgericht München II sein Hoeneß-Urteil, kurz darauf verzichteten Kläger und Beklagter auf eine Revision. Der Gang in den Knast stand damit fest und kurz bevor. Postwendend twitterte der große englische Alt-Internationale und Spruchbeutel Gary Lineker („22 Spieler … und am Ende gewinnen immer die Deutschen“): „Bayern President, Uli Hoeness given 3.5 years in jail for tax evasion. There's an outside chance they could lose a game before his release.“

Und die großen Seelenkundler im Lande – jene exzellenten Deuter der Einzel- und Mannschaftsseelen, speziell aber der ultra- oder auch sammergestählten Psyche in Münchner Rot –, wie es sie allerorten scheinbar gibt, und dankeswerterweise konzentriert vor allem in den Braintrusts unserer Sportredaktionen, sie alle gaben Lineker im Wesentlichen recht. Oder besser, dem Lineker abzüglich dessen ironischer Reserve. Dahingehend, dass das der Mannschaft gar nix tut, dass sie das einfach wegstecken und weiter auftrumpfen und gewinnen wird, genauso wie eben schon Monate lang zuvor. Beweis? Die Siege des FCB. Bis zum 25. März, der Vollendung der frühesten Meisterschaft aller Zeiten in Berlin. Ein paar Tage später war dann Schluss damit, 3:3 gegen Hoffenheim, 1:1 in Manchester, 0:1 in Augsburg … bis zu den beiden krachenden Klatschen gegen Real. Eigentlich genug Gegenbeweise, oder? Dafür, dass der Abgang von Big Daddy (Neu-Präsident Karl Hopfner: „Uli Hoeneß ist Kopf, oft Bauch, stets Herz und immer Seele von Bayern München“) mit zweiwöchiger Verzögerung eben doch Wirkung zeigt. Wäre ja auch nur normal; Kopf, Bauch, Herz, Seele, alles über Jahre weggesperrt. Hat unsere Sport-Psychopresse bislang aber komplett verschwiegen, immerhin im Kollektiv.

Jedenfalls, als Dante nach 40 Sekunden des Rückspiels gegen Real, und völlig unbedrängt im Mittelfeld, einen Kopfball direkt in den Lauf des Gegners schickte, und Real keine zehn Sekunden später über links durch war und es schon zum ersten Mal hätte klingeln können – da war im Grunde klar, was kommen musste: Die Bayern, fast alle wirkten sie als seien sie fertig, zu fertig auf diesem Niveau; zu matt, zu überspielt, zu satt, zu unaufmerksam, zu uninspiriert, zu schwach und ungeübt in der Verteidigung und zu durchsetzungsschwach vorne. Und einige wirkten jetzt einfach auch einen Tick zu alt (Robery). Als hätten sie ihren Glauben und Rückhalt verloren (Big Daddy Hoeneß). Als wären sie schwindlig gespielt vom eigenen System (Ballbesitzfetischist Guardiola). Und überdies zu Tode gehetzt von ihrem nimmersatten Manager (Dauereinpeitscher Sammer, dem erst nach der Real-Pleite einzufallen schien, mal etwas Kreide zu fressen). Ja, und dann fehlten den Bayern natürlich die Spanier, die man heuer fürs Finale braucht: Thiago, weil verletzt; und Martinez, weil dem Trainer nicht barça-spanisch genug.    
Aber bitte, das Beste im Fußball ist immer noch: Dass auch die allerbesten Rechnungen nicht aufgehen müssen. Die Rechnung des FCB war einfach brillant: Weltbeste Mannschaft plus Weltbester Trainer = Seriensieger der Champions League. Jetzt ist schon die Miniserie mit der CL-Titelverteidigung geplatzt – wie eben bei allen großen Teams in den letzten 20 Jahren, ob mit oder ohne Pep, Big Daddy oder Sammer. Und irgendwie ist das doch auch ganz gut so, oder, liebe Bayern-Fans? 

Was aber jetzt sowieso viel wichtiger ist, eine Runde vor der großen Endabrechnung: Was steht eigentlich bei unserem Tippspiel auf dem Spiel? Kurz gesagt, eine ganze Menge, nämlich: 24 Flaschen Frankenwein (12 für Platz 1, sechs für Platz 2, drei für Platz 3 und noch mal drei für den Sieger der Schnittwertung, der als Einziger und unter Garantie schon heute feststeht: Dieter Gaßner, mit einer uneinholbaren Durchschnittsplatzierung von 4,53 bei 15 Auswertungen!). Und um die WM-Grillparty im Garten des Gesamtsiegers abzurunden, gibt’s für den Saisonbesten obendrauf ja noch rund 120 Nürnberger Rostbratwürste (nein, nicht aus der Fabrik Hoeneß).

Es geht jetzt also um die Wurst & den großen Rest des Weins, und da scheint weiter alles offen zu sein. Denn auch wenn sich in der Ligatabelle oben und unten kaum mehr was rührt, so haben sich zumindest im Niemandsland noch einige bewegt: zwei Mannschaften um zwei Plätze hoch (Hannover, Werder), zwei um zwei Plätze runter (Frankfurt, Freiburg), macht unterm Strich acht Punkte, die neu zu vergeben waren – und wieder haben damit fünf Tipper die Gunst der Stunde genutzt, um sich unter die besten Zehn zu schieben: am eindruckvollsten Thorsten Brüggemann, zuletzt noch auf der 39 notiert und jetzt mit 49 Zählern nur fünf Punkte hinter dem Spitzenreiter auf Platz 7!  
Seine Führung verteidigen konnte dagegen zum wiederholten Mal Dieter Gaßner, doch es deutet weiter alles auf ein Herzschlagfinale hin. Denn nur einen einzigen Punkt dahinter auf Platz 2 folgen Nicolas Heckel (hoch von der 20!) und, wieder einen Zähler zurück, Jan Welle. Dicht auf dann Michael Schott, Günter Clobes, Heiko Kusiek (Ex-14.), Oli Fritsch, Stefan Bauer, Alexander Sobotta (Ex-14.) und Fedor H. Radmann (Ex-34.!).

Die aktuelle Tabelle nach  33 Spieltagen (pdf, 67 KB)

So, und jetzt sind wir natürlich alle mal gespannt –
die Endauswertung sollten Sie dann schon kurz nach dem 34. Spieltag in Ihrem Mail-Postfach haben!

Mit sportlichen Grüßen aus der Noris!
Ihr

tippwart joschko