Bundesliga-Tipp Spieltag 32: Liga und Tipp einträchtig in der Ruhe vorm Endspurt!?

In der Liga sind wichtige Entscheidungen bereits gefallen, nur bei Europa-Qualifikation und Relegation bleibt etwas Restspannung übrig. Und auch im Tipp scheint Stille eingekehrt - die Top-Ten zeigen sich fast unverändert. Bleibt die Frage, wie lange man dieser Ruhe im Fußball trauen kann ...

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur



Akademie Bundesliga-Tipp 2011/2012: Der Stand nach Spieltag 32


Liebe Tipperinnen und Tipper,

man kennt das ja, diese Momente, wo’s fast so ausschaut, als hätte am Ende doch alles seinen Sinn, einen tiefen und schönen sogar. Und sogar die Bundesliga und unser Tippspiel könnten mitunter zu dieser Annahme verleiten. Im Augenblick zum Beispiel: In der Liga sind wir angelangt bei Spieltag 32 und plötzlich fallen die Entscheidungen wie reife Früchte. Dortmund ist Meister, Bayern der Vize, Kaiserslautern abgestiegen, Frankfurt und Fürth machen den Aufstieg klar. Und die Konstellationen bei den letzten offenen Fragen stellen sich mit einem Mal recht überschaubar dar, egal ob es um Champions-League-, Europa-League-Qualifikation oder die Restvakanzen bei Auf- und Abstieg geht. Einfach optimal, dass die Liga ihre 34 Spieltage hat, exakt 34 und keinen mehr oder weniger, nicht 28 und nicht 38 oder 44. Nein, die 34, das passt genau, denn dann ist alles klar und ausgereizt.

So will es im Moment zumindest scheinen, und als hätte es noch eines Beweises bedurft, hat sich auch über das Tippspiel eine wundersame Ruhe gelegt: 19 von 20 Klubs notieren so wie letzte Woche, und nur weil Frankfurt dem zwischenzeitlichen 2:0 in Aachen noch ein drittes Tor folgen ließ, rutscht das punkt- und torverhältnisgleiche Fürth ab auf Platz 2. Ein einziges Pünktchen war diesmal also nur (noch) zu ergattern. Die Top-Ten ließen sich allesamt nicht lumpen – mit einer Ausnahme: Holger Lehfeld, der den einen Punkt verlor, dadurch seinen 10. Platz und jetzt auf der 14 steht. Alle anderen aber rücken im Gleichschritt einen Punkt vor und die Formation bleibt wie sie war: Dieter Gaßner führt mit nun 41 Zählern vor Andreas Schade (43) und Birger Schmidt (45), es folgen Markus Schroth (46), Andrea Dürr & Anja Lämmel (48), Manfred Münchrath (50), Harald Kaiser, Hartmut Lehfeld, Jürgen Rollmann (je 51) und André Studt (52).

 Der Zwischenstand nach Spieltag 32 (pdf 72,8 KB)

Dann lassen wir den Meister noch ein bisschen hochleben, am besten gleich mit den Worten unseres Mittippers Hans Böller, Sportchef der Nürnberger Nachrichten (80., zuletzt noch 70., aber Fürth auf 1 und jetzt halt dieser eine Punkt weniger): »Borussia ist ein Team, das beinahe puritanische Ernsthaftigkeit bei der Arbeit mit einer Spielfreunde und Leidenschaft verbindet, die immer noch naiv wirken kann – und völlig ohne das branchenübliche Imponiergehabe auskommt.« Unterm Strich: »Ein Sieg des Guten« – es soll sogar Bayernfans geben, die dieses Fazit unterschreiben.

Was uns sonst noch aufgefallen ist:

·         rund zweihundertachtundfünfzig Mal eingespielt, mit gnadenloser Penetranz und ergo schwer zu übersehen: die herzergreifenden Szenen vom Treiben im Dortmunder Entmüdungsbecken, einfach anrührend, so rührend eben, wie sich junge, harte, kluge Fußballkerle heutzutage maximal geben können;

·         der achte Titel für den BVB, da sollte dieser Vizerekordmeister aus Nürnberg mit seinen insgesamt neun jetzt aber langsam mal in die Puschen kommen;

·         eine rheinische Relegation zwischen Köln und Düsseldorf wird immer plausibler und dürfte das Fußballland noch mal spektakulär unterhalten;

·         die PR-Abteilung der SpVgg Greuther Fürth gibt bis zum Schluss ihr Bestes, aktueller Slogan: „Endstation: Alle aufsteigen!“;

·         zwischen Schalke auf 3 und Augsburg auf 15 liegen scheinbar Fußballwelten, genau besehen aber nur ganze zwei Niederlagen: Augsburg hat zwölf Mal verloren, Schalke zehn Mal, nur dass die Augsburger eben aus ihren vielen Unentschieden (bislang 13) künftig ein bisschen mehr machen sollten.

·         Die heißeste Phönix-aus-der-Asche-Geschichte der Saison hat der SC Freiburg geschrieben: nach der Vorrunde mit mickrigen 13 Punkten Letzter, jetzt mit 37 Zählern gerettet und auf Platz 5 der Rückrundentabelle.

Im Stadium der Reife ist schließlich auch die Champions League angelangt, heute und morgen wird sich weisen, wer ins Finale kommt und wer in die Kiste mit dem Fallobst. Bayern-Trainer Heynckes ist ein Gladbacher Jung, vor dem Spiel im Estadio Santiago Bernabéu zeigt der sich naturgemäß niederrheinisch ‚optimichtich‘. Wer Real am Samstag gegen Barça gesehen hat, dem könnte allerdings auch, Jogi-Idiom, ‚Himmelangscht‘ werden. Oder Beckenbauer‘sch ausgedrückt: »Sich mit allen Glücksgöttern des Universums in Verbindung setzen – das wird man brauchen.« Wenn einer die Nummer hat, dann sicherlich der Franz.
Es könnte allerdings auch sein, so unkt es jedenfalls schon hier und da durch den Blätterwald: dass Barça in der gegenwärtigen Verfassung gar nicht der absolute Maßstab sei, und Real demnach so stark auch wieder nicht; denn Barça wäre momentan eben nicht (mehr) ganz auf der Höhe seines allesüberragenden Könnens und Schaffens. Hierfür spricht in der Tat einiges, im Spiel gegen Real zuletzt etwa die erstaunlichen Lücken im Mittelfeld, eine deutlich reduzierte Ballbesitzquote (nicht mehr außerirdisch, sondern bloß noch erstaunlich hoch); und vor allem die mangelhafte Durchschlagskraft in der Spitze, wo, wenn es Messi, wie seit ein paar Spielen schon, einmal nicht reißt, ganz wenig geht. Die Partien gegen Chelsea und Real zusammengenommen, zeigt sich Barça besonders dann anfällig, wenn es auf Wuchtbrummen-Fußball mit ausgefuchsten Destruktionsplänen trifft.
So gesehen könnte es ‚dahoam‘ finalmente also auch Real gegen Chelsea heißen. Ein Ausgang, der speziell für die (Champions League-)Anhänger der Bayern dann doch als denkbar gröbster Unfug der Saison gelten müsste.

Bald werden wir jedenfalls auch wissen, ob der tabellarischen Ruhe in Liga und Tipp doch noch mal ein Sturm folgen wird: Nächste Woche sind wir zurück mit der Auswertung zum 33. Spieltag.
Soviel für heute, mit sportlichen Grüßen aus der Noris
Ihr

tippwart joschko



PS. Nach dem Clásico steht’s im Schützenduell Ronaldo-Messi jetzt 42:41.