Bundesliga-Tipp Spieltag 31: Politikverdrossenheit? Schlimmer ...

Die Liga-Champs Bayern und der BVB fiedelten die spanischen Granden einfach mal vom Platz. Und, Jubelorgien? Na ja. Hoeneß, Götze und das große Geld sorgen eher für Fußballverdrossenheit. Ausgerechnet jetzt. Unbeeindruckt zieht derweil unser Tipp-Spitzenreiter Dieter H. Jütting seine Bahn.

Akademie Bundesliga-Tipp 2012/2013: Der Stand nach Spieltag 31

Liebe Tipperinnen und Tipper,

nach Jahren einer über weite Strecken fast demütigenden Dominanz der spanischen Granden nun das: Bayern und der BVB fiedeln Barça und Real einfach mal vom Platz, in der Zusammenschau ein 8:1, ‚brutal und schön‘ zugleich, wie die Auslandspresse anschaulich schrieb. Und, grenzenloser Jubel allerorten? Na ja.

Schon bei Bayerns 4:0 am letzten Dienstag bemerkte Sky-Reporter Marcel Reif eine ziemlich merkwürdige Stimmung in der Münchner Arena. Trotz aller Anlässe zum Überschwang: immer wieder Schweigephasen im rappelvollen Stadion, periodischer Rückzug der Gefühlswelten sozusagen. Im Erlanger Biergarten Kulisse genau der gleiche Eindruck. Die Aufschreie kurz, der Jubel halbstark, die Nachfeier schnell abgehakt (diese Franken halt?, nein, spielen die Bayern Champions League, ziehen sie hier auch mal Lederhosen an, geschätzte 9 von 10 in jedem Fall). Und tags darauf in Dortmund: Wusste Mario Götze noch bei Abpfiff des fabelhaften 4:1 nicht so recht, ob er sich mit den Mitspielern in die Kurve trauen kann. Hätte ja auch anderes hageln können als die pure Zuneigung.

Es ist einiges zusammengekommen, und es scheint sich wie Mehltau auf die Fan-Seelen zu legen. Ausgerechnet jetzt, wo’s am schönsten sein könnte, ein paar Wochen vor dem womöglich ersten Bundesligaendspiel in der Champions League. Politikverdrossenheit kennt man. Schlimmer wäre jetzt nur noch: allgemeiner Fußballverdruss.
Die Hauptdarsteller aber geben sich alle Mühe. Hoeneß und der Steuerbetrug. Götze und sein mit Geld gepflasterter Fahnenwechsel. Wie eine Vorschau dazu die Auftritte des über Umwege bereits übergelaufenen Sammer, selbst zwischen 1993 und 2004 neun Jahre lang beim BVB (als Spieler CL-Sieger und 2 x Meister, dann Meistertrainer) und heute in ‚more-than-Uli-Hoeneß-ever-Manier‘ eine Arroganz zur Schau stellend, die baldiges Bersten und Zerschottern fürchten lassen: Bei dem jeder einzelne Satz beweisen muss, dass er und ‚seine‘ Bayern vor lauter Kraft kaum laufen können. Oder der Niederbayern-Talker Erwin Huber, Ex-Finanzminister in Bayern, und sein CSU-Credo vom christlichen Menschenbild, zuletzt bei Jauch: „Sünder Hoeneß, der ist jetzt eben auch ein ganz gewöhnlicher Sterblicher“.

Und keine zwei Wochen ist es her, da hat uns Uli Hoeneß noch mal anders geleimt. Da bekümmerten ihn angeblich ‚spanische Verhältnisse‘, welche auch der Bundesliga drohten, also ein doppelter Daueralleingang von Bayern und dem BVB. Auch das nur haltloses Gerede, oder bestenfalls gezielte Irreführung der Fußballöffentlichkeit, wie man seit dem Götze-Transfer weiß (und Hoeneß selbst natürlich schon viel länger). Von wegen schlimmer Dualismus; schon klar, Bayern strebt wie gehabt nach dem Monopol und schwächt die Konkurrenz dort, wo deren Hoffnungen am größten sind; und der BVB muss zunächst mal schauen, ob er ohne sein Kronjuwel noch mithalten kann. Ein Champions League-Finale Dortmund-Bayern hätte so gesehen eine ganz spezielle Brisanz, und vielleicht merkt man davon schon etwas beim Warmup im Ligaduell der beiden am Wochenende. Fürs Erste aber gilt der ernüchternde Rückblick von Klaus Hoeltzenbein in der Süddeutschen: „Die jüngsten Schlagzeilen aus der Fußball-Sonderzone führen (...) dazu, dass sich das pure Spiel in dieser Woche selbst abgeschafft hat. Selten zuvor sind zwei grandiose Siege so kurz gefeiert worden wie das 8:1 von Dortmund / Bayern in den Hinspielen des Champions League-Halbfinales.“

Ein paar andere Schlagzeilen gab es auch noch: Mit Hertha BSC und Eintracht Braunschweig kehren zwei Urgesteine in die erste Liga zurück, die es immerhin zusammen auf die vollen 50 Bundesligajahre bringen (Hertha 30, Eintracht 20); mit Kaiserslautern (44) und Köln (43) hoffen zwei weitere Altbekannte noch auf die Relegation, die auch der FSV Frankfurt noch schaffen könnte – um im Fall eines Aufstiegs zum dann 53. Mitglied der Liga zu werden. In der Bundesliga selbst kämpft das Quartett Hoffenheim, Augsburg, Düsseldorf und Bremen gegen den Abwärtssog, während die Wahrscheinlichkeit eines Nürnberger Abstiegs bei etwa 1:1.000.000 liegt, also durchaus gefährlich hoch. Das Kleeblatt Fürth dagegen hat den Abstieg fix gemacht, trotz eines Schnitts von 0,66 Punkten in den letzten neun Spielen seit dem Rauswurf von Aufstiegstrainer Büskens (22 Partien und nur (!) 0,545 Punkte pro Spiel). Bei den Tickets für die Europa League haben Frankfurt und Freiburg erstaunlicherweise immer noch die besten Karten. Und zweite Liga noch mal, in Bochum geht die jüngste Neururer-Saga weiter, nach dem dritten Sieg in Folge ist allmählich sogar Luft nach unten.
Ach ja, apropos Vorbilder, Sünder oder ‚Wer wird denn gleich auf die Moralische kommen!‘. Fast vergessen, und in den Schlagzeilen der letzten Woche glatt ein bisschen untergegangen: Gegen Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge läuft jetzt auch ein Ermittlungsverfahren, er soll am 7. Februar bei der Rückkehr aus Katar ein bisschen was am Flughafen-Zoll vorbei geschafft haben. Zwei Rolex-Uhren. Zollfrei wären sie nur bis zu einem Wert von 430 Euro gewesen, waren wohl ein bisschen teurer. Fehlt eigentlich nur noch, dass Klopp zu den Bayern wechselt, kurz nach Lewandowski dann. Wird noch ein bisschen dauern (siehe auch Hitzfeld, Sammer, Götze), könnte dann aber schnell gehen, Oktober oder so: falls Pep, der andere mit den zwei ‚p‘, nicht gleich einschlagen sollte. Jetzt aber Schluss mit diesem Verdruss im Überfluss, Fußballverdrossenheit, das passt jetzt einfach nicht!, nicht vor den beiden Krachern in der Champions League, aber echt …!

Okay, die Welt ist nicht perfekt, der Fußball schon gar nicht, doch vollkommen korrekt und integer geht es bei unserem Tippspiel zu. Nachdem die Ligatabelle mehr und mehr einfriert – nur noch acht Punkte waren diesmal neu zu vergeben –, rührt sich auch im Tipperfeld kaum noch was. So zieht Spitzenreiter Dieter H. Jütting weiter ungerührt seine Bahn, jetzt sogar mit vier Zählern Vorsprung vor Alexander Sobotta und Andrea Gaßner. Ein Comeback in die Top-Ten schafften dennoch Alain Sutter (Pseudonym, noch immer) und Philipp Köster. Und ganz vorne mischen weiterhin mit Budde Thiem, Christoph Zitzmann, Hartmut Lehfeld, Klaus Farschon und Peter Hautmann.

 Die aktuelle Tabelle nach dem 31. Spieltag

Soviel für heute, wir melden uns dann gleich nächste Woche, direkt nach dem 32. Spieltag wieder zurück.
Mit sportlichen Grüßen aus der Noris!
Ihr

tippwart joschko