Bundesliga-Tipp Spieltag 31: BVB is Champion, small and smart beautiful und Dieter Gaßner on Top!

BVB praktisch durch, Katzenjammer bei den Vizebayern und Renaissance des fränkischen Fußballs. Im Tipp: Dieter Gaßner weiter ganz oben und nun heißer Titelanwärter, ein Kicker-Kaiser als Comebacker und zwei Neulinge in den Top-Ten.

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur



Akademie Bundesliga-Tipp 2011/2012: Der Stand nach Spieltag 31


Liebe Tipperinnen und Tipper,

das Spiel“, schreibt der amerikanische Erzähler Don DeLillo in seinem Jahrhundertroman ‚Unterwelt‘, „das Spiel ändert nichts daran, wie du schläfst, dir das Gesicht wäscht oder dein Essen kaust. Es ändert nichts, nur dein Leben.“ Das Spiel im Roman ist Baseball, New York Giants gegen die Brooklyn Dodgers, ein Lokalderby um die Meisterschaft, es ist der 3. Oktober 1951; die Giants daheim, aber vom Start weg hinten, bis Bobby Thomson den Ball im letzten Versuch auf die Tribüne drischt. Unerreichbar für die Dodgers, aus und vorbei, die Giants doch noch Meister. Ganz Manhattan außer Rand und Band, und Don DeLillo lässt die, die dabei waren, spüren, „dass dieser Augenblick (…) sich bleibender in unsere Haut eingräbt“. Bleibender als sonst etwas, das war oder irgendwann noch kommen mag, ob im privaten Schicksal oder im großen Lauf der Welt.

Am Mittwoch letzte Woche hieß das Spiel Fußball, das entscheidende Spiel um die Meisterschaft, Dortmund - Bayern, und denen, die dabei waren, dürfte es nicht viel anders gegangen sein. Die Erregung war im ganzen Land zu spüren, ein Prickeln, wie sonst nur vor einem WM-Finale. In der geräumigen Erlanger Studentenkneipe eine Stunde vor Anpfiff schon kein Platz mehr frei, vor keinem der drei Großbildschirme.
Am Ende war die Mehrheit dort ziemlich bedient, die Mehrheit war für die Bayern und sie war ernüchtert: Okay, es war knapp, knapp aber deutlich. Und nein, an den Schnitzern des vermeintlichen Weltfußballers Arjen Robben lag es nicht allein, auch wahr und seltsam genug: der lange Ausfall des Schlüsselspielers Schweinsteiger war nicht zu verkraften; und nein, die Bayern waren einfach nicht zwingend genug, und ja, aufregender, zupackender, überraschender, unberechenbarer, einfach organischer und dynamischer im Umschalten, die mit dem Punch, das waren die Dortmunder. Wieder mal.

Die Ära der Bayern-Vorherrschaft ist damit fürs Erste beendet, zum ersten Mal seit 1994/95 und 1995/96 bleibt der FCB zwei Spielzeiten hintereinander ohne Meistertitel. Auch damals holten sich stattdessen die Dortmunder die Titel, und die Bayern 1998, nach zweijähriger Schamfrist, dafür Dortmunds Meistertrainer Ottmar Hitzfeld. Die Bayern-Bilanz 2011/12 gegen ihre drei Hauptkonkurrenten spricht eine deutliche Sprache: zwei Siegen (gegen Schalke) stehen vier Niederlagen gegenüber (je zwei gegen Gladbach und Dortmund). ‚Vizekusen‘ war gestern, Vizebayern könnte folgen. Falls es denn nach dem 2:1 gegen Real fürs Endspiel ‚dahoam‘ überhaupt reichen sollte.  

Die Schwarz-Gelben von heute aber sind vor allem eines: stilbildend. Etwas abgucken und vom Vorbild profitieren können gerade jene Vereine, die sich daran gewohnt haben, kleinere Brötchen zu backen und statt dessen aufs Kollektiv zu setzen: kluge Trainer und Sportchefs mit Augenmaß also, die es verstehen, verschworene Teams aufzubauen, solche, die sich besonders lauf-, leidens- und lernbereit zeigen. Zu besichtigen sind sie schon im ganzen Land, von Gladbach, Mainz und Nürnberg über Freiburg und Augsburg – bis hin zur SpVgg Greuther Fürth.

Small and clever is beautiful, das gilt neuerdings auch für die zweite Liga. Paderborn und St. Pauli können den Relegationsplatz schaffen, Fürth hat seine erste Aufstiegssause im Feierviertel Gustavstraße schon hinter sich. Der ‚Gelbe Löwe‘ freute sich am Montagabend nach Düsseldorfs Niederlage über den Einfall der kompletten Mannschaft; und wirkte am Tag danach reichlich mitgenommen. So schön kann scheitern sein. Denn klar, Fürth hat es wieder mal vermasselt. Nach acht Beinahe-Aufstiegen in den letzten zehn Jahren (sieben Mal Platz 5, ein Mal Platz 4) hatte man diesmal das Ziel neu justiert, Motto: ‚Die Unaufsteigbar-Tour geht weiter!‘. Und jetzt das, neun Punkte und 31 Tore Vorsprung auf Platz 3. Das schaffen auch die Kleeblätter nicht – die Unaufsteigbartour ist also schon drei Spieltage vor Schluss grandios gescheitert. Diesmal aber gibt’s dafür zum Lohn echte Pauken und Trompeten.
Mit den Fürthern kehrt alter deutscher Fußball-Adel in die Eliteklasse zurück. Uralter sogar: Die Meistertitel der Grün-Weißen liegen noch weit vor DeLillos großem Baseball-Finale, doch immerhin sind es stolze drei, errungen in den Jahren, als der Fußball laufen lernte: 1914, 1926 und 1929. Mit Gründung der Bundesliga verschwanden die Fürther aus dem großen Blickfeld, exakt ein halbes Jahrhundert später melden sie sich nun zum Start der 50. Bundesliga-Saison Ende August zurück. Das originelle Glockenspiel im Fürther Rathaus gibt den Ton schon seit einiger Zeit vor, ‚Stairway To Heaven‘ bimmelt’s da, ein Höllentrip wird es jetzt für die Spielvereinigung sicherlich nicht werden. Dafür dürften die geerdeten Fürther Frontmänner Helmut Hack, Mike Büskens und Rachid Azzouzi schon sorgen.

Und auch wenn es manche in Fürth und manche in Nürnberg gar nicht so gern hören: Der Aufstieg des Kleeblatts und der Nichtabstieg des Club stehen zusammen genommen für eine Renaissance der – zugegeben ebenfalls steinalten – Fußballhochburg Nürnberg-Fürth. Zwischen die beiden Städte passt bekanntlich kein Blatt Papier, hier wird seit 1902 / 1903 das älteste und bislang am häufigsten ausgetragene Derby des Landes gespielt, im Pokalachtelfinale letzthin zum 254. Mal. Beide Klubs kommen zusammen auf 12 deutsche Meisterschaften, 12 immerhin von insgesamt 100, die nach dieser Saison ausgespielt sein werden. Seinen ersten Titel holte der 1. FCN, wie könnte es anders sein, im Endspiel gegen Fürth, anno 1920 damals in Frankfurt. Und nur etwas später war es, als ein Zug nach Amsterdam fuhr, in dem die Nationalmannschaft zum Länderspiel anreiste, in einem Waggon die Fürther, im anderen säuberlich getrennt die Nürnberger, um am 21. April 1924 die Niederlande 1:0 zu schlagen. Außer Fürthern und Nürnbergern durfte damals in der DFB-Elf niemand mitspielen, das Tor schoss der Fürther Karl Auer in der 14. Minute, groß mitjubeln wollten die Nürnberger, im Tor z.B. der legendäre Heiner Stuhlfauth, freilich nicht.

Damit zurück ins Hier und Jetzt, und schnurstracks zum aktuellen Tippgeschehen. Drei Spieltage später haben elf Klubs den Tabellenplatz gewechselt, insgesamt 12 Tipp-Punkte waren zu vergeben. Vier davon holte sich Dieter Gaßner und verteidigte mit 42 Zählern seine Führung abermals vor Andreas Schade (44) und Birger Schmidt (46). In den Top-10 dahinter und nur jeweils um wenige Punkte getrennt lauern Markus Schroth, Andrea Dürr & Anja Lämmel, Manfred Münchrath, Harald Kaiser (Comebacker), Hartmut Lehfeld, Jürgen Rollmann sowie die beiden Newcomer André Studt und Holger Lehfeld.

 Der Zwischenstand nach Spieltag 31 (pdf 73,0 KB)



Soviel für heute, wir melden uns dann nächste Woche wieder mit der Blitztabelle nach dem 32. Spieltag.
Mit sportlichen Grüßen aus der Noris
Ihr

tippwart joschko



PS. Es ist wieder Clásico, am nächsten Samstag um 20 Uhr, Barça - Real, online zu sehen auf www.laola1.tv.

PPS. Das Ligawettschießen Messi gegen Ronaldo steht 41:41