Bundesliga-Tipp Spieltag 29: Explosionen beim FC Hollywood? Tipptechnisch irrelevant.

Nur Nicole Selmer schafft diese Woche den Sprung in die Top-10. Spannend wird es jedoch wieder ganz an der Spitze: Nur noch ein Punkt fehlt Martin Haltermann auf Leon Gassner, der lange Zeit wie der sichere Sieger aussah. Ob es in der Bundesliga noch mal ähnlich eng wird?

Akademie Bundesliga-Tipp 2010/2011: Der Stand nach Spieltag 29


Liebe Tipperinnen und Tipper,


am Ende wurde nicht mehr lang gefackelt, Plattschuss und Feierabend, Feierbiest. Noch eine Aufführung also aus der Serie die wilden Kerle von der Isar. Hoeneß explodiert und erwartet das leistungsmäßig jetzt auch von seiner Mannschaft. Der Präsident wäscht einen Kübel Schmutzwäsche und schielt auf den Schalker Reinigungseffekt; Rummenigge assistiert bedrohlich sanft, natürlich sei die Mannschaftsaufstellung Sache des Trainers, natürlich, bis auf den Torwart, und Gustavo vielleicht besser auf der Sechs. Hoeneß hat einen Riesenbrass und lädt gleich alles ab, seinen Konflikt mit der Südkurve inklusive. Auch wenn die Fälle Kraft & Neuer sowie  60er & Bayernhilfe rein gar nichts miteinander zu tun haben. So taugt van Gaal, der große Bockige, wenigstens zum Riesensündenbock.  


Wer hier keinen Bock auf wen mehr hatte, ist klar. Was im Binnenverhältnis zur Mannschaft wirklich los war, wissen bloß die Insider. Die aber schweigen sich wie üblich aus und überlassen den Platzhirschen die Deutungshoheit. An der strukturellen Untrainierbarkeit der Bayern ändert das nichts, im Gegenteil. Das bisherige Beuteschema bei der Trainerjagd dürfte sehr bald an sein natürliches Ende gekommen sein. Sobald nämlich den Bossen jene Allerletzten, die sie ein bisschen neben sich dulden konnten, Hitzfeld, Magath, Heynckes, dann endgültig abhanden gekommen sein werden: die großen Mit- und Gegenspieler der eigenen großen Ära eben. Louis van Gaal war so gesehen ein spätes Déjà-vu für die 1974er WM-Helden, ein Platzhalter von Cruyff, Neeskens & Co., Jupp Heynckes wird folgerichtig der letzte Mohikaner sein. Und dann? Pep Guardiola, José Mourinho, Jürgen Klopp? Man kann die Detonationen förmlich spüren.


Tipptechnisch aber ist das alles völlig irrelevant. Tippaltmeister Rick Weihermann, selbst im Wettbewerb um die Krone des größten Bayern-Fans im feindlichen Nordbayern, hat es letzthin erst leicht zerknirscht zugegeben: Nein, tippmäßig ist der FC Hollywood schlicht zu vernachlässigen. Schauen Sie selbst, keiner unter den ersten 50 hat den FCB schlechter als drei; und besser geht’s ja auch im besten Fall nicht mehr. Macht also keine/r mehr einen Schnitt. Egal, ob Leverkusen am Sonntag punktet und die kleine Titelchance wahrt, oder die Bayern, und Heynckes ironischerweise seine Chance auf eine eigene Bayern-Zukunft in der Champions League. Einen Interessenskonflikt sieht Heynckes allerdings nicht. Und seltsam genug, ihm glaubt man das sogar.

Unsere nassforsche Prognose von letzter Woche, das müssen wir jetzt zugeben, wird gleich wieder kassiert, denn aus heutiger Sicht sind die Dortmunder eben noch nicht ganz durch, haben die Gladbacher nach ihrem Derby-Kantersieg gegen schlaffe Kölner wieder einen Strohhalm und die Fürther die Bochumer doch noch in Reichweite. Und genauso zyklisch geht‘s in der Tipptabelle zu: Spitzenreiter Leon Gassner behauptet sich, spürt aber wieder den heißem Atem von Martin Haltermann (nur ein Zähler dahinter). Weitere sechs Punkte zurück folgen auf Platz drei Benjamin Weiß und Theophil Graband vor Fritz Höfler, Top-10-Rückkehrerin Nicole Selmer, Paul Joschko, Andrea Gaßner, Jürgen Kaube und Oliver Fritsch.

 

 Das Tipper-Ranking nach dem 29.Spieltag (pdf, 67 KB)

 

So, dann schauen wir mal, ob der Schalker Anti-Magath-Zauber heute anhält, eine Champions League-Halbfinalaufstellung mit Barca, ManU, Real und S04, das hätte schon was, was leicht Surreales sogar.
Und um die Spannung ins Unerträgliche zu steigern, legt der Tipp jetzt mal eine Kunstpause ein, die Osterferien nahen, meldet sich dann aber Ende April und ab Spieltag 32 zum großen Saisonendspurt zurück.  

Soviel einstweilen, mit sportlichen Grüßen aus der Noris !
Ihr

 

tippwart joschko

PS.: Trainer-Ticker, 13.04.2011, 9.02 Uhr: Hoffenheim und Pezzaiuoli trennen sich zum Saisonende, Stanislawski soll dafür St. Pauli verlassen und in den Kraichgau wechseln – damit wären es nur noch sechs: Dortmund, Hannover, Mainz, Nürnberg, Kaiserlautern und Bremen wären die letzten Vereine, die in die nächste Saison mit jenem Cheftrainer gehen könnten, den sie am 1. Spieltag 2010/2011 hatten. Ein Drittel also, aber noch ist ja nicht aller Spieltage Abend … passend dazu die aktuelle Studie von Sportwissenschaftlern, Physikern und Chemikern der Universitäten Münster und Kassel (Co-Autor u.a. Akademie-Mitglied Prof. Dr. Bernd Strauß, Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft). Wenig überraschendes Fazit nach Auswertung von 14.018 Spielergebnissen und 154 Trainerwechseln seit Beginn der Bundesliga: „Aus wissenschaftlicher Sicht sind häufige Trainerwechsel ein absoluter Nulleffekt.“ Und, „Einen echten Qualitätsunterschied zwischen Trainern gibt es in der Bundesliga nicht.“ Belegt sind allerdings kurzlebige Motivationseffekte für ein paar Spiele, die sich jedoch schnell wieder nivellieren. Bleiben also zwei Erfolgsmodelle: 10 Jahre und länger an einem wie Thomas Schaaf festhalten; oder eben gleich alle drei, vier Wochen einen neuen holen; man wird’s erleben, bis sich das der erste traut.