Bundesliga-Tipp Spieltag 29: Das Ligakabarett & die Tücken jeder Vorhersage

Na es geht doch: Erste Niederlage der Bayern nach 100 Jahren einsamer Unbesiegbarkeit. Und auch der geht: Sami Hyppiä nach einer überragenden Vizemeisterschaft in der Hinrunde, nur sieben Punkte hinter dem FCB. Und vielleicht geht zum Schluss auch das noch mal: Nürnberger Aluminiumtreffer 24 bis 33 nach der Devise Innenpfosten, Unterkante, und Tor. Das Bundesligakabarett lässt sich dieser Tage nicht lumpen, einer aber kann sich dabei nur eins lachen: Jan Welle, unser neuer Spitzenreiter in der Tippwertung!

Akademie Bundesliga-Tipp 2013/2014: Der Stand nach Spieltag 29

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur

Liebe Tipperinnen und Tipper,

Hannover hat’s gemacht, und Nürnberg, Stuttgart und Hamburg haben’s gleich zweimal gemacht, Ergebnis: Fünf Spieltage vor Schluss stecken sie allesamt mittendrin im Abstiegsschlamassel, Modus Best-Four-of-Six, alle nur vier Punkte maximal voneinander getrennt bei ähnlich miesem Torverhältnis. Denn Freiburg und Braunschweig zählen auch noch dazu, obwohl die gar nichts gemacht haben, sondern einfach mit demselben Coach zu Ende spielen. Dafür meldet Leverkusen die nächste Trainerentlassung, und wir nehmen an, ein bisschen haben sie das jetzt auch uns zuliebe gemacht.


Schließlich stand am 23. Oktober des Vorjahres, Sie erinnern sich!, bestimmt!, nach Spieltag 9 und dem dritten Rausschmiss der Saison, an dieser Stelle die scheinbar waghalsige Prognose zu lesen: „ (…) um die Trainerrauswurf-Quote müssen wir uns keine allzu großen Sorgen machen. Unser Top-Kandidat für die No. 4? Na, wetten wir halt mal auf die nächste Laune des Fußballgotts – auf Leverkusens Sami Hyppiä.
Es ist dann die Nummer sieben geworden, aber bitte, Leverkusens Pleiteserie – Platz 14 der Rückrundentabelle mit 11 von 36 möglichen Zählern, punktgleich mit 96 und dem HSV, und schon vier Zähler hinter Freiburg und Nürnberg, drei hinter Braunschweig und Bremen – diese Serie hätte natürlich genauso gut ein paar Wochen früher einsetzen können. Am 9. Spieltag zum Beispiel, als Kießling noch durchs Loch im Hoffenheimer Außennetz verwandeln durfte. Oder zuvor am 8. Spieltag, im Heimspiel gegen die Bayern; aus Gründen, die in unserer Lebenspanne nicht mehr ansatzweise zu kapieren sein werden, ging das damals 1:1 aus, statt angemessen 0:6 oder 0:7.
Was wir allerdings nach über 50 Jahren Bundesligakabarett begriffen haben, ist der Modus der Realsatire, der ziemlich viele Ereignisse und Ergebnisse ziemlich fest im Griff hat. Das Problem ist immer nur, welche gerade. Genau das aber relativiert das Kriterium des Halsbrecherischen enorm (und macht Vorhersagen aller Art fürs Wettbüro so attraktiv). Prognose also? Der Nürnberger Club holt sich tatsächlich die Meisterschaft im Aluminiumschießen, verlegt sich bei seinen Treffern 24 bis 33 ab sofort aber auf Innenpfosten, Unterkante und Tor.

Dann korrespondierend, die mutmaßlichen Aufsteiger der Saison. Der 1. FC Köln wird hochgehen, und das wird allgemein begrüßt. Kein Wunder, wie ein Blick auf die Ewige Bundesligatabelle zeigt: Köln war immerhin 43 Jahre erstklassig, Platz 8 im Allzeitranking. Dagegen jetzt schon vielerorts bejammert, und am lautesten natürlich von den Merchandisern der Liga: Dass Fürth und Paderborn (P A D E R B O R N !) den Aufstieg ebenfalls schaffen könnten. Dazu noch mal die Ewige Tabelle: Mehr als die Hälfte der bislang insgesamt 52 Bundesligisten dürfte für die Mehrheit unserer heutigen Teenager und Twens absolute terra incognita sein – und nicht nur wegen etwaiger Bildungslücken in Latein und Geografie: Stuttgarter Kickers, Blau-Weiß 90 Berlin oder SG Wattenscheid 09? Borussia Neunkirchen, Rot-Weiß Essen oder SV Waldhof Mannheim? FC 08 Homburg, SSV Ulm 1846 oder VfB Leipzig? Nur drei der eben Genannten übrigens waren ein bloßes One-Hit-Wonder, sprich kamen auf nur eine einzige Spielzeit in der Bundesliga – guees who!?
Zur Verteidigung von Fürth und Paderborn meinen wir: Erstens, wie erinnerlich wurden Freiburg, Mainz oder Augsburg dereinst mal ganz ähnlich empfangen; zweitens, Bayer Leverkusen, VW-Wolfsburg und SAP-Hoffenheim müssen wir schließlich auch ertragen; und drittens, besser als ein Traditionsklub wie 1860 München (20 Spielzeiten, 20. der Ewigen Tabelle) mit Pseudo-Scheich und Orient-Geld oder ein Retortenverein wie RB Leipzig mit Pseudo-Sportversteher und Brause-Millionen machen es die beiden allemal – soviel Landeskunde und Folklore darf also ruhig sein!

Damit auch schon zum Tippgeschehen.
Was ist passiert? Um insgesamt (nur) acht Positionen hat sich die Ligatabelle geändert – genug immerhin, um vier Tipper aus den Top-Ten zu katapultieren und vier Neue weit nach oben zu bringen. Fest steht fünf Runden vor Schluss jetzt auch: Wer Dynamo Dresden (wieder mal) besser als auf Platz 10 gesetzt hatte, der kann für diesmal einpacken (wie der tippwart, wieder mal). Ansonsten gleicht unser Titelrennen immer mehr dem Abstiegskampf in der Liga: Die ersten zehn Plätze trennen nur ganze sechs Punkte und ganz oben, mit 47 Punkten von Position 4 auf die No. 1, steht erstmals in dieser Saison – Jan Welle aus Berlin!
Ein Pünktchen dahinter folgen Michael Schott und Oli Fritsch, dicht gefolgt von Alexander Sobotta, Dieter Gaßner, Günter Clobes, Volker Goll (Ex-14.), Thorsten Bach (Ex-12.), Dieter Hecking und Fedor H. Radmann (beide Ex-14.).

Die aktuelle Tabelle nach  29 Spieltagen (pdf, 67KB) finden Sie hier.

Soviel für heute, so, und jetzt kommt’s: Zur Steigerung der Spannung wie der Osterruhe setzen wir die nächsten beiden Runden einfach mal aus –  um dann lückenlos bis zum Saisonfinale am Ball zu bleiben. Nächste Meldung demnach erst wieder nach dem 32. Spieltag Ende April ... Bis dahin, mit sportlichen Grüßen aus der Noris!

Ihr

tippwart joschko