Bundesliga-Tipp Spieltag 27: Frauenpower, Rückkehr der Experten - und Andi Schade neuer Leader

Der Führungswechsel in der Liga lässt auf sich warten, im Tipp dafür geht's rund. Andreas Schade heißt unser neuer Spitzenreiter, der achte schon in dieser Saison. Ihre Rückkehr in die Top-Ten feiert zudem eine ganze Clique von Experten, während sich das Damen-Doppel Andrea Dürr und Anja Lämmel ganz ohne Quote oben festsetzt - Chapeau!

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur



Akademie Bundesliga-Tipp 2011/2012: Der Stand nach Spieltag 27


Liebe Tipperinnen und Tipper,


es ist schon ein Kreuz, manchmal. Ein Gladbacher Jung, in unserem Tipp grade auf der 81, fasste das Pokal-Aus der Seinen letzte Woche ziemlich entnervt so zusammen: „Dass Dante uns den Matthäus macht (für jeden Gladbacher ist das Pokalfinale von ´84 ein unüberwindliches Trauma – erst gegen Bayern drüber schießen und dann hingehen), ist eigentlich unfassbar.
Unfassbar, unergründlich und manchmal unerträglich, so und nicht anders kennen wir unsere höheren Fußballmächte. Trotzdem, einfach damit abfinden geht ja auch nicht. ‚Nicht zu glauben!‘, das ist die vertraute Schleife des Haderns. Und: ‚Unglaublich enge Kiste!‘, Beispiel Pokal. Die beiden Überflieger der Liga treten in den Halbfinals an, okay auswärts, aber bitte: zweimal 119:58 Minuten vorbei, und weder der Erste aus Dortmund noch der Zweite aus München bringen ein Tor zustande. Keins gegen den Dritten (und vor einem Jahr noch 18.) aus Gladbach und keins gegen den Zweitliga-Ersten aus Fürth (oder 19. der kumulierten Tabelle). Erst dann hat der Fußballgott genug gesehen; und setzt unnachahmlich maliziös zur Rettung des Establishments an. Gündogan, Torwart-Schulterblattschuss zwei Sekunden vor Schluss, der BVB im Finale. Dante im Elferschießen, ein Gedanke zu viel an Uli Hoeneß, Gedächtnis-Raketenball in den Mönchengladbacher Nachthimmel, die Bayern im Endspiel. Selbst eine Starbesetzung glorreicher Halunken hätte es nicht besser hingekriegt, nicht mal mit Nicholson, Brandauer, Malkovich, Walken, Kinski plus einem José Mourinho in der Komparserie. 

Immerhin und aller Voraussicht nach: In Fürth wird man bald den Aufstieg feiern, in Mönchengladbach einen Platz in der Champions League. Unfassbar, unerträglich wäre nur, falls jetzt doch noch was schiefgehen sollte … zumindest so viel aber ist sicher: der 12. Mai in Berlin und dass die ganze Fußballnation in den Genuss des größtmöglichen Grande Finales kommen wird, BVB - FCB. Zu verhindern wäre dies allenfalls noch von jenem Einen höchstpersönlich, der noch ein bisschen größer ist als der Fußballgott oder sogar Sepp Blatter.  

Auf den letzten Metern der Saison, 7 matches to go, und der beiden Uefa-Cups geht’s jetzt ohnehin Schlag auf Schlag. Große Festspiele in Serie: die deutsch-spanischen Duelle von Schalke und Hannover ab heute in der Europa League; am Mittwoch, 11. April, 20 Uhr, die mutmaßliche Vorentscheidung um die Meisterschaft in Dortmund gegen die Bayern; am Dienstag, 17. April , 20.45 Uhr in München das mutmaßliche Halbfinale in der Champions League gegen Real, am 25. April das Rückspiel in Madrid. Ein pickelhartes Programm vor allem für den FCB, das Bayern-Derby am nächsten Samstag in Nürnberg gar nicht mitgerechnet.
Gut für den Fußballfreund, die Fußballfreundin an sich. Doch eine knappe Hälfte der Bundesligaklubs samt Anhängerschaften hat im Moment ganz andere Sorgen. Ab Platz 11 und dem 1. FC Nürnberg geht die Angst um. Motto des Tages: Vermeintlich schon Gerettete freuten sich zu früh, Totgesagte aber leben länger. Zu den Zufrühfreuern zählen der Club (zuletzt drei Niederlagen und jetzt die Bayern vor der Brust), der 1. FC Köln (nach den sechs Buden des BVB mit 56 Gegentoren die Schießbude der Liga) und allen voran der Hamburger SV: nur acht von 30 möglichen Punkten in der Rückrunde, vier Niederlagen in den letzten fünf Spielen, aber scheinbar noch immer betört von den beiden 1:1 im Spätwinter, ausgerechnet gegen Bayern und Gladbach. Trainer Fink schaut weiter nur nach oben, und genau das könnte ins Auge gehen. Von den Totgeglaubten sieht es nur für den 1. FC Kaiserslautern zappenduster aus, andere präsentieren sich plötzlich wieder qietschfidel: Der SC Freiburg hat mit Christian Streich einen Kult-Trainer aus dem Hut gezaubert, der den Breisgauern zuletzt zu zehn von 12 machbaren Punkten verhalf (mit Siegen gegen Schalke, Hamburg, Lautern und einem Remis in Gladbach); der FC Augsburg hat mit Jos Luhukay einen Trainer, der wie ein Knautsch-Original wirkt, aber es wie kaum ein Anderer versteht, das Niemals-Aufgeben! einzubimsen (seit fünf Spielen ungeschlagen bei nur zwei Niederlagen in den zehn  Rückrundenpartien und sechs (!) Remis). Tja, und die Berliner Hertha hat mit König Otto bekanntlich das originellste aller Originale. Der enthält der Sportpresse neuerdings zwar Goethe und Schiller vor, feiert nach zuletzt deftigen Klatschen dafür drei Tore und Punkte gegen zuvor vermeintlich schon gerettete Mainzer.  

Diese Turbulenzen in der sehr geräumigen Kellerabteilung der Tabelle haben naturgemäß Auswirkungen auf unseren Tipp. 12 Klubs wechseln die Plätze, in der Addition 18 Punkte an Verschiebungen – und der größte Nutznießer heißt: Andreas Schade, mit 45 Punkten unser neuer und nun schon achter Spitzenreiter im Lauf der Saison (und, ähem, im übrigen ein Mann der Akademie). Zwei Zähler dahinter lauern Birger Schmidt und Dieter Gaßner. Auffällig dann: Gleich eine ganze Clique berufsmäßiger Experten konnte sich zurück in die Top-10 kämpfen, mit Ex-Profi und 1860-Nachwuchscoach Markus Schroth (4.), den kicker-Leuten Manfred Münchrath (7.) und Harald Kaiser (9.), dem Sportjournalisten der Nürnberger Nachrichten Wolfgang Laaß (7.) und nicht zuletzt dem Berliner 11-Freunde-Tipp (9.). Zudem weiter vorne mit dabei Michael Enderlein (4., Ex-Akademiepraktikant) und Ali Wagner (9., kicker-online). Ganz oben auf Position 4 festgesetzt aber hat sich, ohne jeden Rückenwind durch irgendeine Frauenquote, das Doppel Andrea Dürr & Anja Lämmel (teils beruflich mit der Akademie befasst) – aktuell die mit Abstand Erfolgreichsten im ansonsten lupenreinen Männertableau der besten zehn.

 Der Zwischenstand nach Spieltag 27

Soviel für heute, wir melden uns dann nächste Woche wieder mit der Auswertung zum 28. Spieltag.
Mit sportlichen Grüßen aus der Noris !
Ihr

tippwart joschko


PS. Was Sie sonst noch interessieren könnte:

– Zweite Liga: Am nächsten Montag, 20.15 Uhr, steigt in Düsseldorf der Knüller um den Aufstiegs-Relegationsplatz gegen St. Pauli (1860 München darf bei einer Punkteteilung noch ein bisschen luren, während Fürth (sechs Punkte Vorsprung) und Frankfurt (fünf) durch sein sollten; eigentlich);

– Die Fifa: Laut Uli Hoeneß müsste Fifa-Boss Blatter „80 Prozent seiner Leute rauswerfen“, so er es denn tatsächlich ernst meinen würde mit Reformen. Wir meinen: seriöse Schätzung.

– Europas Top-Torschützen: Messi und Ronaldo liegen jetzt mit 35 Liga-Treffern gleichauf an der Spitze.

– Der heißgeliebte Fußballspruch: Er lebt doch! Schalkes Oberfleischer Clemens Tönnies in einer Einlassung jüngst zu Dortmunds „Hassprediger" Kevin Großkreutz: „Die Qualität der Gewalt hat sich ins Negative verändert." Wir hatten es immer schon geahnt.

– Löhne im öffentlichen Dienst, oder auch im Handwerk: Die ewige Frage, warum Fußballer soviel Geld verdienen müssen, wir anderen aber so wenig, sie wurde vor Jahrzehnten schon beantwortet. Stellvertretend für alle ‚Leistungsträger’ der Gesellschaft stellte Michael Rummenigge das ein für allemal klar – in gut 60 Sekunden absolut nachvollziehbar unter
http://www.youtube.com/watch?v=HTNGIC6omv0

(ein besonderer Dank an Akademie-Helfer Dominik für diesen Hinweis, Betreff: ‚sympathische Fußballer’, sowie den Tönnies)