Bundesliga-Tipp Spieltag 23: Was macht eigentlich einen Verein zu unserem Verein?

They never come back?, kann sein, gilt aber nicht für unseren neuen und damit bereits dreifachen Spitzenreiter dieser Spielzeit: am 13. und 17. Spieltag ganz vorne, und heute wieder, hoch von Platz 5, ist Knut Reinhardt aus Dortmund! Außerdem die Frage: Was macht eigentlich einen Verein zu unserem Verein.


Akademie Bundesliga-Tipp 2012/2013: Der Stand nach Spieltag 21

Liebe Tipperinnen und Tipper,

das Herz ist ein Bordell mit vielen Kammern, hat Gabriel García Márquez irgendwo mal geschrieben. Und Woody Allen kalauerte, ein sehr flexibler Muskel sei es doch, das Herz. Die Lebenserfahrung zeigt natürlich, dass diese beiden großen Menschenkenner vollkommen richtig liegen. Mit der berühmten Ausnahme eben, die ausschließlich für Fußballfans gilt: Unserem Verein, dem bleiben wir treu; ein Leben lang!, und noch viel mehr.


Unser Verein, ja – gut, dass es den gibt. Das bringt ein wenig Stabilität und Ordnung in die Sache. Etwas in der Art, das die Politik dauernd sucht und nie findet, so ein Kompass fürs Leben. Blöd nur, dass er so schwer zu fassen ist, unser Verein. Was genau soll es eigentlich sein, dieses Objekt der Zuneigung und Begierde? Die Hymne, das Stadion? Die Klub-Fahne, die Trikots, die Farben? Die Bratwurst, die Halbe, die alten Bekannten im ‚Block‘? Der Weg von der S-Bahn in die Kurve, die Geschichte und Geschichten? Man hat so seine Probleme heute. Denn die eine Hälfte dieser Dinge kann sich alle Saison lang ändern; und die andere bleibt oft reichlich diffus und abstrakt.

Bliebe noch, sagen wir mal, der human-sportliche Faktor. Ist aber auch ein Problem inzwischen. Hamit Altintop zum Beispiel, Gelsenkirchner Jung. Als er letzte Woche in der Champions League mit Galatasaray gegen seinen alten Klub Schalke 04 antrat, wurde er gefragt, ob er sich aufs Wiedersehen freue. Und auf wen da besonders? Etwas schwierig, das, meinte er: Außer dem Busfahrer und ein paar Physios kenne er halt niemanden mehr. Mitte 2007 ging er bekanntlich weg von S 04, Ewigkeiten her also, der neuen Zeitrechnung nach.

Human-sportlich exzellent machen das dagegen fast immer schon die Münchner Bayern, Hoeneß, Rummenigge, Beckenbauer, Breitner oder Scholl, und sogar bei Fremdgewächsen wie Heynckes oder Hitzfeld mit einer frappierenden Konstanz des Wiedergängertums. Das hat und schafft Substanz. Aber auch die ca. 2005 wiedergeborene Dortmunder Borussia. Da ist eben nicht nur Klopp, da sind auch Zorc oder Stadionsprecher Dickel. Und Leverkusen? Da ‚gibt’s nur ein’n‘, dafür ist das  d e r  Rudi Völler; oder wie es Gerd Rubenbauer einst, und wie üblich unfreiwillig genial, auf den Punkt brachte: »Die Ruuudi-Ruuudi-Rufe hat es früher nur für Uwe Seeler gegeben.«
Der reine Zufall jedenfalls wird es nicht sein, wenn ausgerechnet das Spitzentrio der Liga in puncto sportliche Integrationsfiguren bestens gerüstet ist: Und auch die Erfolge von Freiburg, Mainz und bald vielleicht auch wieder dem SV Werder dürften ein ähnliches Fundament haben (Frankfurt warten wir besser mal ab). In Fürth aber haben sie jetzt – ganz so wie mehrheitlich in der Zone der Erfolglosen, siehe Hoffenheim ohne Rangnick, Schalke ohne Stevens, Wolfsburg ohne alles (bis denn die Neu-Sportiven wirken sollten) – kaum einen human-sportlichen Faktor mehr: keinen Büskens, keinen Reichel und schon länger keinen Azzouzi mehr. Sondern nur noch den alten Präsidenten, und die alten Damen im stadioneigenen ‚Teeladen‘. »Die Mannschaft gehört dem Trainer und nicht mir.«, hat Fürths Präsident Helmut Hack gesagt, und, »Dieser Verein steht hinter seinen Trainern.« Das aber ist mindestens eine doppelte Ewigkeit her (anno 2000, in einem Interview mit dem sagenhaften Kleeblatt-Fanzine ‚Dounern hald nei!‘).  

Dann wartet das Fußballland auf das erste große Endspiel dieser Saison, diesmal getarnt als Pokalviertelfinale: Ob die Schwarz-Gelben den 17-Punkte-Rückstand in der Ligatabelle samt Heimvorteil der Bayern tatsächlich vergessen machen können? Weil sie zwar nicht den langen Atem und die teure Bank des FCB haben, aber punktuell immer wieder topfit und kreativ auftreten können, wie schon in den wichtigen Champions League-Partien?
Zur Einstimmung könnten Sie schon heute, 21 Uhr auf www.laola1tv, das Pendant in der spanischen Liga sehen, Rückspiel im Pokalhalbfinale zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Und apropos Barça: Da liest man tagtäglich von Wettmafia oder sportlicher Schiebung in europäischen Ligen – nur beim 2:0 von (ausgerechnet!) Berlusconis AC Milan über Barcelona keine einzige Zeile der Spekulation über einen etwaigen Deal? Gut, dafür jetzt aber: Die Wahlen in Italien sind gelaufen, für Berlusconi natürlich besser als vorhergesagt – dann kann Milan das Rückspiel ruhig abschenken, sagen wir mal: 5:1 Barça.

Und damit auch schon zum Tippspiel. They never come back?, kann sein, gilt aber nicht für unseren neuen und damit bereits dreifachen Spitzenreiter dieser Spielzeit: am 13. und 17. Spieltag ganz vorne, und heute wieder, hoch von Platz 5, ist Knut Reinhardt aus Dortmund! Nur einen Zähler dahinter folgen die Ex-Leader Budde Thiem und Dieter H. Jütting. Auf den weiteren Top-Ten-Plätzen mit einigen Punkten Rückstand dann Christina Müller, Andrea Gaßner, Hartmut Lehfeld, Alexander Sobotta, Christoph Zitzmann sowie die beiden Rückkehrer Alain Sutter und Philipp Köster.

 

 Die aktuelle Tabelle nach dem 23. Spieltag.

 

 

Damit verabschieden wir uns bis zum 25. Spieltag, also etwa Mitte März.

Soviel für heute, mit sportlichen Grüßen aus der Noris!
Ihr

tippwart joschko