Bundesliga-Tipp Spieltag 23: Spannende Dauerflaute (vor dem Sturm?)

Es geht immer noch ein bisschen schlimmer: Gestern war Fasching, heute ist politischer Aschermittwoch. Vor zwei Wochen war Olympia in Sotschi, jetzt stehen Putins Truppen auf der Krim. Und war die Ligatabelle zuletzt bei nur noch 11 Veränderungen schon wie eingefroren, sind es diesmal ganze 6. SECHS, insgesamt! Rummenigges Fabel von einer spannenden Liga dürfte Ausgeburt des winterlangen Föhns über München sein. Immerhin aber: Beim Akademie-Tipp ist es trotzdem wieder passiert -- wir haben einen neuen Spitzenreiter, und der heißt Nicolas Heckel!

Akademie Bundesliga-Tipp 2013/2014: Der Stand nach Spieltag 23

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur

Liebe Tipperinnen und Tipper,


im Niederbayerischen feiern sie heute den sogenannten „politischen Aschermittwoch“. Der war gefühlte Jahrhunderte lang eine reine Brauchtumsveranstaltung, Motto: Jetzt mischt der Franz-Josef sie mal alle so richtig auf!, seit einer guten Weile aber schon zieht es auch Nordlichter aus der politischen Sphäre an. Das Ganze dann garniert mit Defiliermarsch, HumptaHumpta und viel Alkohol, also im Grunde nix anderes als eine kleine Faschings-/Karnevalsverlängerung, die angesichts der eigentlich verordneten Fastenzeit natürlich mit einem deftigen Feigenblatt zu ummänteln ist, rhetorisch wenigstens. Und noch mal genauer genommen ist es für die bundesdeutsche Politprominenz endlich auch die Gelegenheit zurückzuschlagen, schnurstracks retour, nach Wochen des selber Derblecktwerdens und Dabei-auch-noch-dauernd-Grinsenmüssens und Massengespötts auf Kölschen Umzugswagen. Kurzum, höchste Zeit für eine Serie von Revanchefouls in der Nachspielzeit!

Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und steigen gleich mal mit in die Bütt, Bursch‘n, Madels − auffi geht‘s!
»Thomas Schneider bleibt auch nach der achten Niederlage am Stück Trainer des VfB Stuttgart. Klar, aber nur bis zur neunten, am nächsten Samstag dann gegen die Braunschweiger Eintracht, ein 1:2 wahrscheinlich, das dann sechste im Jahr 2014 (wenn’s kein 1:4 wird, wie die beiden andern Male) und höchstwahrscheinlich in der 88.« taatääää
»Apropos Trainer: Nach acht Monaten hat Huub Stevens jetzt fertig bei PAOK Saloniki. Abschiedsworte Stevens: „Ich wollte das Abenteuer Griechenland erleben. Ich habe es bekommen.“ Abenteuer Griechenland, der ist gut, Huubtaatääää
»Trainer, die dritte: Bei seiner Warmup-Pressekonferenz für die Weltmeisterschaft hat Bundestrainer Joachim Löw letzen Montag endlich einmal jenen anbiedernden Fußballsprech gekontert, der fußballferne Inhalte schier brachial hinein in die Fußballsprache zwingt; Löw machte es statt dessen umgekehrt: Er zwang fußballerische Inhalte hinein, naja, in die Sprache der Wissenschaftstheorie. Denn entscheidend iss ab sofort nich mehr aufm Platz, nein: „Bei der WM gilt: Die Realität schlägt die Theorie.“« taatääää
»Es gilt das Wort des Großen Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, und der hat sich vor und nach dem 5:1 der Bayern gegen Schalke vehement gegen den Vorwurf verwahrt, die Bayern-Dominanz raube der Liga jede Spannung. Also gehen wir in uns und schwören ab: Falsch war es, was wir fünfzig lange Ligajahre wähnten, dass nämlich der Ausgang der Meisterschaft ein zentrales Spannungsmerkmal sei, nein, das war sehr falsch von uns. Und sowieso, das ganze Gerede über die vermeintliche Bayern-Dominanz. Bitte, schauen Sie selbst: Hatte der FCB vor einem Jahr just am 23. Spieltag 17 Punkte Vorsprung vor dem BVB, sind’s heute grad mal 20. Doch lachhaft, das zur Panik hochzujazzen!« taatääää
»Deutschlands Sturmhoffnung Miroslav Klose, bei der WM wird er 36 Jahre alt sein, beruhigt die Nation. Heute im SZ-Interview: „Meine Beine sind da, und das ist für mich ausschlaggebend.“ Na dann.« taatääää
»Und, sportpolitischer Aschermittwoch, was fällt uns da schnell noch zum Ukraine-Krim-Konflikt ein? Dass wir alle miteinander ein bisschen Angst haben können vor einem 3. Weltkrieg, durchaus. Und dass Sportphilosoph Gunter Gebauer zuletzt mit Blick auf das IOC und Putin mit der Einschätzung zitiert wurde, Olympia sei offenbar in die Hände von Barbaren gefallen. Und dass so gesehen der 3. Weltkrieg zum Abschluss dieser Winterspiele in Sotschi fast schon irgendwie passend, würdig und folgerichtig wirken könnte. Huch, ja.« taatääää taatääää taatääää taatääää

Und damit wenden wir uns auch schon dem spannenden Trauerspiel in der Liga zu, wo es heuer nach zwei Dritteln der Saison in etwa so ausschaut: Wie in den letzten Jahren gibt es mit Bayern und dem BVB nur zwei herausragende Mannschaften (leicht relativiert durch einen 20-Punkte-Abstand), und ansonsten zwei, drei formidable Kräfte, die konstant mehr aus ihren Möglichkeiten machen (Mainz, Hertha, Augsburg). Während andere eine Zeit lang alles gewinnen, um jetzt alles wieder zu verspielen (Leverkusen, Gladbach und vielleicht auch Schalke und Wolfsburg). Und wo tatsächlich exakt die Hälfte aller Teams bis heute viel zu wenig gewonnen hat, um ohne große Abstiegssorgen zu sein. Zum Vergleich: Letztes Jahrs stand am 23. Spieltag die SpVgg Greuther Fürth mit 13 Punkten ganz unten, davor folgten Hoffenheim mit 16, Augsburg mit 18 − und auf Platz 13 lag, mit 27 Zählern und scheinbar komfortabel, der spätere Absteiger Fortuna Düsseldorf. Heute hat Schlusslicht Braunschweig 16 Punkte und Hoffenheim auf Platz 10 steht bei 29. Das heißt also Zittern im Kollektiv, in der Breite und auf niedrigem Niveau: eine Schau bescheidener Leistungen, die sich im Übrigen auch auf europäischer Ebene wiederfindet – nur die ominösen Zwei dürften im Champions League-Viertelfinale sowie Achtelfinale der Europa League aus der Liga noch vertreten sein. Macht ganze 2 aus 24.

Warum? Frankfurts Heribert Bruchhagen meint:»In der Champions League erlebt man es ja nicht mehr, dass der Bessere gegen den Schlechteren verlieren kann.« Ganz im Sinne von Karl-Heinz Rummenigge, wenn wir das alles jetzt richtig verstanden haben.

Nur scheinbar im Widerspruch zum labilen Leistungsbild der Liga steht die Dauerflaute in der Tabelle, doch die haben wir, wie ausgeführt, spannend zu finden: Dem One-Hit-Wonder des HSV gegen Dortmund folgt eben prompt die Pleite im Nordderby gegen den SV Werder, so gleicht sich über zwei Spieltage hinweg alles wieder aus – und waren es zuletzt noch 11 Plätze, um die sich die Reihenfolge verschoben hatte, so sind es diesmal nur noch 6. SECHS, insgesamt!

Sechs Punkte also waren zu gewinnen oder zu verlieren, das hat in der Tipp-Tabelle natürlich kaum Wirkung gezeigt. Mit einer Ausnahme − und die ausgerechnet ganz oben: Nicolas Heckel konnte tatsächlich vier der sechs möglichen Zähler für sich verbuchen und löst nun mit 42 Punkten Dieter Gaßner (43) an der Spitze ab. Dahinter folgen − in leicht variierter Reihenfolge der letzten Top-10 − Günter Clobes und Klaus Weiner auf Platz 3 (je 45), knapp vor Fedor H. Radmann, Bernd Siegler, Michael Schott, Stefan Bauer, Christian Schirmer, Dieter Hecking und Hans Kohout.

Die aktuelle Tabelle nach  23 Spieltagen (pdf, 67KB) finden Sie hier.

Soviel für heute, wir melden uns in rund zwei Wochen wieder zurück, kurz nach Spieltag 25.

Mit sportlichen Grüßen aus der Noris!
Ihr

tippwart joschko