Bundesliga-Tipp Spieltag 23: Keimt noch einmal Hoffnung auf?

Borussia Mönchengladbach gelingt tatsächlich der erste Heimsieg der Saison, vorerst jedoch ohne Auswirkungen auf die Platzierung der Fohlen. Ganz anders die Tabelle des Tippspiels: Hier herrscht mächtig Bewegung. So schießt beispielsweise Volker Goll von Platz 53 auf die 8 (!) vor, dicht gefolgt von Charly Hörl (von 53 auf 11). Kandidaten, die exemplarisch für den tabellarischen Absturz stehen (z.B. von 8 auf 78), ziehen es vor, anonym zu bleiben.

 

Akademie Bundesliga-Tipp 2010/2011: Der Stand nach Spieltag 23


Liebe Tipperinnen und Tipper,

 

zwei Drittel der Saison vorbei, schon grüßt das Murmeltier ums Eck: Schluss mit lustig! Der Showdown steht an, und gerade an den Nahtstellen der Ligen spitzt sich die Lage zu. Ein bisschen spitzer als üblich sogar, denn am Ende könnte ein Rudel grauer Mäuse das Establishment gehörig aufscheuchen: sollten beispielsweise Augsburg, Aue und Fürth Einzug in die Eliteklasse halten, dagegen mit Bremen, Wolfsburg und Stuttgart gleich drei von fünf Ex-Meistern der jüngsten Dekade in Liga 2 abtauchen. Soviel Götterdämmerung der Platzhirsche war selten − das hat natürlich was.

Es hat das, was die modernen Sportkaufleute ebenso stereotyp wie seltsam steril gesteigerte ‚Emotionen’ nennen, oder auch ‚Emotion pur‘; also Hoffen, Beten, Bibbern bis zum Abpfiff (sog. reine ‚E.’), dazu ca. das gleiche Maß an Häme, Wut, Missgunst (weniger reine ‚E.’) plus zwischendurch das mediale Futter für den versierten Voyeur (in der Regel gemischte ‚E.’). Ein bisschen philosophischer gewendet, hat es vor allem zweierlei: das schöne Versprechen einer besseren Gesellschaft (‚Aufstieg ist machbar!’); und die doch etwas hässliche Drohung, dass dafür immer welche dran glauben müssen (,Absteiger weg da!’). So gesehen trägt die Versuchsanordnung der Liga − wir hier sind heuer aus dem Schneider und dürfen das ohne Weicheiverdacht jetzt ruhig mal sagen − durchaus ihre sadistischen Züge. Man könnte sich das alles ja auch etwas anders vorstellen, reformpädagogischer gewissermaßen: nach dem Motto, Gladbach, Wolfsburg, Stuttgart, die haben doch alles getan und gegeben und probiert, Trainer ausgewechselt, viel Geld verbrannt, sogar einen Fredi Bobic bezahlt oder einen Dieter Hoeneß, ab und zu sogar schön gespielt und halt öfters nur Pech gehabt, die dürfen drinbleiben, hamm’ sie sich verdient; und Bremen und Kaiserslautern natürlich sowieso. Spielen halt nächste Saison mal 21 Teams, was soll’s.

Will man sich lieber nicht vorstellen? Okay, hat natürlich was Windelweiches, hieße ja, dass die Schlechteren immer noch gut genug sein können. D a s  geht schon mal gar nicht, weil krasser Widerspruch zur Gaußschen Normalverteilung, vulgo Glockenkurve und heiliges Prinzip quasi in allen Lebenslagen, wonach es stets einen Ersten zu geben hat, gefolgt von viel Mittelmaß und am Ende eben dem Loser. Drum sind die Liga-Regularien da unerbittlich, was man dann schärfer noch daran erkennt, Vorbild Sport!, dass es auch dies niemals geben darf: gleich gut oder auch gleich schlecht – wo käme man da hin! Unser Praktikant Philipp, durch die Gnade seines späteren Dienstantritts um die Tipperei herumgekommen und als BVB-Anhänger ohnehin reich beschenkt, hat’s gegoogelt: Selbst wenn zwei Teams punkt- und torgleich sind, wird ein Ranking erzwungen, step by step und rigoros nach den Kriterien: Tordifferenz − Zahl der erzielten Tore − Gesamtergebnis aus Hin- und Rückspiel im direkten Vergleich − Anzahl der auswärts erzielten Tore im direkten Vergleich − Anzahl aller auswärts erzielten Tore. Und sind dann immer noch beide gleich? Hat eben ein Entscheidungsspiel stattzufinden, auf neutralem Platz. Das brauchte es in 48 Bundesligajahren zwar noch nie, die Fans unserer gefährdeten Platzhirsche wissen jetzt aber schon mal Bescheid: Pardon wird’s keines geben!

Beim Tippspiel sind harte Bandagen tabu, dafür konnte sich diesmal manche/r fast tänzerisch noch oben spielen, allen voran Volker Goll von 53 auf 8 und auch Charly Hörl hätte die Top-10 beinah geschafft (von 53 auf 11); über die Kehrseite, eine Serie schwerer bis schwerster Abstürze, decken wir das Mäntelchen des Schweigens, schon im eigenen Interesse. Ganz oben behauptet sich Leon Gassner, doch die Luft wird dünner. Auf den Fersen sind ihm Fritz Höfler (4 Punkte dahinter) und Oliver Fritsch (8 zurück) vor der weiteren Top-10-Phalanx mit Jürgen Kaube, Nicole Selmer, Paul Joschko, Jürgen Sigwart, Manfred Lämmer und Martin Haltermann.

Und auf vielfachen Wunsch – „warum steht mein Name eigentlich nie im Rundschreiben? schon seit Jahren nicht!“ – sind wir heute mal nicht so, nein, wir distanzieren uns hiermit sogar ausdrücklich von jeder zwanghaften Verfahrensgerechtigkeit (‚genannt werden nur die Top-10 und besondere Überflieger‘) oder rigiden Hierarchisierung Marke Ligaverband, und setzen ein Zeichen. So, jetzt einfach mal Augen zu, das Mausrädchen über die Tabelle sausen lassen, und aha, da kommt‘s zur Ruhe: Position 44 – Arnd Zeigler! 9 Plätze verbessert, Schnitt von 72,33, und als alter Werderaner ansonsten schon genug gebeutelt. Mehr Reformpädagogisches dieser Art künftig dann vielleicht in unregelmäßiger Folge …

 

 Das Tipper Ranking nach dem 23. Spieltag zum Download (pdf, 58 KB)

 

Wir melden uns wieder mit der Auswertung zum 25. Spieltag, um den 9., 10. März.
Soviel einstweilen, mit sportlichen Grüßen aus der Noris !

Ihr

 

tippwart joschko