Bundesliga-Tipp Spieltag 23: Die Stinkstiefel-Theorie und neue Doppelspitze Wagner-Gaßner

Geht es nach der Stinkstiefel-Theorie, werden sich in dieser Saison die störungsfreien Kollektive durchsetzen - egal ob in Liga 1 oder 2. Schlechte Karten also für Großklubs wie Bayern, Frankfurt oder Düsseldorf. Im Tipp aber gibt es mit Ali Wagner und Dieter Gaßner eine neue Doppelspitze - ganz ohne Stinkstiefelei.

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur

Akademie Bundesliga-Tipp 2011/2012: Der Stand nach Spieltag 23


Liebe Tipperinnen und Tipper,

zwei Drittel der Saison sind gespielt, und ja, das hat schon was: Eine ganze Halbserie lang verlor Borussia Dortmund kein Ligaspiel mehr. Die letzte Schlappe datiert auf den 6. Spieltag am 18. September 2011 (1:2 in Hannover). Seither holte der BVB aus 17 Spielen insgesamt 45 Punkte (14 Siege, 3 Remis, 43:9 Tore bei zuletzt 7 Siegen in Folge) – und konnte im direkten Vergleich zum FC Bayern 12 Punkte gutmachen. Lagen die Bayern nach Spieltag 6 und 15 Punkten noch acht Zähler vor den Dortmundern, sind sie jetzt vier zurück. Denn der FCB kassierte im selben Zeitraum vier Niederlagen: genau vier mehr als die Schwarzgelben.

Bleibt die Frage, ob der BVB das durchhalten kann. Ob sie in den letzten Spielen nicht schon ein wenig am Japsen waren? Ob der FCB eben nur einen schwachen Start in die Rückrunde hatte, der aber längst nicht so schwach war wie der Start der Dortmunder in der Hinrunde (der BVB damals in den ersten sechs Partien: 2 Siege - 1 Remis - 3 Niederlagen; FCB jetzt: 3 S – 2 R – 1 N)? Klar scheint, dass die Bayern nun sofort eine Gegenoffensive zustande bringen müssten. Nach dem 2:0 über Schalke hofft man sehr auf Schnellheilung und eine erfolgreiche Aufholjagd. Dagegen spricht die fast schon unheimliche Dortmunder Konstanz, vor allem aber: die Stinkstiefel-Theorie.    
Ihren Charakter zeigt eine Mannschaft schließlich dann, wenn’s brenzlig wird. Da aber stellten die Bayern zuletzt ziemliche Defizite zur Schau. Ob beim 0:0 in Freiburg und dem 0:1 in Basel: festgefahren im van Gaal’schen Schema vom totalen Ballbesitz, trudelte man in 35 oder 55 Meter-Radien um den gegnerischen Strafraum, so ausdauernd uninspiriert, dass eine Handballmannschaft wegen Zeitspiels zigfach zurückgepfiffen worden wäre. Ohne Präzision, Finesse und Explosivität im Passspiel degeneriert der Fußball Marke Barça zum sinnfreien Kreisläuferspiel, auf der Suche nach Erklärungen muss man sich dann die Parole „Ohne Schweini taugt ihr alle nix!“ gefallen lassen. Das zerrt an den Nerven, besonders, wenn dazu noch das Verteidigen eingestellt und der kleine Lahm gegen einen Lackel wie Streller beim Kopfball am Fünfer öfters mal alleine gelassen wird. In solchen Situationen wäre mannschaftliche Geschlossenheit gefragt. Beim FC Bayern dagegen scheint gerade dann die hohe Zeit der Stinkstiefel zu sein, allen voran die zwei famosen Flügelzwillinge Robbery. Abwinker und Mimose, Handschlagverweigerer, Diva oder Primadonna, Motzer, Querulant, Rechthaber, alle miesen Rollen sind besetzt. Und wenn Ribéry gegen Schalke wieder trifft, jubelt er lieber mit seinen Kumpels auf den Rängen als mit denen auf dem Rasen.

Die Gewissheit, dass sich das große Geld irgendwann immer selbst ins Knie schießt, zählt offenbar zum romantischen Kern des Fußballs. Und vielleicht sogar zu seinem wesensgemäßen Hang zu Anarchie und Umsturz. Die Aufrüstung mit Stars und Großverdienern jedenfalls ist kein Dauerabo für Erfolg – und besonders hinderlich, wenn der Erfolg mal eine Weile ausbleibt. Mit einem Plus an mannschaftlicher Harmonie (und Spielkultur) geht es jedenfalls auch. Das haben die Dortmunder in den letzten beiden Jahren bewiesen und das zeigen diese Saison die Gladbacher, sogar mit Titelchancen, falls sie bei dünner Personaldecke den Ausfall eines ihrer Schlüsselspieler, des jungen Offensiven Patrick Herrmann, wegstecken können. Die eher Diven-lastigen Schalker (Farfan, Raúl, Huntelaar) dann dafür wieder nicht ganz so: Nach den Pleiten gegen Gladbach und Bayern bewerben die sich vehement nur noch um Platz vier.
Auch beim hoch dramatischen Aufstiegsrennen in Liga 2 – an der Spitze gleich sechs Vereine nur zwei Punkte auseinander, sofern die Münchner Löwen ihr Nachholspiel gewinnen sollten – könnte es am Ende zu einem tränenreichen Stechen kommen zwischen Großem Geld und Großem Teamgeist: die ärmeren, aber weitgehend Stinkstiefel-freien Teams von Fürth, St. Pauli und Paderborn gegen die eher mit Querulanten durchsetzten Großklubs aus Frankfurt (Veh), Düsseldorf (Rösler) und München (der Scheich). Wir sind gespannt!

Und damit zu unserem Tippspiel. Seit Spieltag 21 ist es richtig rund gegangen, 13 von 20 Klubs notieren anders, auf insgesamt 25 Punkte addieren sich die Rochaden – vorwiegend wieder solche der unerwarteten Art. Effekt: Wer in dieser Runde nichts verloren hat, hat schon gewonnen. Die meisten Punkte wettmachen konnte da vermutlich der München-verliebte Exotentipp von Minx Pohler – Motto: je nördlicher, desto schlechter –, der vom kollektiven Vorrücken der Südvereine Augsburg, Nürnberg, Hoffenheim, Stuttgart, Mainz profitierte. So bleibt der Tipp zwar weiterhin auf dem 160. und letzten Platz, konnte die Distanz zum Vorletzten aber immerhin auf 35 Zähler verringern. Echte Umwälzungen gab es dafür ganz vorn, gleich fünf Newcomer schafften es (z.T. zurück) in die Top-10. Der größte Satz, von Platz 45 auf 8, gelang dabei dem Doppel Andrea Dürr & Anja Lämmel, und in gewisser Weise sind die beiden sogar moralische Spitzenreiter, oder zumindest: die Besten bezogen auf die Bundesliga. Dummerweise haben sie halt Rostock auf die 3 gesetzt, statt auf 13 oder 14 wie die meisten ihrer Konkurrenten um die Tipp-Krone. Ganz oben kam es zum Sturz des Führenden – Thorsten Brüggemann jetzt auf der 11 –, an seiner Stelle sonnt sich nun die neue Doppelspitze mit kicker-Onliner Ali Wagner und dem wiedererstarkten Dieter Gaßner. Den beiden dicht auf den Fersen sind Michael Enderlein (Newcomer), Andreas Schade, Markus Schroth, Harald Kaiser (back again), die Newcomer Jürgen Rollmann, Andrea Dürr & Anja Lämmel und Manfred Münchrath sowie der weiter hartnäckige Wolfgang Laaß.

 Der Zwischenstand nach Spieltag 23 (pdf, 72 KB)

Soviel für heute, wir melden uns Mitte März dann wieder mit der Blitztabelle nach Spieltag 25.
Mit sportlichen Grüßen aus der Noris !
Ihr

tippwart joschko