Bundesliga-Tipp Spieltag 21: Das große Gähnen

Alles verläuft nach Plan, und über allem thront der FC Bayern. Selbst Dortmunds jüngste Pleite könnte sich als Puzzlestück in einem größeren Plot heraustellen. Derweil können Budde Thiem und Dieter H. Jütting ihre Spitzenpositionen in der Tabelle verteidigen.

Akademie Bundesliga-Tipp 2012/2013: Der Stand nach Spieltag 21

Liebe Tipperinnen und Tipper,

mal ehrlich, die älteren Semester werden sich erinnern, es hat auch schon aufregendere Fußballwochenenden gegeben. Heute? Muss schon der Heilige Vater ran, wenn’s ein Überraschungscoup sein soll. Nach rund 800, 900 Jahren mal wieder ein freiwilliger Rückzug des Pontifex maximus, also ante mortem, kurz vorm Ende immerhin. Ist in der Bundesliga natürlich nicht dran zu denken. Nicht solange die Kirche des FC Bayern fest auf Fröttmaninger Boden steht, und der Fels, auf dem sie baut, nicht wankt und weicht. Bis zum letzten Hoeneß-Schnaufer könnte das dauern, und auch die Nachfolge sollte geregelt sein. Kardinal Sammer steht als Oberhaupt bereit, wenn es gilt, die reine Lehre über die Zeit zu retten – das Evangelium von der ewigen Bayerndominanz.  

 

Gut, 15 Punkte Vorsprung bei 13 ausstehenden Spielen, das hat was Überirdisches. Nötigt Respekt ab, genauso wie es zum Gähnen reizt. Die Dortmunder Borussen können daran heuer auch nichts ändern, nicht mit ihren hohen Siegen zu Beginn der Rückrunde, und auch nicht mit Kanter-Niederlagen zuhause. Denn das 1:4 gegen den HSV war im Duktus dieser Saison bestenfalls eine Scheinüberraschung. Die Schwarzgelben schonen sich eben für die Champions League, und das ziemlich konsequent und vor allem: v o r  den großen europäischen Spielen. Beispiele gefällig? Die 1:2-Heimklatsche gegen Schalke vier Tage vor dem 2:1-Sieg über Real Madrid. Dann das Heim-0:0 gegen Stuttgart drei Tage vor dem 2:2 bei Real. Und gegen den HSV? Verlieren sie halt immer, vor und nach den Champions League-Spielen, in der Hinrunde 2:3 ein paar Tage nach dem 1:0-Auftaktsieg über Ajax, und jetzt ein paar Tage vor der Reise zum Achtelfinale nach Donezk, satt mit 1:4.  
Überraschend gut sind weiterhin nur die Teams von Frankfurt, Freiburg und Mainz – Preisfrage: Könnten Sie aus dem Stand jeweils vier, fünf Stammkräfte nennen? –, überraschend matt die von Schalke und Stuttgart, sowie nicht ganz so überraschend noch matter die Hoffenheimer und Wolfsburger – deren eigentlicher Coup dann darin läge, den Abstieg trotzdem nicht verhindern zu können. Den vielen Zukäufen und Bonus-Millionen zum Trotz.
Die wichtigsten Segmente der Tabelle aber scheinen vorsortiert zu sein, oben wie unten. Ein bisschen Restaufregung wäre noch aus dem Gerangel um die Europa League-Plätze zu saugen. Und aus der Hoffnung, dass der BVB vielleicht noch ein paar Körner übrig hat für das Pokalspiel Ende Februar bei den Bayern.

Muße genug jedenfalls, um ein paar abseitigere Betrachtungen anzustellen, zum Beispiel:
Wie schaut’s eigentlich aus mit der Relation von Karrieren auf dem Rasen und der Laufbahn danach, abseits vom Platz? Stefan Kießling ist mit seinem Treffer gegen Gladbach bekanntlich in den erlauchten 100er-Klub der Bundesliga-Torjäger aufgestiegen, und rangiert dort aktuell auf Platz 49. Schauen wir uns nun die Top-Ten dieser Liste an, und die etwas genauer (darunter im Moment kein Noch-Aktiver, nur Claudio Pizarro mit 160 Toren auf dem Sprung), dann muss man sagen: Hoppla!, so ein Torjäger hat offenbar Qualitäten, die über den Tag hinaus reichen. Immerhin vier von zehn Torjägerlegenden bekleiden bis heute herausgehobene Positionen in der Branche – Jupp Heynckes (Platz 3, 220 Tore), Stefan Kuntz (6., 179), Klaus Allofs (7., 177) und Karl-Heinz Rummenigge (10., 162). Damit sind die Torjäger auch nach ihrem letzten Treffer deutlich zielstrebiger als etwa ‚unsere‘ Rekordnationalspieler. Unter deren Top-Ten waren nur Franz Beckenbauer (Platz 6 mit 103 Spielen) und Jürgen Klinsmann (3., 108) auch nach der Spielerkarriere noch auffallend erfolgreich.

Beide Listen freilich werden angeführt von Typen, für die ein Spielerleben im Grunde schon mehr als genug ist: bei den Torschützen von Gerd Müller (365 Tore) und Klaus Fischer (268), bei den Nationalspielern von Lothar Matthäus (150 Spiele) und Miroslav Klose (126).  


Die Überraschung beim Tippspiel ist nun: Obwohl sich die Positionen zuletzt um insg. 25 Zähler verschoben haben – maximal bei Schalke (von 6 auf 10), VfB (11 auf 14) und Freiburg (von 8 auf die 5) –, gibt es in der neuen Tabelle kaum Überraschungen. Es führen weiterhin gleichauf mit jetzt je 64 Zählern Budde Thiem und Dieter H. Jütting, zwei Punkte vor Alexander Sobotta. In den weiteren Top-Ten tauchen zwei Rückkehrer auf, Christina Müller und Knut Reinhardt (je 5.), ansonsten auch auf den Plätzen lauter alte Bekannte: Christoph Zitzmann, Andrea Gaßner, Hartmut Lehfeld, Klaus Farschon, Peter Hautmann und Sandra Finck. Und alle ganz eng beinander …

 Der aktuelle Stand  der Tipp-Tabelle:

 Das Ranking nach dem 21. Spieltag

 

Die nächste Auswertung folgt nach dem 23. Spieltag, Ende Februar.  (zuvor und schon morgen, 20.45 Uhr, Champions League, in einem der zahllosen (8) Achtelfinals, die, über zahllose Wochen (5?) hinweg gestreckt, bereits eines der zahllosen (8? 16? 24?) vorweggenommenen Endspiele bietet: Real Madrid - Manchester United; umschmeichelt von sanften PR-Tönen: „Das Spiel, auf das die Welt wartet.“ (Mourinho), „Hier treffen die größten Klubs der Welt aufeinander.“ (Ferguson))


Soviel für heute,
Helau!, Alaaf! & sportliche Grüße aus der Noris!
Ihr

tippwart joschko