Bundesliga-Tipp Spieltag 19: Der Keller der Liga

Willkommen zur zweiten Halbzeit der 50. Bundesligasaison! Eine aktuelle Frage ist, ob Fußballzwerge heute noch schön sein können. Keine Frage stellt sich an der Spitze unseres Tippspiels: Es führen gleichauf Tipp-Altmeister Budde Thiem und Saison-Schnittbester Dieter H. Jütting.

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur

Akademie Bundesliga-Tipp 2012/2013: Der Stand nach Spieltag 19

Liebe Tipperinnen und Tipper,

2013 kommt voran, der Schnee verwässert und in der Bundesliga rollt der Ball. Überragend schon beim BVB und Ilkay Gündogan, dem wenig fehlt zu Iniesta, dem Zweiten; souverän weiterhin beim FCB, sehr passabel auch bei Bayer 04, der Frankfurter Eintracht, bei Mainz 05, Gladbach oder dem SC Freiburg. Seit dem Jahreswechsel sind auch die Fans wieder ganz bei der Sache, von 00:00 an – herzlich willkommen zum zweiten Teil dieser 50. Bundesligasaison!

Zum Thema Vorentscheidungen schauen wir heute in Keller der Liga. Dort ist die Lage bitter, und die Medien-Häme groß. Fürth, Hoffenheim und Augsburg, von den ‚Trostlosen Drei‘ ist die Rede, und well, der Abstand zum rettenden Ufer ist in der Tat gehörig. Ziemlich pauschal und nicht ganz fair sind die landesweiten Schmähungen trotzdem. Aber sie zeigen Wirkung. Im Fürther Ronhof z.B., dort gab’s nach der jüngsten 0:3-Pleite gegen Mainz 05 erstmals Pfiffe. Gerald Asamoahs charakteristischer Sturz-Stil bei Ballannahme, seit Jahrzehnten bekannt, war plötzlich verpönt, und sogar die ersten Büchsenspanner in den Medien und auf der Tribüne zielen auf Aufstiegstrainer Mike Büskens. Kaum sechs Monate ist es her, da hatten sie ihren Mike noch alle auf Knien angebettelt, bloß weiterzumachen (und die Familie im Pott doch bitte noch ein Weilchen zu vernachlässigen).

Fürth ist nicht nur der jüngste Standort der Liga, er ist auch der kleinste: 116.000 Einwohner. Freiburg (230.000), Mainz (200.000) oder Augsburg (267.000), sie alle sind deutlich größer. Sogar Leverkusen (162.000) und Wolfsburg (123.000), und die haben dazu noch ihren Global Player, in der Stadt, im Stadion und auf der Bank. Bliebe Hoffenheim. Zählt aber nicht, weil mehr Millionen an Euros als an Einwohnern, und damit spielt man eben in einer ganz eigenen Liga. Ändert aber alles nichts daran, dass in Fürth neuerdings die Angst umgeht, die Angst vor der großen Blamage. Das Gespenst hat einen Namen, es hört auf SC Tasmania 1900 Berlin, die Bundesliga-Negativrekordler der Saison 1965/66: 2 Siege, 4 Remis, 28 Niederlagen bei 15:108 Toren. So wollen sie in Fürth nicht enden, nein, nur DAS BITTE NICHT!

Das Problem ist, dass nur die Wenigsten heute ‚small‘ tatsächlich noch ‚beautiful‘ finden können. Die Fans außerhalb der Stadt nicht, und die Vermarkter und Nutznießer der Liga schon gar nicht. Und leider nicht einmal die Fans in Fürth selbst (außer vielleicht Kleeblatt-Präsident Helmut Hack, der damit lange Jahre goldrichtig lag). Das andere Problem ist nämlich, dass die SpVgg in der letzten Saison die höchsten Erwartungen geweckt hat: gegen Überflieger Dortmund im Pokalhalbfinale erst in der 120. gestoppt, die zweite Liga hochklassig gemeistert vor Frankfurt und Düsseldorf. Da sollte doch ein Platz nah an den Champions League-Rängen drin sein, der vierte z.B., dort wo heute die Eintracht steht.

Diese Träume sind geplatzt, wie so oft im Fußball lag Manches an Kleinigkeiten, am Spielplan und ein paar Schiri-Entscheidungen, an Latte, Pfosten, Verletzungen, Unerfahrenheit und ein paar Fehleinkäufen. Blöd gelaufen eben, ein paar gute Leistungen ohne Lohn, und dann auch schon: die große Verunsicherung, der kollektive Krampf und viel zu viele Endspiele schon vergeigt. Vor allem aber lag’s daran, dass Fürths Erstligasturm schwächer ist als der zuletzt in Liga 2; den Abgang von Olivier Occéan hat man nie kompensieren können (dass Occéan in Frankfurt versauert, ist wieder eine ganz andere Geschichte). Fragt sich warum?, und dabei fällt auf: Seit ein paar Wochen erst leistet man sich in Fürth einen Sportlichen Leiter, Rouven Schröder (Rouven who? Genau, in Bochum oder Lübeck erinnert man sich vielleicht noch an den Verteidiger Schröder, in Nürnberg an den Spieler-Scout). Nach dem Weggang von Rachid Azzouzi zu St. Pauli meinte man jedenfalls, die Bundesliga auch ohne zu schaffen. Ging leider schief.

Andererseits, absteigen müssen jedes Jahr ja mindestens zwei, enges Rennen jedesmal, und schaut man sich die panischen Anstrengungen der Konkurrenz an – dann hat Fürth doch Vieles richtig gemacht. Augsburg? In dieser Saison zwar noch den ersten Trainer, aber inzwischen schon den dritten Sportchef. Hoffenheim? Den dritten Trainer und den zweiten Sportchef (von den millionenschweren Wintertransfers ganz zu schweigen). Und erinnern wir dann schnell noch an Wolfsburg, bis vor kurzem tief drin im Schlamassel, dann kommen wir ebenfalls auf drei Trainer und zwei Sportchefs, mit Star-Ablösen für Allofs und Hecking samt monströsem Kader und unappetitlich aufgedotterten Spielerhonoraren.

Financial Fairplay? Ach ja.
(mit all dem VW-Geld hat Wolfsburg übrigens aktuell grad mal 9 Tore mehr geschossen als Fürths Sturm, der schwächste der Liga; und die Wölfe-Abwehr hat 29 Tore kassiert, statt der 33 von Fürth; Schießbude Hoffenheim sogar: 43; und der Bogen ließe sich beliebig weiter spannen, hin z.B. auch zum ebenso ambitionierten wie schwer verschuldeten HSV, der sonst wohl eher ein Abstiegskandidat wäre …).

Klar, wer früher stirbt ist länger tot, das kann schon wehtun. Doch sie sollten sich nicht verrückt machen lassen, die Kleeblätter. Wichtiger wäre es doch, dem Schicksal von Tasmania 1900 zu entgehen. Die konnte sich nämlich von ihrem Bundesligaabenteuer 1965/66 nie mehr erholen, Konkurs und Auflösung 1973. Und selbst die sportliche Schreckensbilanz der Tasmania sollte zu übertreffen sein. 15 Runden vor Schluss fehlt da nur noch ein Sieg (und den am besten mal daheim), denn sechs Unentschieden hat man schon. Und am Ende könnte man es ja wie ein paar andere, besonders lernfähige ‚Kleine‘ machen, wie Mainz oder Freiburg beispielsweise: eine Etage tiefer Wunden lecken, Fehler überdenken, Strukturen verbessern – und dann wie Phoenix aus der Asche … oder wie der Franke sagt: Du di ned oh! (sinngemäß in etwa: Bloß nicht unnötig aufregen, Bangemachen gilt nicht!)


Und damit zum Tippspiel: Hier waren seit der Winterpause insgesamt (nur noch) 16 Punkte neu zu vergeben, für den größten Ausschlag sorgte der SC Freiburg (durch zwei starke Remis runter von Platz 5 auf 8). Dem Herbstmeister bekam das alles gar nicht gut (jetzt auf der 16), unserer neuen Doppelspitze dagegen sehr:
Es führen jetzt gleichauf mit je 57 Zählern Tipp-Altmeister Budde Thiem und der Saison-Schnittbeste Dieter H. Jütting mit vier Punkten vor Andrea Gaßner, jüngster Spross der gefürchteten Erlanger Tipper-Dynastie der Gaßners (oder auch Gassners). Auf den weiteren Top-Ten-Plätzen folgen dicht auf Alain Sutter, Alexander Sobotta, Christoph Zitzmann, Hartmut Lehfeld, Klaus Farschon, Peter Hautmann und Sandra Finck.
Und wer hier eben nicht dabei war, sollte sich nicht gleich grämen. Denn wenn nicht alles täuscht, steckt in der Ligatabelle für das Tippspiel-Finale noch eine Menge Musik: Die Plätze 5 (Mainz) bis 15 (Club) liegen schließlich nur ganze 9 Punkte auseinander.

 

Der aktuelle Stand  der Tipp-Tabelle:

 Das Ranking nach dem 19. Spieltag

 

Die nächste Blitztabelle kommt dann nach dem 21. Spieltag, so circa zum Faschingsfinale.  
(zuvor und gleich heute, 21 Uhr: El Clásico, der nächste, Real Madrid - FC Barcelona, Hinspiel im spanischen Pokal-Halbfinale, live und gratis auf www.laola1.tv)


Soviel für heute, mit sportlichen Grüßen aus der Noris !
Ihr

tippwart joschko