Bundesliga-Tipp: Spieltag 15

Ein Samstagnachmittag im Fürther Ronhof- und vor lauter Sicherheitsgedöns in Medien und Stadien darf man sich jetzt schon mal fragen: Wo sind wir hier eigentlich! Urwald, Häuserkampf, Bürgerkrieg, oder was? Auch in unserem Tippspiel hat sich einiges getan. Das Mittelfeld der Ligatabelle ist eben eine ganz enge Angelegenheit, in der schnell was ins Rutschen kommen kann: von der Acht hoch auf Platz 1 diesmal Klaus Farschon, herzlichen Glückwunsch nach Erlangen-Uttenreuth!

 

Akademie Bundesliga-Tipp 2012/2013: Der Stand nach Spieltag 15

Liebe Tipperinnen und Tipper,

es sind gefährliche Zeiten in der Bundesliga, brandgefährliche!, letzten Samstagnachmittag zum Beispiel im Fürther Ronhof. Wo man hinschaut, wo man hinhört, Gewalt, Gewalt, Gewalt. Eine einzige Orgie, anders ist es nicht zu sagen. Geht schon mal los mit dem Riesentransparent, das die SpVgg hochoffiziell an die Außenseite der alten Tribüne pinnt: „Ich sehe was, was ich nicht will“, ganz in gruseligem Grau-Schwarz, da ist man schon mal eingestimmt. Außen Frost und innen frösteln.

Dann auf dem Weg zum Block 4, Zeit wird’s, 15.28 Uhr!, ein Pulk grünweißer Gestalten, schrecklich anzuschaun, und, nein, gehen eben nicht rein in ihren Krawallmacherblock, nein, die lungern lieber rum, und stehen einem im Weg. Aber bitte, endlich, Jetzt Geeht’s Looo-hoos!, hm, komisch, geht’s denn los?, klar rollt der Ball, fühlt sich aber eher an wie im Urwald: Wenn alle harmlosen Tierchen plötzlich den Atem anhalten, kurz bevor das Urviech dann durchs Dickicht bricht. 12 grauenvolle Minuten und Sekunden lang. Gespenstisch das, und bitte, da schon wieder, auf den Banden rings um Spielfeld der nächste brachiale Slogan: „Gewalt ist kein Spiel“!, unterbrochen nur von einer Art Gegenreklame, die vermutlich beruhigen, uns in Wirklichkeit aber nur einlullen soll, „Ich-fühl-mich-sicher.de“. Mit andern Worten, Alarmstufe Rot.

Und kaum geängstigt, schon donnern sie, die Schlachtgesänge.
„H i e r  r e g i e r t  d a s  K l e e b l a t t  F ü r t h!“, jetzt wissen wir, was die Stunde geschlagen hat. Wie lange noch, bis Blut fließen wird? Kleeblatt-Tyrannen, seit jeher sind sie für ihre Gnadenlosigkeit gefürchtet, frag nach bei Cäsar, Kinski, Django oder den Klitschkos. Und da, hingehört, kann das sein, ist das denn erlaubt? „Dass wir vom Ronhof sind, das weiß ein jedes Kind. W i r   r e i ß e n   B ä u m e  a u s,  w o  k e i n e  s i n d.“ Man hat’s die ganze Zeit geahnt und kommen sehen, die letzten Dämme, sie brechen. Und die Apokalypse naht. Muss man noch groß an den stadioneigenen Teeladen erinnern, wo sich die Meute vor dem Spiel regelmäßig den letzten Kick besorgt?
Nur ein Wunder hat am Ende wohl das Schlimmste verhindern können. Eine gutgemeinte Bosheit des Fußballgotts, wenn man so will. Denn als hätte sich alles gegen sie verschworen, wurden die Fürther Hools (Hooltras?) nicht nur bis aufs Blut gereizt , nein, sie sind gleich völlig ausgeblutet. Gewusst wie: Das Stuttgarter Tor 17 Mal weit aufgemacht, aber hast du nicht gesehen, im entscheidenden Moment stets zugeklappt. Für Fürth Pfosten, Latte, Tralala, für den VfB eineinhalb Gelegenheiten, mit Elfer verschossen, doch Nachschuss drin, mit Rot für Tasci in der 53., doch Fürths Scheibenschießen konsequent als Knallfrosch entlarvt. Und damit ab auf den 18. Platz, das sitzt. 

Man muss das jetzt verstehen, aber bitte, auch nicht gleich falsch interpretieren: Trotz bester Vorsätze, idealer Vorzeichen und aller Bereitschaft zur Gewalt, das  k a n n  schon mal passieren. Dass der Gewalt der Zahn gezogen wird in so einem Spiel, und dass dann halt gar nix mehr geht mit Randale. Nicht mal bei der guten Hundertschaft von siegreichen VfB-Anhängern, die erst eine halbe Stunde nach dem Spiel aus ihrem Block durfte und, dem Frieden war natürlich nicht zu trauen, eskortiert von einer knappen Hundertschaft der Polizei, Richtung Innenstadt trottete. Lautlos, lustlos, angelascht. Doch wie gesagt, nicht falsch verstehen: das Gewalt p o t e n z i a l, das ist bestimmt da, und jederzeit wach und gefährlich. Ganz bestimmt. Sonst bräuchten wir am Ende ja überhaupt kein neues und endlich auch „Sicheres Stadionerlebnis“, das uns allen am 12. Dezember von der DFL mit freundlicher Unterstützung von Politik und gewerkschaftlichen Kräften innerhalb der Polizei beschert werden soll. Halleluja. 

Damit wollen wir uns schnell noch einigen ernsthaften Themen zuwenden: beispielsweise dem 1:1 im Spitzenspiel der ‚Gentlemen-Spieler‘ vom FC Bayern und den Dortmunder Borussen (nicht mal eine Gelbe, die einen weiter ungefährdet in der Liga, die andern weiter unbesiegt vom FCB), dem Herbstmeister in der zweiten Liga, Eintracht Braunschweig (mit 40 Punkten auf eindrucksvollem Rekordkurs), dem bislang einzigen noch ungeschlagenen Team in Liga 1 und 2, dem 1. FC Kaiserslautern (den es am letzten Hinrundenspieltag dann doch noch erwischt hat, unverdient, aber eben am Millerntor) oder dem bekennenden Tattoo-Trainer Markus Babbel, der Hoffenheim hinter sich hat und als zweiter Rauswurf dieser Bundesligasaison nach Felix Magath in die Geschichte eingeht (mit einer Abwehr, die in 15 Partien 36 Gegentore zugelassen hat, immerhin 10 mehr als die beiden abgeschlagenen Schlusslichter Augsburg und Fürth).

Auch was den Tipp angeht, hat sich wieder einiges getan. Das Mittelfeld der Ligatabelle ist eben eine ganz enge Angelegenheit, in der schnell mal was ins Rutschen kommen kann: So rückte der VfB seit dem 13. Spieltag um 5 Plätze nach oben (auf 7), Hannover büßte 4 Plätze ein (jetzt 12.) und Freiburg sogar 5 (runter auf 11). Unterm Strich rechnen sich die Veränderungen auf zusammen 32 Punkte, eine Menge Holz – und am besten erwischt hat die Welle diesmal, von Platz 8 hoch auf die 1 –
Klaus Farschon, herzlichen Glückwunsch nach Erlangen-Uttenreuth!

Er ist damit nach fünf Auswertungen schon unser fünfter Spitzenreiter, doch vergleicht man das Schicksal der VorgängerInnen, dann könnte es sich um einen rechten Schleudersitz handeln dort oben: Die vier Ex-Leader notieren aktuell auf den Plätzen 5 und 11 (was ja noch ginge, dann aber kommt’s) sowie 94 und 152. Naja, sollte man sich seinen eigenen Coup vielleicht besser doch für den 34. Spieltag aufheben.

Auf Podestplatz 2 jedenfalls stehen heute
Alexander Sobotta, Andrea Gaßner und Peter Hautmann, dahinter folgen Annett Hänel, Christoph Zitzmann, Dieter H. Jütting, Gerhard Gassner, Hartmut Lehfeld und Patrick Kleinschmidt.

 

Die aktuelle Tabelle:

 Tabellenstand nach dem 15 Spieltag (pdf, 63 KB)


Soviel für heute, wir melden uns dann nach dem 17. Spieltag mit der großen Hinrundenbilanz, kurz vor Weihnachten noch.

Mit sportlichen Grüßen aus der Noris !
Ihr

tippwart joschko