Bundesliga-Tipp Spieltag 15: Einer kann uns vor der Quote retten!

Der Aufstand der Underdogs war gestern, heute schlägt das Establishment zurück. So ist tabellarisch alles im Erwartungshorizont, oder fast jedenfalls. Beweis: Der 'Oddset-Quoten'-Tipp rückt unaufhaltsam vor – und nur einer scheint uns vor der Quote retten zu können: Wolfgang Laaß, aktuell der alles überragende Spitzenreiter des Tipps.

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel
der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur


Akademie Bundesliga-Tipp 2011/2012: Der Stand nach Spieltag 15


Liebe Tipperinnen und Tipper,

stellen Sie sich das mal vor: Da grübeln 150, 160 Bundesligaexperten einen halben Sommer lang, wie es wohl ausgehen wird. Und am Ende gewinnt das Wettbüro. Das staatliche Wettbüro. Gegen uns! Obsiegt die banale Quotenerwartung gegen die ganze Schar von Freigeistern, Liebhabern und Tiefenverstehern der Liga. Nein, man mag es sich gar nicht ausmalen.

Bloß, dass es eben das Ende der Geschichte wäre. Alles eingependelt und nivelliert, austariert im stinknormalen Erwartungshorizont. Eine durchquotierte Ligawelt, der Fußball endgültig gezähmt, die letzte Anarchoenergie dahin. Einpacken könnten wir, alle miteinander. Und durchjauchzen dürften nur die Fans des ewig Gleichen und Vorhersehbaren, das Tippspiel aber wäre ohne Berechtigung und Existenz. Wo keine Überraschung, da kein Reiz. Das Totenglöckchen läutet, die Urne unseres einst so heiß Geliebten, des immer wieder Frischen, Neuen, überrumpelnd Attraktiven: verbuddelt im Hinterhof der DFL. Amen.    

Klarer Fall von Spätherbst-Blues, oder schon erste Anzeichen der Winterpausen-Depression? Möglich, doch die tatsächliche Bedrohungslage ist da. Und sie ist ernst. Das Tabellenbild ist zwar noch etwas schief, die Nachholpartie Köln - Mainz steht ja noch aus, doch im Jahr eins nach dem Aufstand der Underdogs schlägt das Establishment jetzt zurück, härter und unbarmherziger denn je. Beweis: Die ‚Oddset-Quoten’ rücken unaufhaltsam vor – zuletzt noch auf Platz 14, jetzt auf 8 und Podestplatz 3 schon in Reichweite. Die letzten Bastionen auf dem Weg zum Durchmarsch der Quoten sind aktuell noch Mönchengladbach (logo, um 10 Plätze unterschätzt), Wolfsburg und der FSV Mainz (8 bzw. 5 überschätzt). Wie lange aber werden die noch halten? Insgesamt 15 Punkte waren in dieser Auswertungsrunde seit Spieltag 13 zu gewinnen; oder auch zu verlieren. Oddset hat 5 davon geholt.

Gut deshalb, dass einer wenigstens dagegen hält. Der Typ(per) heißt Wolfgang Laaß, ist unser alter und neuer Spitzenreiter – und derzeit absoluter Überflieger, ja Hoffnungsträger. Bemerkenswert tief bei 38 Zählern lag er schon zuvor, jetzt konnte er sich noch einmal um 7 auf 31 verbessern. Ein Wert, der in der Neuzeit des Tippspiels – also im Zeichen der Akademie – ganz nah an der historischen Bestmarke liegt (die 30 konnten nur ein paar wenige Male unterboten werden). Auf Platz 2 und 5 Punkte dahinter rangiert der ‚11 Freunde’-Tipp, weitere 7 Zähler zurück folgt Jérôme Grad. Nur noch ganz knapp vor den Oddset-Quoten halten sich Moritz Rinke, Jan Welle, Andreas Schade und Thorsten Brüggemann, alle weiteren in den Top-10 mit Arnd Zeigler, Dieter Gaßner, Fadi Keblawi , Frank Willmann und Ludger Schulze liegen bei 48 Punkten und gleichauf mit dem Quoten-Tipp.

 Der Zwischenstand nach Spieltag 15 (pdf, 72 KB)


Und stimmt schon, wir haben eingangs doch arg schwarz gemalt. Sogar in der Welt des heutigen Fußballs gibt es ja nicht nur erwartbare Ergebnisse; wie jene, dass Nürnberg z.B. immer beim HSV verliert, und wenn sie dafür extra 20 Mal an den Pfosten schießen müssen; oder dass die Bayern nach zwei Niederlagen keine dritte kassieren, wenn’s eng wird nicht einmal gegen Werder; oder dass Wolfsburg nie gegen Mainz gewinnt, auch wenn sie diesmal nur mit 2:0 führen. Nein, wenn wir uns ein bisschen Mühe geben, dann erkennen wir durchaus auch Überraschendes. Mehr oder weniger jedenfalls:

·         Überraschend besetzt und zugleich überraschend hochklassig ist z.B. das Aufstiegsrennen in der zweiten Liga: Nach Abschluss der Vorrunde finden sich unter den fünf heißesten Kandidaten – neben den Daueranwärtern Frankfurt, St. Pauli und Fürth – gleich zwei Überraschungsteams, der SC Paderborn (13 Mal in Folge ungeschlagen) und allen voran Fortuna Düsseldorf, letzte Saison noch Siebter, jetzt 24 Mal ungeschlagen (seit dem 0:1 beim MSV Duisburg am 18.03.2011), auch im DFB-Pokal 2011/2012 noch dabei – und mit phänomenalen 41 Zählern neuer Rekord-Herbstmeister in Liga zwei. Weiterer Beleg für die Sonderklasse: Die aktuelle Tabelle hochgerechnet, käme Paderborn zum Saisonende auf 66 Punkte, und müsste als Fünfter trotzdem in die Röhre schauen – während Augsburg letzte Saison als Zweiter mit 65 Punkten noch direkt aufsteigen durfte.

·         Überraschend auch die Rücktrittsankündigung von DFB-Chef Theo Zwanziger zum Oktober 2012. Statt einer am Ende dann nur sechsjährigen Alleinpräsidentschaft hätte man da doch eher auf eine verbandsgeologische Ära in Blatterschen Dimensionen wetten mögen; oder zumindest in Putinschen.

·         Weniger überraschend dagegen das frühe Ende des Brasilianers Sócrates, Jahrgang 1954. Doktor Sócrates, der studierte Kinderarzt, der Renitente, der Radikaldemokrat und politische Wortführer, der große Elegante (192 cm) und Kapitän der Seleção bei den Weltmeisterschaften 1982 und 1986 war auf dem Platz ein Genius im Mittelfeld: »Fußball war für mich immer ein künstlerischer Ausdruck der Freiheit«, meinte er mal. Die Zigarette auf den Fotos war fast schon obligatorisch, auch da auf einer Linie mit James Dean, Alain Delon und Che Guevara. Nur die Macht des Alkohols, da kam Grönemeyers Warnung zu spät, die hatte er unterschätzt. Nach dem Fußball jedenfalls wurde es für Doc Sócrates mit Kunst, Freiheit und persönlicher Balance immer schwieriger. Muito triste.


Schließlich wäre es bei der EM in einem halben Jahr keine Überraschung, sollten in Gruppe B am Ende Portugal und Dänemark ausscheiden. Nach dem Uefa-Ranking jedenfalls nicht. Aber wer weiß. Womöglich fliegen ja auch die Holländer raus, zusammen mit den Deutschen – und sei’s auch nur, um der Quote mal eins auszuwischen.

Wir melden uns heuer dann noch einmal wieder, nach dem 17. Spieltag und mit der Halbzeitbilanz kurz vor Weihnachten.

Soviel einstweilen, mit sportlichen Grüßen aus der Noris !

Ihr tippwart joschko