Bundesliga-Tipp Spieltag 14: "Die Tabelle ist kalt und hässlich" (für die Meisten ...)

Ein Blick auf die Tabelle ist mitunter gar nicht so lustig. Im Gegenteil: Man kann sie sogar kalt und hässlich empfinden, wie zum Beispiel Stephan Schmidt, damals als neuer Trainer bei Energie Cottbus und dem Blick auf Platz 18. Und wie geht´s Ihnen heute angesichsts unserer Tipptabelle? Dort zeigt sich die Spitze weiter leistungsstark, und sie distanziert den Rest von uns deutlich. Allerdings: Auch die Abstände innerhalb der Top-Ten werden allmählich größer. Bemerkenswert: Bei sechs Saison-Auswertungen feiern wir bereits unseren fünften Spitzenreiter: Fedor H. Radmann!

Akademie Bundesliga-Tipp 2013/2014: Der Stand nach Spieltag 14

Rundschreiben zum Bundesliga-Tippspiel der Deutschen Akademie für
Fußball-Kultur

Liebe Tipperinnen und Tipper,

man könnte jetzt einfach weitermachen im Text, World Gone Wrong, ginge dann zum Beispiel so: Nelson Mandela letzte Nacht gestorben; die WM-Auslosung der Fifa verschanzt im Luxusressort am Traumstrand in Bahia. Oder die NSA, jetzt tatsächlich kurz und knapp vor der Erfüllung einer uralten Menschheitsvision: der vom Jüngsten Gericht. Dank milliardenfacher „Bewegungs-“ und, aufgemerkt!, „Beziehungsprofile“, täglich, destilliert aus den ungefähr 100 Milliarden Smartphones oder auch Dödelhandys zwischen Angola, Albanien, Afghanistan, Arkansas und der Antarktis. Das Auge Gottes, man ahnt es, es hat zwar einen etwas scheelen Blick, wird aber bald schon alle und alles sehen, und nichts davon je mehr vergessen. Genau deshalb tut die Deutsche Fußball Liga auch gut daran, noch ein Jährchen zu warten, bevor sie sich mit einer Steinzeittechnik wie Torlinien-Kamera oder TV-Videobeweis blamiert. Der NSA-Chip im Ball kann es besser. Unbestechlich und millimetergenau, für jede Bewegung vor, hinter oder auf der Linie, für jede Beziehung von Spielern, Schiris, Trainern oder Fans, rund um den Globus, ob im Maracana oder auf dem Paderborner Bolzplatz. Aber gut, lassen wir das. Es ist Advent, gehen wir‘s sprachlich mal etwas lockerer an. Mit Matthias Sammer zum Beispiel, der das immer so wunderbar drauf hat: »Die Dortmunder gehen so ein bisschen in die Rolle hinein, in der sehr stark die Mitleidsschiene gespielt wird«. Sprach‘s kurz vor dem 3:0 der Bayern kürzlich in Dortmund, im typischen Sammerdeutsch, das dann halt genau so klingt, wie er immer gespielt hat; recht verrumpelt, doch stets ein Kraftlackel vor dem Herrn. Gewohnt flockig und im Wortsinn locker vom (Sky-)Hocker dagegen der Sound bei Monaco Franze Franz Beckenbauer, dem Weltenkenner aus München-Giesing. Egal was auf dem Spiel steht. Arbeitsbedingungen in Katar? »Ich hab noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Also die laufen alle frei rum, weder in Ketten, gefesselt, und auch mit irgendwelcher Büßerkappe am Kopf, also das hab ich noch nicht gesehen.«

Bemerkenswert. Und im Laufe einer Saison sammelt sich natürlich so einiges an. Die Akademie klaubt das alles fleißig auf, schon heute, und verbunden mit dem Aufruf: Persönliche Spruch-Favoriten bitte melden! Und am Ende wird sowas dann sogar prämiert („Fußballspruch des Jahres“, das nächste Mal bei der Preis-Gala am 24. Oktober 2014) – aber schauen Sie selbst unter
www.fussball-kultur.org/fussball-kulturpreis/archiv/2014/fussballspruch-2014/spruchsammlung.html
… es kommt tatsächlich einiges zusammen.

Am Anfang war natürlich auch 2013/2014 das Wort, das Wort von Pep Guardiola: „Thiago – oder nix!” Und seither ist weiter viel gesagt worden, hier eine kleine Auswahl der laufenden Spruchzeit, nicht ganz chronologisch:

  • »Im Sport kriegt man halt mal was auf die Fresse.«
    Sebastian Rode nach der 6:1-Klatsche seiner Frankfurter bei Hertha BSC
  • »Die Reformierung der FIFA ist wie die Reform des Vatikan, auch wenn die derzeit vor uns sind.«
    Mark Pieth, Vorsitzender der Fifa-Reformkommission, über die eigenen Fortschritte
  • »Die Tabelle ist kalt und hässlich!«
    Stephan Schmidt, neuer Cottbuser Trainer, der sein Team nach der 0:3-Niederlage bei St. Pauli am Tabellenende sah
  • »Wach ich morgen auf? Weiß ich jetzt auch nicht.«
    Fredi Bobic nach dem schlechten Saisonstart der Stuttgarter und kurz vor der Entlassung von Trainer Labaddia
  • »Das ist wie bei einem kleinen Kind, wenn du sagst, laufe nicht gegen einen Baum, dann läuft es gegen einen Baum.«
    HSV-Trainer Thorsten Fink nach der 1:5-Niederlage gegen Hoffenheim
  • »Jetzt haben Sie endlich mal eine Einladung vom DFB bekommen.«
    Hans Lorenz, DFB-Sportrichter, zu Stefan Kießling vor dessen Aussage in der Phantomtor-Anhörung
  • »Wenn das Abbrennen von etwa einem Dutzend pyrotechnischer Erzeugnisse schon „Ausschreitungen" sind, was ist dann eigentlich Silvester? Armageddon?«
    Christian Spiller (Zeit-Online) über Pyrotechnik beim Spiel Hannover-Braunschweig und den üblichen Medienreflex
  • »Wir fahren mit einem VW-Käfer gegen einen Formel-1-Wagen und ihr fragt, warum wir nicht vor Vettel ins Ziel gekommen sind.«
    Mainz-Trainer Tuchel nach der Niederlage in München
  • »Er spielt besser als es möglich ist.«
    Pep Guardiola über Philipp Lahm
  • »We had a super team, and now we have a super-super team.«
    Uli Hoeneß nach dem 3:1-Sieg der Bayern bei Manchester City
  • »Wenn zwei Ochsen zum Kopfball-Duell hochsteigen, dann kommst du nur schwer an den Ball.«
    Stefan Reuter, Manager des FC Augsburg, über seinen Keeper Alexander Manninger beim Gegentor von 96‘s Artur Sobiech
  • »Wir wollen bei den großen Mitpinkeln.«
    Gladbachs Sportdirektor Max Eberl nach einem 3:0 Sieg gegen Hannover 96
  • »Seit 40 Jahren wird Fußball mit den gleichen Kriterien besprochen. Und das kritisiere ich manchmal.«
    Jürgen Klopp
  • »Manchmal gibt es im Fußball Sachen, die sind komischerweise noch nicht einmal von mir zu erklären.«
    Thomas Müller
  • »Man muss sich nur einen Satz merken: Gib´ dem Gegner keine Zeit zu denken. Das ist Peps Satz. Und so lässt er spielen«
    Hermann Gerland zu Bayerns Spielweise unter Pep Guardiola
  • »Es gibt Momente, wo du merkst, du bist der kleine Piss-Verein.«
    Braunschweig-Trainer Thorsten Lieberknecht zu den Spitznamen von Vereinen und dem schlechten Saisonstart
  • »Der Vollgasfußball frisst seine Kinder, noch ehe sie 30 sind.«
    Claudio Catuogno (in der Süddeutschen)
  • »Ich werde immer angesprochen auf mein 100. Länderspiel. Das 112. würde mir mehr bedeuten«
    Jogi Löw, der vom WM-Finale träumt
  • »War gestern in Nordkorea. Ach nein, war ja doch München«
    Christian Spiller (Zeit-Online) zur Jahreshauptversammlung des FC Bayern und der Akklamation pro Hoeneß
  • »Scheißspektakel-Spiel!«
    Hoffenheims Kevin Volland nach dem 4:4 der TSG gegen Werder Bremen zum eigenen Spiel

So, damit aber auch genug der leichten Muse; in den Teilen allein liegt die Wahrheit schließlich nicht (… Partikelchen davon freilich schon), das hatten damals schon die führenden Köpfe der ‚Neuen Frankfurter Schule‘ gewusst; und hatten sich neben herrlichen Comics, Cartoons und Sprechblasen auch immer mal wieder etwas längere Texte einfallen lassen.

Die Wahrheit, sie soll bekanntlich aufm Platz liegen, und in unserem speziellen Fall ist das die Tipptabelle. Wie das mit der Wahrheit so ist, für viele von uns ist sie eindeutig Stephan-Schmidt-mäßig, hässlich und kalt eben. Ganz oben aber scheint die Sonne, und bei der sechsten Auswertung feiern wir heute schon den fünften Spitzenreiter der Saison: Es führt jetzt Fedor H. Radmann mit 37 Zählern – Glückwunsch in die Schweiz! – vor Klaus Weiner (41) und Andy Storjohann (44). In den Top-Ten dahinter drei Newcomer, Alexander Sobotta (4. mit 45), Nicolas Heckel (8. mit 46) und Markus Pohler (9. mit 47). Vorne behaupten konnten sich Alain Sutter, Christian Schirmer, Dieter Gaßner, Dieter Hecking und Jürgen Sommer.

Hier finden Sie die  aktuelle Tabelle nach Spieltag 14 (pdf, 67 KB)

Soviel für heute, die letzte Blitztabelle in diesem Jahr kommt dann nach dem 16. Spieltag, in der Woche vor Weihnachten.

Mit sportlichen Grüßen aus der Noris!
Ihr

tippwart joschko