Menschenrechte

Birgitt Glöckl: Begrüßung zum Kongress

Zur Eröffnung von "Fußball und Menschenrechte" begrüßt die Leiterin der Akademie-Geschäftsstelle die Teilnehmer_innen und führt thematisch in den Kongress ein.

© Karl-Friedrich Hohl

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

ich möchte Sie im Namen der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur ganz herzlich willkommen heißen. Wir haben uns schon sehr lange darauf gefreut, Sie alle hier beisammen zu haben.

Dieses Haus, die Jugendherberge Nürnberg ist Teil der mittelalterlichen Burganlage – Kaiserburg. Dies hier ist der Eppeleinsaal – keiner kommt uns aus Nürnberg weg, ohne die Geschichte von Ritter Eppelein erfahren zu haben. Die Hausherren sind dem Thema Bildung und insbesondere Menschenrechtsbildung verbunden – umso mehr freut es mich, dass wir hier tagen können. 

Viele von Ihnen kennen die Dt. Akademie für Fußball-Kultur bereits. Für alle anderen: Seit 2004 machen wir hier in Nürnberg, aber mit einem bundesweiten Auftrag, Fußball-Kultur. Getragen wird die Akademie von der Stadt Nürnberg, von Beginn an in enger Zusammenarbeit mit dem kicker-sportmagazin. Dem Hauptsponsor TeamBank/easyCredit gilt wie immer mein großer Dank. Wir verleihen die Deutschen Fußball-Kulturpreise, befassen uns mit aktuellen Themen – auch und vor allem auf www.fussball-kultur.org. Und wir stehen für ein Netzwerk aus Sachverständigen verschiedenster Bereiche. Viele von ihnen sind an dieser Veranstaltung beteiligt. Für diesen Kongress haben wir uns mit dem Verein zur Förderung innovativer Kulturarbeit e.V. zusammengetan, der regelmäßig kleinere und größere Kulturprojekte in Nürnberg unterstützt. 

Außerdem natürlich ein großer Dank an unsere finanziellen Förderer: PFiFF – Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur der Deutschen Fußball-Liga – willkommen Britta Klose und Prof. Werner Steffan und an die DFB-Kulturstiftung – namentlich Olliver Tietz. Für den Abend bereits ans Bürgermeisteramt der Stadt ein Dankeschön.

Fußball und Menschenrechte – ein Kongress in guter Tradition der Fußball(kultur)-Welt

Sie alle fühlten sich angesprochen von einem doch generalistischen Titel: „Fußball und Menschenrechte“. Das Team der Akademie, das Themen und Veranstaltungen plant, wollte sich dem Thema schon seit langem widmen. Anlasslos.

Es gibt allerdings immer einen Anlass: Damit meine ich nicht nur die in der Sportpolitik ständig wiederkehrenden Skandal-Meldungen in den internationalen Verbänden. Im vergangenen Jahr gab es schließlich auch viele positive Meldungen, da sich gerade Fußball-Fans von Profivereinen wie auch Breitensportvereine so vorbildlich für die Willkommenskultur für Flüchtlinge engagierten. 

Für manchen schrecklich aktuellen Anlass kommen Debatten und Lösungsansätze selbst aus Fußball. Der Leipziger Verein Roter Stern hat eine Spendenaktion gestartet für die Opfer rechter Gewalt am Montag. Ein persönliches Beispiel: Mich erreichte die richtige Antwort darauf, wie ich mich nach Silvester in Köln positionieren möchte auch über den Fußball. Über „F_in“ – das Netzwerk Frauen im Fußball erhielt ich Kenntnis der Erklärung mit dem Titel „#ausnahmslos gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. Ausnahmslos.“ Sagt: Es gibt keine Hierarchie von Diskriminierung. Man muss sich nicht entscheiden, ob man sexualisierte Gewalt gegen Frauen schlimmer findet als Rassismus oder die Verwehrung des Grundrechts auf Asyl. Uns geht es um den Schutz von Menschen, ihren garantierten Rechten und Freiheiten. Das steht in vollem Einklang mit Art. 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, dem Prinzip der Nicht-Diskriminierung:

Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand. Art. 2, AEMR


Was möchte ich damit sagen? Wir machen hier nichts völlig Neues. Wir sehen das, was wir hier machen und was die meisten von Ihnen bei Ihrem Engagement tun, in guter Tradition: Fußball-Tagungen gegen Rassismus und für Toleranz bei Gunter Pilz in Hannover, !Nie wieder Versammlungen Frankfurt, Vernetzungstreffen verschiedenster Initiativen: BAFF, Fairplay in Wien - footballfordevelopment, F_in jährlich, KOS, Football Supporters Europe, Fußballfans gegen Homophobie, Discover Football (undundundund). Aber auch Treffen der Julius-Hirsch-Preisträger des DFB im Oktober – gewachsene Kontakte und das Wissen um eine gemeinsame Sache. Hier wollen wir dieses Engagement im Gesamtzusammenhang der Menschenrechte sehen und dabei auch Themen setzen, die bisher im Fußball weniger präsent sind.

Nürnberg – die Stadt des Friedens und der Menschenrechte

Warum in Nürnberg? Ja, wir arbeiten vor allem hier. Aber: Nürnberg ist die „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“. Mit der Geschichte von Reichsparteitagen und Rassegesetzen, aber auch den Nürnberger Prozessen ist Nürnberg die Verpflichtung eingegangen, dass von dieser Stadt nur noch Signale des Friedens und der Menschenrechte ausgehen sollen. Die Schaffung der Straße der Menschenrechte beim Germanischen Nationalmuseum durch den israelischen Künstler Dani Karivan, die zweijährliche Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises und die Einrichtung eines Menschenrechtsbüros bei der Stadt Nürnberg sind Ausdruck dieses Bemühens. Und: in Nürnberg und Umgebung gibt es auch sonst jede Menge Knowhow und regelmäßige Menschenrechtsarbeit: das Nürnberger Menschenrechtszentrum mit seinen Publikationen, die einzigartige Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion, das International Human Rights Film Festival und der Deutsche Menschenrechtsfilmpreis, der ebenfalls alle zwei Jahre von einem bundesweiten Netzwerk in Nürnberg verliehen wird; auch akademisch: der Lehrstuhl für Menschenrechte an der FAU Erlangen-Nürnberg. 

Und nicht zuletzt das Amt für Kultur und Freizeit (KUF), bei dem wir als Geschäftsstelle der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur angesiedelt sind. Die Nürnbergerinnen und Nürnberger unter ihnen kennen sicherlich die vom KUF angestoßene Aktion „Bäume für die Menschenrechte“. Von ganz unterschiedlichen Einrichtungen und Initiativen an rund 70 Stellen in der Stadt gepflanzt, tragen sie den Gedanken der Menschenrechte in Form der Artikel der Allgemeinen Erklärung der MR in die Stadt hinaus: auch hier gegenüber der Jugendherberge steht ein Gingkobaum. Mit Artikel 26 auf der Plakette: JEDER HAT DAS RECHT AUF BILDUNG.

Der Internationale Nürnberger MR-Preis ging im vergangenen September an Amirul Haque Amin aus Bangladesh für seinen Einsatz für die Rechte der Textilarbeiter_innen. Über die Sportartikelindustrie gibt es auch hier einen Bezug zum Kongress-Thema.

Herzlich Willkommen zum Kongress Fußball und Menschenrechte

Ich möchte Sie also gerade auch als Nürnbergerin herzlich willkommen heißen.

Und ich denke, es ist klar, warum dieser Kongress überfällig war. 

DANKE an sie alle – nicht nur dafür, dass Sie so leicht für diese 2 Tage hier zu begeistern waren und wir alle von Ihrem Wissen und Ihrer Arbeit profitieren dürfen – sondern für Ihre vielen Ideen, Ihre Kontakte und ihre ständige Ermunterung im Vorfeld.

Wir und Sie haben die unterschiedlichsten Hintergründe und Erfahrungen. Mit dem Thema Fußball – ob aus dem Profigeschäft, Verbänden, Faninitiativen oder aus dem Breitensport. Wie auch mit dem Thema Menschenrechte: NGOs sind hier genauso vertreten wie kommunale Dienststellen, internationale Netzwerke, Uni-Institute und Organisationen, die die Verbindung von Sport und Menschenrechtsschutz schon lange pflegen. 

Der Best Practice Market am späteren Nachmittag wird Gelegenheit bieten, sich kennenzulernen. Wichtiger Faktor in der – ich nenne es mal „Aufklärungsarbeit“ sind natürlich die Medien. An die Presse ein herzliches Willkommen. Wir sind ja alle ein bisschen Presse: #FBMR16 ist der Hashtag für heute und morgen.

Was haben wir hier eigentlich vor? 

Es ist ein Voraussetzung von Programmgestaltung, sich einzugrenzen, eine Auswahl zu treffen. 

Unser Programm soll aber, und das ist wichtig, eben keine Hierarchisierung sein. Mit der Auswahl geben wir nicht vor, was wichtig und was weniger wichtig ist. Diskriminierung fehlt hier etwa nicht, weil es sie im Fußball nicht mehr gibt. Wir haben uns beispielsweise entschieden, in einem der Workshops Inklusion „nur“ im Sinne der Teilhabe von Menschen mit Handicap zu thematisieren. Weil sich hier besonders anschaulich direkte Beziehungen herstellen lassen zwischen Menschenrecht, Gesetzestext, praktischer Anwendung im Sport und Implementierung in die tägliche Arbeit – mit allen Stärken und Schwächen. Ein Beispiel, auf das man sich womöglich auch in anderen Bereichen beziehen kann.

Verstehen Sie bitte auch die anderen gewählten Themen für Workshops und den heutigen Tag als Spotlights.

Welche Fragestellungen sind nun relevant, wenn man selbst nicht bei den Vereinten Nationen oder beim Fußball-Verband arbeitet? Ein paar konkrete Beispiele: 

  • Kann ich „nur“ in meiner Rolle als „Bürgerin“ auf mein Menschenrecht auf Gleichbehandlung vor dem Gesetz beharren – oder auch als Auswärtsfahrerin? Fußballfans werden doch in vielfältigsten Zusammenhängen als Problem, als Täterinnen und Täter beschrieben – und weniger als Menschen, Bürgerinnen und Bürger. Beschleicht doch viele der Eindruck, als würden  polizeiliche und juristische Maßnahmen zuerst an ihnen erprobt werden.
  • Oder: Gilt das Gleichstellungsgesetz, das wir vom  Arbeitsplatz kennen eigentlich genauso für ein geistig behindertes Kind in der E-Jugend eines Fußballvereins? 
  • Oder: Wie bringe ich meinen Bundesligaverein dazu, sich auch darüber Gedanken zu machen, wie seine Trikots produziert werden?
  • Oder: Kenne ich meine Rechte überhaupt und wie klage ich sie ein? Wer hilft mir dabei? Wie unterstütze ich andere? 
  • Oder: Wie kann man Fußball sogar als Medium nutzen, um Bewusstsein zu schaffen für die Rechte, die Einzelne haben? 

Morgen wenden wir uns ganz konkret diesen Fragestellungen zu, und denen, die Ihnen auf den Nägeln brennen. 

Am heutigen Nachmittag werden wir uns umfassend informieren lassen: Über menschenrechtliche Grundlagen – international und hier vor Ort. Wir werden den Bezug zum Sport herstellen zunächst über die Frage, wie man mittels Sportereignissen und insbesondere Fußball Menschenrechtsarbeit leisten kann. Um dann – auch schon ganz praktisch – vorzustellen, wie wir von einer Allianz aus Menschenrechtsorganisationen und Fußball-Engagierten profitieren.

Was wir nicht wollen: eine akademische Elfenbeinturm-Diskussion. Jede und jeder soll etwas Brauchbares mitnehmen können.

Zur Abendveranstaltung im Historischen Rathaussaal: „Baustelle Menschenrechte. Die Fußball-Weltmeisterschaften in Russland und Katar“. Fußball und Menschenrechte wird schnell mit dieser Problemlage assoziiert. Auch das wollten wir aufgreifen, haben aber ein anderes Format gewählt. Die Podiumsdiskussion ist öffentlich. 

Workshop-Phase: Wir bedanken uns bei den Workshopleitungen, die morgen früh nochmal vorgestellt werden, ganz herzlich für die Zusagen, Mitgestaltung und Vorbereitung! 

Abschluss: Der Journalist Christoph Ruf wird die Dokumentator_innen der Workshops in einer Runde interviewen, so dass wir alle über unsere Ergebnisse informiert sind, sie diskutieren und mitnehmen können. Wir werden das Plenum mit Ihrer Hilfe abschließen: mit einer finalen Einschätzung und Vorschlägen für die pointierte Botschaft einer Presseerklärung. 

So. Los geht’s.

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