Geschichte

Bafana, Bafana - Südafrikas Fußball-Nationalmannschaft

Dietrich Schulze-Marmeling illustriert die Geschichte der Bafana Bafana nach der Apartheid 1992, welche von Auf und Abs gezeichnet ist.

von Dietrich Schulze-Marmeling


Der Autor Dietrich Schulze-Marmeling setzt seine Reihe über die afrikanische Fußballgeschichte fort: Südafrikas Elf, die "grünen Jungs" (= Bafana, Bafana), erlebte seit ihrer Gründung nach der Apartheid 1992 ein dauerndes sportliches Auf und Ab.


"Grüne Jungs"

Für Südafrikas heute vorwiegend schwarze Nationalmannschaft begann die Post-Apartheid-Zeit am 7. Juli 1992 mit einem 2:0-Sieg gegen Kamerun. In der Sowetan Newspaper taufte der Journalist S’bu Mseleku das unerfahrene Team anschließend Bafana, Bafana, ein Zulu-Ausdruck für „Grüne Jungs“.

Dem verheißungsvollen Auftakt folgte eine Reihe von Pleiten. 1994 verfehlte Südafrika die Qualifikation für den African Cup of Nations, nachdem man gegen Sambia im heimischen Soccer City-Stadion mit 0:1 verloren hatte. Auch bei der WM 1994 in den USA schaute Bafana Bafana nur zu. Anschließend übernahm der aus Durban stammende Coach William Clive Barker das Team. Im Mai 1994 besiegte Südafrika Sambia mit 2:1. Anlass des Spiels war die Amtseinführung von Präsident Nelson Mandela. Fortan ging es bergauf. Vor dem Anpfiff des African Cup of Nations 1996 konnte Bafana, Bafana auf eine Serie von 13 Spielen ohne Niederlage zurückblicken, darunter Siege gegen Ghana (2:1) und Ägypten (2:0).


Der erste ganz große Erfolg


Die 20. Auflage des Kontinentalchampionats fand in Südafrika statt und sah einen Durchmarsch des Gastgebers. Zum Auftakt wurde Kamerun souverän mit 3:0 besiegt, im Viertelfinale Algerien mit 2:1, in Halbfinale Ghana mit 3:0 und im Finale Tunesien vor 80.000 Zuschauern im Soccer-City-Stadion von Soweto mit 2:0. Kapitän war mit Neil Tovey von den Kaizer Chiefs ein Weißer, den nun als erster Weißer den African Cup of Nations gen Himmel recken durfte. Ebenfalls weißer Hautfarbe war der junge Innenverteidiger Mark Fish, der als Schüler Fußball nicht spielen durfte, da seine Schule, die Pretoria Boys’ High School, „black soccer“ ablehnte und den weißen Sportarten Rugby und Cricket den Vorzug gab. Fish kam vom Kaizer Chiefs-Rivalen Orlando Pirates und spielte anschließend noch in Europa für Lazio Rom, Bolton Wanderers und Charlton Athletic.

„Gemischtrassige“ Teams waren in Südafrika nichts Neues. Schwarze, Mischlinge und Inder spielten bereits in den 1950ern miteinander. Das erste weiße Team, das einen Schwarzen verpflichtete, waren 1977 die Arcadia Shepherds aus Pretoria gewesen. Für ein Aufbrechen der harschen Apartheidpraxis sprachen seinerzeit allein schon wirtschaftliche Überlegungen. Die Masse der Fußballfans waren Schwarze, und laut dem damaligen Arcadia-Boss und Geschäftsmann Saul Sacks zogen „schwarze Spieler halt das Publikum in die Stadien.“


Erste WM-Endrundenteilnahmen

Bei den WM-Endrunden 1998 und 2002 war Südafrika dabei. 1998 blieb Bafana Bafana mit zwei Unentschieden und einer Niederlage (0:3 gegen den späteren Weltmeister Frankreich) sieglos. Im selben Jahr erreichte man erneut das Finale des African Cup of Nations, wo man allerdings Ägypten unterlag. Der erste Sieg bei einer WM-Endrunde wurde dann 2002 beim zweiten Auftritt gegen Slowenien (1:0) eingefahren. Nach drei Begegnungen wiesen Paraguay und Südafrika jeweils vier Punkte auf und auch das Torverhältnis war identisch. Doch musste Bafana Bafana bei 5:5 Toren gegenüber 6:6 der Südamerikaner diesen den Vortritt beim Einzug in die nächste Runde lassen.


Aktuelle Entwicklungen

Ausgerechnet nach der Vergabe der WM 2002 nach Südafrika ging es mit Bafana Bafana steil bergab. Die Qualifikation für die WM 2006 wurde ebenso verfehlt wie die für den African Cup of Nations 2010. Für ein Monatsgehalt von 160.000 Euro wurde der brasilianischen Weltmeistertrainer Carlos Parreira verpflichtet, der aber nach nur einem Jahr das Handtuch warf, da seine Frau schwer erkrankt war. Nachfolger wurde sein unerfahrener Landsmann und Freund Joel Santana, der aber im Oktober 2009 gefeuert wurde. Seither schwingt wieder Parreira das Zepter. Südafrika wird für den 66-Jährigen nach Brasilien (1994, 2006), Kuwait (1982), den VAE (1990) und Saudi-Arabien (1998) das fünfte Land sein, mit dem er bei einer WM-Endrunde dabei ist. Zur seiner Unterstützung wurde ein Psychologe der Springboks, des ruhmreichen Rugby-Teams Südafrikas, engagiert. Teamspirit soll die fußballerischen Defizite kompensieren. Aber ist ein brasilianischer Coach die richtige Wahl? Die Spielweise der Bafana, Bafana ist eher etwas zu brasilianisch geprägt, ohne dass man über Klassespieler wie Kaka oder Ronaldinho verfügt. Tore resultieren häufig aus Einzelleistungen und nur selten aus Kombinationen. Dem Team mangelt es an Zielstrebigkeit.

In den letzten Monaten ließ sich eine leichte Aufwärtsentwicklung registrieren. Polen wurde in einem Freundschaftsspiel mit 1:0 besiegt. Und beim Confederation Cup kam Gastgeber Südafrika bis ins Halbfinale, wo eine überraschend starke Bafana Bafana mit einem überragenden Regisseur Steven Pienaar (FC Everton) Brasilien nur knapp und unglücklich mit 0:1 unterlag. Aber auch anschließend reichte es nur zu Platz 85 in der FIFA-Weltrangliste.


© Dietrich Schulze-Marmeling

 Der sechste und letzte Teil der Reihe "Fußball in Afrika" folgt am Dienstag, den 23.03. mit dem Thema "Profifußball in Südafrika: Kaiser Chiefs, Orlando Pirates und Jomo Cosmos".