Am Tag, als Boninsegna starb

20. Oktober 2011: Die Blechbüchse vom Bökelberg

Heute vor vierzig Jahren treffen im Europapokal der Landesmeister Borussia Mönchengladbach und Inter Mailand aufeinander. Die Gladbacher spielen unglaublich und besiegen den favorisierten italienischen Meister am heimischen Bökelberg mit 7:1. Aber ein Vorfall ändert alles: In der 28. Minute fliegt eine Cola-Dose von der Haupttribüne auf das Spielfeld und touchiert den italienischen Stürmer Roberto Boninsegna. Kurz danach geht Boninsegna zu Boden und wird – nach seiner eigenen Aussage bewusstlos – vom Platz getragen. Die Hilfe der anwesenden Sanitäter ist nicht erwünscht, die italienischen Betreuer schließen sich mit dem Verletzten in der Gästekabine ein.

Die Uefa annulliert daraufhin das Ergebnis und beschließt ein Wiederholungsspiel, obwohl der niederländische Schiedsrichter Jef Dorpmans aussagt, dass er keine Verletzung bei Boninsegna feststellen konnte. Nach einer Niederlage in Mailand endet das Wiederholungsspiel in Berlin 0:0 und die Borussia scheidet aus. Gladbachs Libero Luggi Müller wird in diesem Spiel vom Platz getragen, mit einem Schien- und Wadenbeinbruch nach einem üblen Foul von Boninsegna.

Nachspiel: Zum 40. Jahrestag des Büchsenwurfs bemüht sich Borussia Mönchengladbach, das Corpus Delicti aus dem Exil an den Niederrhein zu holen. Schiedsrichter Dorpmans hatte die Cola-Dose nach Spielende von der Polizei überreicht bekommen, nach Hause mitgenommen und sie später seinem Lieblingsclub Vitesse Arnheim vermacht. Dort ziert sie nun das Vereinsmuseum. Borussia-Manager Max Eberl will mit den Niederländern über die Ablösemodalitäten verhandeln. “Wir setzen alles daran, die Dose in unseren Besitz zurückzuholen.“