Literatur

Als Jude im deutschen Fußball

Die drei Leben des Martin Abraham Stock von Arthur Heinrich

Arthur Heinrich

Als Jude im deutschen Fußball. Die drei Leben des Martin Abraham Stock

ISBN: 978-3-7307-0084-6
Verlag die Werkstatt, Göttingen 2014
348 Seiten, 29,60 €

In diesem Buch beleuchtet der Politikwissenschaftler Arthur Heinrich das Leben des heute größtenteils vergessenen Martin Abraham Stock. Heinrich las in einem Artikel, dass unter anderem Sepp Herberger beim Abschied von Martin Stock anwesend war. Aus Neugier darüber, wer dieser Martin Stock war, entschied sich Heinrich dafür, Nachforschungen über diesen anzustellen und ein Buch über ihn zu schreiben.

Stocks Leben im Kaiserreich und in der Weimarer Republik wird dabei ebenso beleuchtet, wie sein Leben im Dritten Reich und nach dessen Untergang. Martin Abraham Stock war ein engagierter Sportbegeisterter und Fußballfunktionär bei der Altonaer Spielvereinigung und gut in die deutsche Gesellschaft integriert. Das änderte sich wie bei so vielen Menschen dieser Zeit mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Nachdem er als Jude den Verfolgungen der Nazis ausgesetzt war, musste er 1941 in mehreren Konzentrationslagern gegen den Tod kämpfen.

Er überlebte diese Tortur und kehrte nach dem 2. Weltkrieg wieder nach Deutschland zurück, fasste dort erfolgreich Fuß und engagierte sich für den Fußball in der Bundesrepublik. Dies tat er u.a. bei seinem früheren Verein, der Altonaer Spielvereinigung, und als Funktionär des Hamburger Verbands für Leibesübungen. Hier engagierte er sich u.a. mit der Reorganisation des Hamburger Fußball-Ligabetriebes.

Eine große Stärke dieses Buches ist es, sich nicht nur auf die Person des Martin Abraham Stocks zu beschränken, sondern allgemein auf viele gesellschaftlichen und fußballerischen Entwicklungen in der Zeit seiner Lebensabschnitte einzugehen. In der Weimarer Republik war das beispielsweise das sich entwickelnde Profifußballertum, welches von vielen Zeitgenossen aufgrund der dadurch vermeintlichen Gefährdung des "wahren" Fußballs als Amateursport extrem negativ gesehen wurde. In der Nachkriegszeit hingegen rückte unter anderem die Frage in den Vordergrund wie man mit politischen Belastungen aus der NS-Zeit umgehen sollte.


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