Akademie-Tipp zur Frauenfußball-WM 2011: Der Stand vor den Halbfinals

Das deutsche Sommermärchen ist vorbei, auch die hoch gewetteten Brasilianerinnen sind raus. Was bleibt, ist der Ausblick auf eine höhere Leistungsdichte und - analog zur letzten Bundesligasaison: desaströse Tippwerte. Am besten schlägt sich weiter Brigitte Berner.

Liebe Tipperinnen und Tipper,

es kam wie so oft, oder wie es kommen musste. Der Mensch denkt, der Fußballgott lenkt. Ein paar Tage nach dem großen Favoritensterben sägen die Hinterher-Immer-Alles-Besser-Wisser wie üblich am Stuhl der (Bundes-)Trainerin, spült die Bild ihre letzten Krokodilstränen ob der verpassten Sommersause aus den Titeln und versucht sich sogar (oder ausgerechnet) die taz mal in pickelharter Satire („Schämt euch, ihr Schlampen!“).

Was ist passiert? Mit Deutschland und Brasilien mussten die beiden am höchsten gewetteten Finalistinnen ihre Sachen packen. Im Viertelfinale. Ja, das gibt’s, zumindest im Sport. Und es hat womöglich sein Gutes, dass es das ab sofort auch im Frauenfußball gibt. Oder wäre es für die Entwicklung des Spiels wirklich nur ein Segen, hätten die deutschen Frauen bei dieser sechsten WM seit 1991 die dann schon vierte Finalteilnahme geschafft? Und am Ende den dritten Titel geholt, den dritten in Folge von sechs möglichen? Klar, es soll Leute geben, die genau das brauchen. Immer wieder. Und es gibt sogar Sportarten, wo ihnen geholfen werden kann. Zum Beispiel bei so prickelnden Disziplinen wie dem Rennrodeln der Frauen (seit 120 Jahren ungefähr fest in deutscher Hand), oder ganz früher mal, beim Feldhandball der Herren.

Tatsächlich gibt es auch beim Frauenfußball bis dato nur drei Titelträgerinnen (Deutschland und USA je 2 x, und 1 x Norwegen). Dazu standen noch China, Schweden und Brasilien je einmal im Finale, und das war’s auch schon. Jetzt könnten es also erstmals die Französinnen und die Japanerinnen ins Endspiel schaffen, und das sogar gegeneinander. Im globalen Maßstab wäre dies sicherlich ein klares Plus an Leistungsdichte, und für die WM 2011 am Ende vielleicht ein richtig schönes Markenzeichen: Der Wettbewerb wird stärker, die Spannung steigt – und die Zeiten der Berechenbarkeit sind endgültig vorbei. 

Nur, wer hätte das vorher schon ahnen können? Kaum eine/r, dafür ist das Desaster unseres Tippspiels der schlagende Beweis. Die USA im Halbfinale (dabei waren die US-Frauen in der 120. im Grunde ja schon draußen), das hatten noch die meisten auf der Rechnung (55 von 62); aber dann wird’s auch schon ziemlich dünn: Japan 24 x richtig, Frankreich 10 x und Schweden 8 x. Macht unterm Strich 97 richtige Halbfinalisten-Tipps, 97 von 248 Möglichen. Oder anders rum: ein Quote von im Schnitt nicht mal 1,6 Richtigen je Tipp.

Konkret: Für jeden richtigen Halbfinalisten gab’s 4 Punkte, aber mehr als zwei Richtige hat keine/r geschafft (und einer sogar gar keinen – siehe die schmale ‚HF‘-Summenspalte im rechten Abschnitt der Tabelle). Unsere Spitzenreiterin
Brigitte Berner hatte demnach wenig zu befürchten und konnte ihre drei Zähler Vorsprung in die Finalrunde retten, vor 16 punktgleichen engsten Verfolgern.

 Aktuelles Ranking vor den Halbfinalspielen (pdf, 50 KB)

 Übersicht aller Tipps (pdf, 45 KB)

Das Abschluss-Ranking folgt dann nach dem Finale, spätestens bis Mitte nächster Woche.
Dann sind wir mal gespannt auf die neuen Weltmeisterinnen, und ob es im Tippspiel noch eine große Revolution gibt – oder im Endspurt vielleicht sogar ein totes Rennen !?


Soviel für heute, mit sportlichen Grüßen aus der Noris !
Ihr

tippwart joschko


PS.: Der deutsche Frauenfußball könnte nach dem letzten Samstag doch noch eine Zukunft haben. Dies jedenfalls war der Eindruck bei einem Kindergeburtstag in München tags darauf, als nach der Schatzsuche und dem Würstelwettessen ein kleines Fußballmatch unter 7- bis 11-Jährigen angepfiffen wurde. Mädels gegen Jungs (6 gegen 4), überragend spiel- und antrittsstark dabei: die kleine Iva im rosa Röckchen. Sie hat die Buben ziemlich nass gemacht, bis es denen zu bunt wurde, und einer die Sense rausholte. Iva flog gefühlte 5 Meter durch die Luft, landete hart auf der Kniescheibe, und vergoss ein paar Tränen. Dann schoss sie ein zum entscheidenden 7:6.