Akademie-Tipp zur Frauenfußball-WM 2011: Der Endstand

Den WM-Titel der "unverwundbaren" Japanerinnen hatte keine/r auf der Rechnung. Sieger gibt es mit Günter Clobes und Markus Löser freilich trotzdem, gefolgt von drei punktgleichen Drittplatzierten. Die Akademie gratuliert, packt Wein und Würstchen ein - und freut sich schon auf ein Neues!

Akademie-Tipp zur Frauenfußball-WM 2011: Der Endstand

Rundschreiben zum WM-Tippspiel 2011 der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur

Liebe Tipperinnen und Tipper,

die Japanerinnen also; und fast überflüssig zu sagen, dass niemand von uns mit ihnen gerechnet hat. Es war ein denkwürdiges Finale gegen bärenstarke Amerikanerinnen, das Japan am Ende gewann: in einem Elferkrimi und eigentlich ziemlich unverdient, nimmt man allein die 120 Endspielminuten zum Maßstab; mehr als verdient freilich, wenn man die insgesamt 350 Minuten Spielzeit Japans ab dem Viertelfinale als strategisches Gesamtpaket zu würdigen weiß.

Das aber muss man wohl, um die Torschusspanik der US-Amerikanerinnen am Sonntagabend halbwegs zu verstehen. Allenthalben Kopfschütteln ob all der liegengelassenen Großchancen? Die USA legten los wie die Feuerwehr, Pfosten, Unterkante Latte und „allein in der ersten Halbzeit so viele Chancen, dass es nicht zu glauben ist“ (Trainerin Pia Sundhage). Die US-Girls wollten so sehr, sie konnten es so gut – und waren dann vor dem Tor immer wieder diesen einen Moment zu überhastet. Eben das aber war das Verdienst von Japans flinken Frauen mit ihrer sagenhaften Kapitänin Homare Sawa und der kaum minder phänomenalen Torfrau Ayumi Kaihori.

Oder besser gesagt, es war das Verdienst ihrer furchteinflößenden Demonstrationen zuvor. Im Viertel- und Halbfinale hatten sie etwas für den Frauenfußball völlig Neues vorgeführt, „nie dagewesene Ballsicherheit, brillantes Kurzpassspiel, erstaunlich faire Kratzbürstigkeit“ (Claudio Catuogno in der SZ). Ein wahres Spinnennetz, in dem sich das deutsche und schwedische Spiel heillos verfing, bis es zum Erliegen kam. Das darf uns nicht passieren, da müssen wir schneller sein, folgerten die USA. Und waren am Schluss oft schneller als Japan, doch leider auch als der Ball. Dazu merkte man den Japanerinnen an, dass sie in einer höheren Mission unterwegs waren. Es schien sie eine Aura der Unverwundbarkeit zu umgeben, die schon an zen-buddhistisches Kollektivdoping denken ließ. Nicht nur, dass sie nichts und niemand aus der Fassung bringen konnte, schon gar kein doppelter Rückstand in einem Endspiel, der wird eben postwendend, gleichsam schlafwandlerisch und wie in Trance wett gemacht, nein, das fairste Team dieser Frauenfußball-WM wusste dann auch noch ganz genau, wann es richtig grob werden musste. Dieses eine Mal musste es sein. Azusa Iwashimizu legte also die durchbrechende, brandgefährliche Alex Morgan kurz vorm Sechzehner, es war die 121. Finalminute und die einzige Notbremse des Spiels, Iwashimizu kassierte ihre Rote mit allem Anstand und der letzte Ansturm der USA war wirkungslos verpufft wie der an- und abschließende Freistoß – das hatte dann endgültig was Metaphysisches.

Wenn aber solche Betrachtungen angestellt werden – und so oder ähnlich wurde über das Endspiel tatsächlich im ganzen Land diskutiert –, dann ist vor allem eines passiert: großer Sport – spätestens seit den Viertelfinals dieser WM!


Und wie immer beim Sport, ist des einen Freud des anderen Leid, soll hier heißen: Bei einem Sieg der USA hätte auch der Tippsport einen anderen Gewinner gehabt, so aber heißen unsere beiden punktgleichen Wettkönige der Frauenfußball-WM 2011  …..   G ü n t e r   C l o b e s            u n d  …..   M a r k u s   L ö s e r !       ((Konfetti, Tusch, HipphippHurra !!!))

Beide brachten es schließlich auf jeweils 38 von 60 möglichen Punkten, weil sie die USA richtig im Finale (1 x 5 Punkte), dort richtig auf Platz 2 (1 x 3 Punkte) und zudem Frankreich richtig auf Platz 4 (1 x 1 Punkt) gewettet hatten. Für die Preisausschüttung bedeutet das, dass wir die Gewinne für die Plätze eins und zwei zusammenwerfen und dann halbe halbe machen: An Günter Clobes nach Bochum gehen damit 9 Flaschen Frankenwein plus 60 Nürnberger Rostbratwürstl ebenso wie an Markus Löser in Nürnberg – wohl bekomm’s!

Auf dem Gewinnerrang drei und nur um einen einzigen Punkt geschlagen landeten dann gleich drei TipperInnen: Anne-Katrin Hilbert, Thomas Müller und die Tippgemeinschaft MartAneMia – versüßt wird ihnen diese hauchdünne Niederlage mit je zwei Flaschen Frankenwein (für den Dritten hätte es insgesamt zwar nur drei Flaschen gegeben, aber da wollen wir jetzt mal nicht so sein).

Auf den weiteren, dann leider undotierten Top-10-Ehrenplätzen der Abschlusstabelle landeten Brigitte Berner (in den Auswertungen zuvor noch an der Spitze), Moritz Kormann (der im Falle des Titels für die USA gewonnen hätte), Florian Stigler, Frank Willmann, Jérôme Grad, Isabella Baier und das Wettduo Andrea Dürr & Anja Lämmel (die es vom Tabellenkeller am Ende noch ganz weit nach oben schafften).

 Der Endstand (pdf, 62 KB)

 Übersicht aller Tipps (pdf, 45 KB)

Schließlich noch etwas Statistik: Japan als Weltmeister hatte wie gesagt niemand, im Finale hat sie wenigstens einer gesehen, Klaus Weiner. Die USA im Finale hatten 11 Leute richtig, 9 davon mit dem richtigen Platz zwei (den sie für die allermeisten natürlich hinter den Deutschen belegen sollten). Schweden auf Platz drei wussten 4, die Französinnen auf dem Vierten noch mal 9 TipperInnen.

Soviel für diesmal, mit sportlichen Grüßen aus der Noris !
Ihr

tippwart joschko

 

‚Hall of Fame’ der Fußballweisen – die Sieger im Akademie-Tippspiel:

WM 2006                                            Oliver Fritsch (58 Teilnehmer)

BL 2006/07                                          Jürgen Kaube (74 Teilnehmer)

BL 2007/08                                          Paul Joschko und Budde Thiem (99 Teilnehmer)

EM 2008                                             Christof Siemes (75 Teilnehmer)

BL 2008/09                                          Rick Weihermann (92 Teilnehmer)

BL 2009/10                                          Hans Trautenbach (130 Teilnehmer)

BL 2010/11                                          Martin Haltermann (141 Teilnehmer)

WM 2011 der Frauen                             Günter Clobes und Markus Löser (62 Teilnehmer)