Aufs Maul geschaut

Von Johannes John

Die Erntezeit zog sich bis tief in den Winter hinein ins nun allmählich beginnende Frühjahr – jedenfalls was die Ausbeute an Katachresen aller Art betraf.

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Verlaß war auch diesmal auf die Blogs. Hier eine kleine Ausbeute der Streifzüge:

Auch die hohen Erwartungen an den spanischen Linksverteidiger Sergio Escudero haben mittlerweile stark nachgelassen – nachdem Magath zügig festgestellt hat, dass er den neuen Mann nicht so recht brauchen kann. Escudero kam bisher lediglich zu einem Einsatz im Reserveteam, auf seinem Posten in der Stammelf spielt jetzt wieder die Vorjahres-Entdeckung Lukas Schmitz, der aber auch kein begnadetes Linksverteidiger-Talent ist.

Immerhin bietet er eine realistische Lösung an, und die Lage der Dinge in Schalkes Abwehr vermag Schmitz auch richtig einzuschätzen, wie er am Montag bei der Analyse der Abwehrsituation verriet: „Ich weiß nicht, ob es Abstimmungsprobleme sind oder individuelle Fehler - das wechselt sich bei uns relativ häufig ab.“ (so auf „SZ-online“, 29. 9. 2010)

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Im wahrsten Sinn köstlich jene Mitteilung, die das „Badische Tagblatt“ am 30. 9 2010 aus Baden-Baden vermeldete: „Gemeinderat stimmt für abgespeckte Backstube“.

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Und eigentlich war ja mit dem Beitrag in Heft 58 („Von den Leiden eines Fans, dessen Mannschaft immer gewinnt“ / S. 6f.) schon alles gesagt. Weil das Kompositum dennoch weiterhin ebenso wohlfeil wie unausrottbar scheint, sei – „dunnä“ sei Dank – ein Kommentar zum 2:1-Sieg der Bayern in Basel zitiert:

wenn werder bremen in der 93min die CL-teilnahme sichert, ist es „das wunder von genua“...
wenn der BVB ein 2:0 führung auswärts hergibt und in der 86min bzw. 93min zwei tore erzielt ist das natürlich kampfgeist und der unbändige wille zu siegen...
wenn der FCB mit einer rumpfmannschaft einen 0:1 rückstand in der 89min dreht, ist es? richtig! dusel! („
Spiegel online“, 30. 9. 2010)


„Aufs Maul geschaut“ heißt in diesen Splittern ja zumeist aufs Maul gehaut und die meisten haben es auch verdient. Was gelegentliches uneingeschränktes Lob nicht ausschließen soll: heute für die Brüder Altintop und ihre Interviews in der Süddeutschen Zeitung (Hamit) bzw. Spiegel Online (Halil) vor dem Länderspiel gegen die Türkei am 8. Oktober 2010. Eine Musterbeispiel an Reflexions- wie Artikulationsvermögen, wo doch – nicht nur, aber gerade auch im Umfeld dieser Begegnung – so viele nach dem Motto laberten: es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie ausdrücken.

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„Bei der WM glänzte Sami Khedira im vorderen und Bastian Schweinsteiger im hinteren Teil. Diesmal, sagt Kroos, sei es so abgestimmt, ,dass ich häufiger mit in die Tiefe gehe und der Sami eher den Schweini macht.‘ („Süddeutsche Zeitung“ 12. Oktober 2010)

Noch Fragen offen?

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Würdig auf Mario Baslers Spuren wandelte bei Maybrit Illner am 4. November 2010 Uwe Hück, im Porsche-Vorstand Betriebsratsvorsitzender und guter Mensch zugleich, als er der Jugend eine Chance geben wollte: „Der wo hier isch, muss auch richtig Deutsch können!“

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Auch die Politik fabrizierte eine ganze Reihe von Sprachbildern, die sich weidlich ebenso in sportliche Gefilde transponieren ließen. So bemerkte Kurt Kister in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 19. Dezember 2010 zu Guido Westerwelles trotzigem Ausruf – „Ich verlasse das Deck nicht, wenn es stürmt!“ – treffend, dass man „bei Sturm den Kapitän auf der Brücke und nicht auf Deck“ suche – van Bommel wäre solch ein Lapsus vermutlich nicht unterlaufen, freilich sollte man einen „rheinischen Landmatrosen“ (Kister) auch nicht zum ,aggressive leader‘ hochsterilisieren…

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Als wahre Vandalin hingegen entpuppte sich das Rosa-Luxemburg-Double der Linkspartei, als sie ihrer Chefin Gesine Lötzsch nicht nur auf deren „Wegen zum Kommunismus“ (so in der „Jungen Welt“ vom 3. Januar 2011, man erinnert sich…) öffentlich beisprang, sondern auch gegen alle innerparteilichen Diffamierungsversuche in Schutz nahm. Was in der Wagenknecht’schen Forderung gipfelte: „Die Heckenschützerei in der Partei muss aufhören.“ („SZ-online“, 7. Januar 2011). Ob sie sich freilich fürs Abholzen, Verbrennen oder gar flächendeckende Sprengungen der wertvollen Biotope aussprach, ist nicht überliefert: jedenfalls wird’s so nie was mit Rot-Rot-Grün.

Möglich ja, daß dieser Neologismus in abgewandelter Form noch beim Nürnberger Club zu Ehren kommt, entpuppten sich dessen Angreifer beim 5:0 gegen St. Pauli am 5. März 2011 doch als wahre Heckingschützen: und das ganz ohne Schieber…


 

Daß die Situation beim HSV dem armen (na ja…) Armin Veh wohl nicht nur aufs Gemüt geschlagen, sondern auch andere Körperregionen in Mitleidenschaft gezogen hat, war nicht nur den Begleitgeräuschen seiner am 8. März 2011 verkündeten Demission zu entnehmen, etwa dem Fazit: „So kann man teilweise nicht arbeiten.“ – Ließ dies immerhin noch auf einen Teilzeitbeschäftigung schließen, sorgte seine unwirsche Einlassung, wie sie „sport.de“ am 8. Februar 2011 verbreitete, für ungleich größere Verwirrung, vermutete man den hier angesprochenen Übungsleiter doch eigentlich weiter östlich bei der Berliner Hertha: „Die sollen schön auf dem Teppich bleiben. Wenn die keine Ahnung haben, sollen sie den Babbel halten.“

Kein sonderlich kollegiales Urteil, und schon gar kein freundliches…

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Als Tiefkühlspezialist outete sich Sonnenkönig Sepp Blatter gegenüber der BBC hinsichtlich der Terminierung der Schnapsideen-WM 2022 in Katar: „Zum jetzigen Zeitpunkt liegt das Thema auf Eis. Alles ist auf Sommer festgelegt“ („Spiegel-online, 7. Februar 2011). Was befürchten lässt, dass er auch dann noch als Maître de Cuisine zu walten gedenkt.

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Um noch einen Moment in der Küche zu verweilen: als hätten wir nicht noch schon genug Kochshows, in denen uns öffentlich wie privat ganze Horden von Gourmands die Suppe versalzen, erwägen nun auch Vertreter der kickenden Gilde, ins löffelschwenkende Fach zu wechseln. So trieb eine Fehlentscheidung des deutschen Referees Wolfgang Stark während des CL-Achtelfinalhinspiels zwischen Olympique Lyonnais und Real Madrid den exzentrischen Coach der Gäste schnurstracks an den Herd: „Ein verweigerter Elfmeter lässt den Portugiesen kochen“ („Sport.de“ vom 23. Februar 2011). – Weit gemäßigter, freilich durchaus kapriziös, auch hier der bereits erwähnte Armin Veh, der sich am selben Tag der kulinarischer Versorgung beim HSV überdrüssig zeigte: „Ich habe keine Lust mehr auf die Eierei.“

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Ob die Elf bzw. Vierzehn der Frankfurter Eintracht im neuen Jahr tatsächlich zuweilen 'wie die Blinden' (politisch unkorrekt, ich weiß…) spielte, wird Stefan besser beurteilen können. Die Meldung „Nikolov fällt mit Sehenriss wochenlang aus“ (so „Faz.net“ am 22. Februar 2011) halten wir dann aber doch für etwas übertrieben.



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