Straßenfußball für Toleranz
Am 20. Mai 2010 wurden auf dem Pausenhof der Hauptschule Scharrerstraße in Nürnberg – unter der tatkräftigen Mithilfe von Schülern – zwei Streetsoccercourts aufgebaut. 17 Teams aus Schülerinnen und Schülern der 5. und 6. Klassen spielten dann mehrere Stunden lang ein Fußballturnier aus, nach den besonderen Regeln von „Straßenfußball für Toleranz“. (Mit-)Organisiert, geleitet und betreut von den Streitschlichter/innen der Scharrerschule, die ihre in einem Workshop erworbenen Fähigkeiten als „Teamer“ einsetzen konnten.
Ein voller Erfolg, dem nur eines fehlte: Die nochmalige nachhaltige Beschäftigung mit den Erfahrungen der Beteiligten und der Vertiefung des Erlebten und Gelernten.
Von einem Turnier für die 5., 6. und 7. Jahrgangsstufe profitieren die Schüler/innen und Lehrkräfte dieser Klassen am Schuljahresbeginn besonders. Die einzigartige Spielform eignet sich hervorragend, auf dem neu Erlernten auch im Unterricht aufzubauen: Regeln selbst entwickeln, artikulieren, einhalten, sich einigen.
Nach den positiven Erfahrungen des ersten Turniers, waren sowohl die an der Vorbereitung des letzten Turniers beteiligten Lehrkräfte als auch die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur gerne bereit, weiterzumachen und ein zweites Turnier in Angriff zu nehmen. Die Umsetzung folgte im Oktober.
Was ist Straßenfußball für Toleranz?
Straßenfußball für Toleranz ist eine gut erprobte Methode, nicht nur Fußball zu spielen. Ebenfalls können spielerisch aber mit großem Lerneffekt positive Erfahrungen mit Regeln gemacht werden.
Dabei spielen jeweils kleine, gemischte Teams gegeneinander. Was zählt, ist nicht nur der sportliche Erfolg, sondern genau so sehr Fairness und Respekt im Spiel - gegenüber Mannschaftskamerad/innen und Gegner/innen. Nicht nur gewonnene Spiele bringen Punkte im Turnier, ebenso das faire Verhalten auf dem Platz, d.h. das Einhalten von Regeln. Diese Regeln werden von den Kindern sowohl festgelegt als auch auf Einhaltung überprüft – ohne eingreifende Schiedsrichter.
Das Gute: Es funktioniert - wie die erfolgreiche Umsetzung in Nürnberg gezeigt hat.
Teams und Teamer
Die Streitschlichter/innen der Scharrerschule wurden mit Unterstützung durch KICKFAIR-Mitarbeiter zu "Teamern" ausgebildet (Projekttag am 26.4.). Teamer haben die verantwortungsvolle Aufgabe, als Moderator/innen zu wirken: Sie unterstützen die gegnerischen Teams vor dem Spiel, gemeinsame Regeln auszuhandeln. Dabei geht es keineswegs um die Neuerfindung des Fußballsports, sondern um Dinge, die das Miteinander auf und um den Fußballplatz verbessern sollen: Etwa das Aufhelfen gegnerischer Spieler/innen, dieselben nicht zu beschimpfen oder am Ende des Spiels allen Teilnehmern die Hand zu schütteln. Das Einhalten dieser Regelung wird am Ende gemeinsam überprüft und so die Vergabe der teilweise entscheidenden Fair-Play-Punkte bestimmt.
Zur Turnierteilnahme am 20.5. eingeladen waren alle 5. und 6. Klassen. Gespielt wurde in 17 Teams von 4 bis 8 Schüler/innen (in jedem Team sollte mindestens 1 Mädchen dabei sein). Kinder, die nicht aktiv spielten, beteiligten sich u.a. als „Fans“, mit der Hip-Hop-Gruppe und hatten die Gelegenheit, ein Angebot des Erfahrungsfelds zur Entfaltung der Sinne (Fußbälle-selber-machen) auf dem Schulhof wahrzunehmen.
Die „Teamer“, also Schülerinnen und Schüler der Streitschlichter-Gruppe, hatten zuvor die teilnehmenden Klassen besucht und erklärt, wie „Straßenfußball für Toleranz“ funktioniert. Bei ihnen konnten sich Teams zum Turnier anmelden.
Das Turnier funktionierte trotz der für ein „erstes Mal“ großen Teilnehmer/innenzahl relativ reibungslos. Die Teamer nahmen ihre Aufgabe sehr ernst, so dass sie im Laufe des Vormittags selbstständig besondere Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten entwickelten: Aufruf der nächsten Teams, Austeilen von Leibchen, Ansagen usw. So war die positive Stimmung des Turniertags nie gefährdet - obwohl die herausragende Bedeutung der "Fairplay"-Wertung gegenüber der sportlichen Leistung beim Küren der Turniersieger zu Beginn schwer zu akzeptieren war.

Nachahmung möglich?
Bei der Planung und Durchführung wurde an jeder Stelle darauf geachtet die Schule sowohl finanziell als auch personell so wenig wie möglich zu belasten. An der Scharrerschule wurde das Projekt mit der bestehenden Streitschlichtergruppe - unterstützt durch deren Lehrerin und der Schulsozialpädagogin - vorbereitet. Weitere begeisterungsfähige Lehrkräfte können freilich bei der Organisation von Bällen, Pavillons und Verpflegung hilfreich sein.
Die Herstellung notwendiger Kontakte und die Öffentlichkeitsarbeit lag dagegen in der Hand der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur. So konnten der SportService der Stadt Nürnberg (kostenlose Bereitstellung der Streetsoccer-Courts) und das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne (Unterstützung bei Aufbau und Organisation) als Kooperationspartner gewonnen werden.
Wichtig war auch die angesprochene Unterstützung von KICKFAIR. Der Stuttgarter Verein bemüht sich seit Jahren um die Verbreitung des international etablierten Programms "Straßenfußball für Toleranz" in Deutschland. Im April leitete man den Schul-Projekttag zur Teamerschulung und war auch mit vier MitarbeiterInnen beim Turnier im Mai präsent.
KICKFAIR stellt weiterhin praxisnahes Lehr- und Unterrichtsmaterial für verschiedene Klassenstufen, Fächer und Themen rund um das Thema Fairplay und Toleranz und zum Thema Globales Lernen bereit, damit die Kinder auch nach dem Turnier noch die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen zu teilen und sich weiter mit dem Thema Fairness, Regeln und Demokratie zu beschäftigen - bietet damit eine Arbeitserleichterung für die Lehrkräfte, die das Thema aufgreifen wollen.
Eine Garantie für eine perfekte Veranstaltung gibt es freilich nicht - etwa immer möglich: Kurzfristige Absage wegen zu schlechter Wetterbedingungen. Allerdings wurde das Turnier am 20. Mai bei Nieselregen und vergleichsweise niedrigen Temperaturen ohne Klagen durchgeführt. Und auch das nasskalte Wetter (5° C) zum zweiten Termin im Oktober, konnte die Schüler nicht vom Spielen abhalten.
Erfolgreich kooperieren
Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur bedankt sich bei den Kooperationspartnern, ohne deren Unterstützung die Durchführung der Turniere nicht möglich gewesen wäre - und hofft, dass sich auch weitere Schulen trauen, ein solches Projekt auszuprobieren. Praktische Erfahrungen, an die sich thematisch anknüpfen lässt, besitzen nach dem Turnier ALLE Kinder, die daran teilgenommen haben.








