Franz Beckenbauer

Walther-Bensemann-Preisträger 2006

Ehrenmitglied
Auszeichnungen

Begleittext zur Preisverleihung 2006

Franz Beckenbauer ist der mit Abstand populärste Fußballer Deutschlands und wird auch weltweit als eine der führenden Persönlichkeiten des Sports überhaupt angesehen. Seine Karriere begann der 1945 in München geborene Sohn eines Postobersekretärs mit neun Jahren als Jugendspieler des SC München 06, ehe er 1958 zum FC Bayern wechselte, mit dem er bis heute verbunden ist. 1965 feierte er mit 20 Jahren seinen Einstand in die Nationalmannschaft. Als Spieler nahm er an drei Weltmeisterschaften teil.

Nach der Niederlage im WM-Finale von 1966 im Londoner Wembley-Stadion endete auch Beckenbauers zweite WM unglücklich: 1970 in Mexiko beendete er das dramatische Halbfinale gegen Italien, das als „Spiel des Jahrhunderts“ in die Fußball-Geschichte einging, mit einer ausgerenkten Schulter, den Arm in einer Schlinge tragend. Deutschland unterlag 3:4 nach Verlängerung und musste sich am Ende mit Platz drei begnügen. Bei der WM 1974 in Deutschland schließlich schlug seine große Stunde. Beckenbauer spielte jetzt auch in der Nationalelf auf der Position, die er mit seiner Spielweise revolutionierte – als Libero hinter der Abwehr. Trotz einer 0:1-Niederlage in der Vorrunde im einzigen offiziellen Länderspiel gegen die DDR durfte Beckenbauer nach dem 2:1-Sieg über die Niederlande im Endspiel von München als erster den neuen WM-Pokal in Empfang nehmen. 1977 wechselte er vom FC Bayern in die USA zu Cosmos New York.

Bis zu seinem Abschied aus München hatte er mit „seinen“ Bayern alle wichtigen Titel (Hattrick im Europapokal der Landesmeister, vier Deutsche Meistertitel, vier DFB-Pokalsiege) gewonnen. Er beendete seine Karriere als Nationalspieler mit 103 Länderspielen und überschritt als erster deutscher Fußballer die „magische“ Grenze von 100 internationalen Auftritten. Mit 35 Jahren kehrte er 1980 zum Hamburger SV in die Bundesliga zurück, wurde mit den Hanseaten 1982 noch einmal Deutscher Meister, ehe er 1983 nach einem erneuten Gastspiel bei Cosmos New York seine Karriere beendete.

Franz Beckenbauer wurde als Nachfolger von Jupp Derwall im Juli 1984 zum Teamchef der Nationalmannschaft ernannt. Seinen ersten großen Erfolg als Mann auf der Bank feierte er bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko, bei der sich die deutsche Elf erst im Endspiel geschlagen geben musste. Bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien wurde Deutschland dann dank des verwandelten Elfmeters von Andreas Brehme in der Finalrevanche gegen Argentinien zum dritten Mal Weltmeister, und Franz Beckenbauer sicherte sich endgültig einen Platz in der Fußballgeschichte: Als bislang einziger Deutscher – und zweiter Mensch überhaupt nach dem Brasilianer Mario Zagallo – holte er sich sowohl als Spieler als auch als Trainer den WM-Titel.

Mittlerweile Präsident des FC Bayern München, wurde Franz Beckenbauer 1998 zum DFB-Vizepräsidenten gewählt. Dank seines unglaublichen Engagements als Vorsitzender des WM-Organisationskomitees sicherte sich Deutschland zunächst den Zuschlag für die Austragung der WM 2006 und erlebte dann im Juni und Juli dieses Jahres die wohl schönste Weltmeisterschaft aller Zeiten, die Fußballfans aller Länder tatsächlich „zu Gast bei Freunden“ werden ließ. Franz Beckenbauer wurde für Besucher aus aller Welt zur Symbolfigur des gastfreundlichen Deutschland.

Die Erkenntnis, in seinem Leben viel Glück gehabt zu haben, und der Wunsch, davon etwas an die Gesellschaft zurückzugeben, ließen ihn 1982, nach dem Ende seiner Karriere als aktiver Fußballspieler, die Franz-Beckenbauer-Stiftung gründen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, jenen ideelle und finanzielle Hilfe zu leisten, die geistig, seelisch oder körperlich behindert bzw. unverschuldet in Not geraten sind.

Franz Beckenbauer
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